WELTVERBAND DER ZOOS UND AQUARIEN
- GEMEINSAM FÜR NATURSCHUTZ -
Zoos und Aquarien
für Naturschutz
Die Welt-Zoo- und Aquarium -Naturschutzstrategie

WAZA -GESCHÄFTSSTELLE , BERN, SCHWEIZ, 2005
Deutsche Ausgabe : Übersetzung: Verband Deutschsprachiger Zoopädagogen e.V. WAZA (2005): Zoos und Aquarien für Naturschutz - Die Welt-Zoo- und Aquarium -Naturschutzstrategie Englische Ausgabe: |
Umschlag : Zoogeborene Przewalski-Stuten © Christian Walzer, |
Sponsoren: Die Drucklegung der vom Verband Deutschsprachiger Zoopädagogen e.V. übersetzten deutschen Ausgabe der Welt-Zoo- und Aquarium Na-turschutzstrategie wurde ermöglicht durch finanzielle Beiträge folgender Organisationen: |
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Verband Deutscher Zoodirektoren e.V. |
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European Association of Zoo and Wildlife Veterinarians |
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Ich gratuliere dem Weltverband der Zoos und Aquarien zu dieser Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie. Sie ist ein in unsere Zeit passendes Dokument, das die Gedanken der 1993 veröffentlichten Welt-Zoo-Naturschutzstrategie weiterführt. Sie stellt Ex-situ-Institutionen ins Zentrum des Schutzes der biologischen Vielfalt und einer nachhaltigen Entwicklung. Diese Strategie entwickelt eine gemeinsame Philosophie für Zoos und Aquarien in aller Welt und setzt Standards und Richtlinien, mit denen Sie Ihre Naturschutzziele erreichen können. Ihre erste Strategie wurde in einer Zeit des Aufbruchs veröffentlicht – der Tage von Rio und dem Start des Übereinkommens über die biologische Vielfalt. Sie orientierte sich an der Welt-Naturschutzstrategie der IUCN. Seit damals hat sich der Zustand der Umwelt nicht verbessert und die Aufmerksamkeit der Welt konzentriert sich auf Fragen der Wirtschaft und Sicherheit. In diesem Zusammenhang ist die bedeutende Rolle, die Zoos und Aquarien im Naturschutz spielen, wichtiger denn je. Zoos und Aquarien haben eine einzigartige Stellung: Sie kümmern sich ganzheitlich um Naturschutz: Für junge Menschen aus den Städten sind Zoos und Aquarien oft der erste Kontakt zur Natur und so Kinderstube für Naturschützer von morgen. Die Forschung, die Sie betreiben, ist lebenswichtig für das Verständnis der Elemente der biologischen Vielfalt und ihrer Wechselwirkungen. Die Kampagnen zur Bewusstseinsbildung und Information, die Sie durchführen, sind entscheidend, um der breiten Öffentlichkeit sowohl den wirtschaftlichen als auch ästhetischen Wert der Natur nahe zu bringen. Ihr Bemühen, Kollegen in anderen Teilen der Welt Fachwissen zu vermitteln und Technik zur Verfügung zu stellen, sichert einen dauerhaften Beitrag von Zoos und Aquarien zum Schutz der biologischen Vielfalt und pflegt einen Geist der Zusammenarbeit, den wir in unserer mitgenommenen Welt so dringend brauchen. Schließlich zeigen die Spenden, die Sie zur Unterstützung des Naturschutzes in freier Wildbahn sammeln, die Verantwortung der Menschen in den Städten, die natürlichen Gebiete der Erde zu erhalten. Unsere Zukunft ist ungewiss. Wenn die WAZA jedoch diese Strategie nutzt, um mehr als 600 Millionen Zoo- und Aquarienbesucher jährlich zu motivieren und zu begeistern, hilft sie beim Schutz der biologischen Vielfalt unseres Planeten. Viele WAZA-Mitglieder sind auch Mitglied der IUCN und dieses Dokument zeigt den Weg, wie sie beitragen können, das Programm und die Vision der IUCN „einer Welt, die die Natur schätzt und schützt“, umzusetzen. Als Partner im Naturschutz begrüßt die IUCN die Welt-Zoo- und Aquarien- Naturschutzstrategie und wünscht Ihnen allen Erfolg bei ihrer Durchführung. |
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| Achim Steiner Generaldirektor der IUCN |
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| Der Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA), früher Internationale Union der Zoodirektoren, veröffentlichte seine erste Naturschutzstrategie 1993. Es war das erste Mal, dass die Zoo- und Aquariengemeinschaft der Welt eine solche Initiative ergriff. Für die nächsten zehn Jahre fasste dieses umwälzende Dokument die Vision der Rolle von Zoos im Naturschutz in Worte. Das Dokument war das Ergebnis der internationalen Zusammenarbeit vieler hervorragender Fachleute, wurde in viele Sprachen übersetzt und war seitdem der Leitfaden für Zoos und Aquarien im Naturschutz. 2002 fand bei der Vorbereitung des zehnten Jahrestags der ursprünglichen Strategie ein kleines, aber wichtiges Treffen statt. Ulie Seal, mittlerweile leider verstorben, damals Vorsitzender der Fachgruppe für Erhaltungszucht (CBSG) der IUCN, William G. Conway, damals Direktor der Wildlife Conservation Society in New York, Bert de Boer , Koordinator und Hauptautor der Strategie von 1993, und Gunther Nogge , Direktor des Zoolog ischen Gartens Köln und Herausgeber der deutschen Fassung, trafen sich, um die Struktur eines neuen Strategiepapiers zu besprechen. Es sollte auf dem Erfolg der ersten Strategie aufbauen, gleichzeitig aber neue Wege aufzeigen, wie Zoos und Aquarien erfolgreich Naturschutz-Aktivitäten unterstützen können. Dieses Dokument ist das Ergebnis ihrer Überlegungen und danach einer gewaltigen Arbeit vieler Menschen. Im August 2002 wurden auf der Jahrestagung von CBSG und WAZA in Wien Arbeitskreise gebildet, um zu entscheiden, was der Inhalt einer neuen Strategie und wie sie gegliedert sein sollte. Für jedes Kapitel wurden Koordinatoren er- und eine große Zahl von Mitarbeitern benannt. Unter der Schirmherrschaft des WAZA-Naturschutzkomitees, unter Vorsitz von Jo Gipps, begann ein zweijähriger Prozess: Jedes Kapitel musste entworfen, verfasst, bearbeitet, neu diskutiert und verbessert werden. Schließlich wurde der Entwurf der neuen Strategie auf der Jahreshauptversammlung der WAZA im November 2004 in Taiwan verabschiedet. Alle, die zu diesem Dokument beigetragen haben, sind in Anhang 3 alphabetisch aufgeführt. Diese Liste umfasst Mitglieder des WAZA-Präsidiums, des WAZA-Naturschutzkomitees, die Autoren der Kapitel und all jene, die an ihnen mitgearbeitet oder zu ihnen beigetragen haben, Teilnehmer an CBSG- und WAZA-Arbeitsgruppen und eine große Zahl von Einzelpersonen, die Teile oder das ganze Dokument während der letzten beiden Jahre kommentiert haben. Die Liste ist lang, voller bekannter Namen aus der Zoo- und Aquariengemeinschaft, aber auch von außerhalb. Sie ist hochgradig international. Wir danken allen Beteiligten aufrichtig. Ihre Beiträge haben dieses Dokument zu dem gemacht, was wir hoffen, das es ist: eine wahrhafte Naturschutzstrategie für die nächsten fünf bis zehn Jahre für die Zoos und Aquarien in aller Welt. Ein paar Einzelpersonen müssen besonders erwähnt werden: die Kerngruppe der Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie bestehend aus Miranda Steven-son, Peter Olney, Peter Dollinger, Onnie Byers, Chris West, Bert de Boer, Mark Reed (welchen Institutionen sie angehören, steht in Anhang 3) und uns beiden. Miranda Stevenson koordinierte das ganze Projekt äußerst sorgfältig und stets gut gelaunt und Peter Olney bearbeitete das Dokument in gewohnt untadliger Manier. Unser Dank geht an den WAZA-Direktor Peter Dollinger für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Durchsicht, Gestaltung und Fertigstellung des Dokuments. Wir schulden der Kerngruppe großen Dank für ihre Zeit, Energie und Hingabe bei diesem Projekt, ebenso unseren Kollegen von der CBSG, deren Unterstützung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Strategie von 1993 bestand aus einem Basisdokument und einer Kurzfassung. Die neue Strategie wird außerdem ein Handbuch mit Hilfsmitteln enthalten (zur Zeit in Vorbereitung), das von den einzelnen Zoos und Aquarien, den regionalen Zooverbänden und von der WAZA selbst genutzt werden kann, um Aktionspläne zu entwickeln, die es allen erlauben, die Strategie umzusetzen. Diese Strategie ist für alle Mitglieder der Welt-Zoo- und Aquariengemeinschaft bestimmt, nicht nur für WAZA-Mitglieder. Es ist auch ein Dokument, so hoffen wir, das dieser Gemeinschaft helfen wird, einer breiteren Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wo sie zukünftig ihre Schwerpunkte im Naturschutz sieht. Wie der Generaldirektor der IUCN in seinem Geleitwort feststellt, besteht kein Zweifel, dass Zoos und Aquarien eine wichtige Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt unseres Planeten spielen. Wir hoffen, dass dieses Dokument aufzeigt, wie Zoos und Aquarien diese Rolle erfolgreich ausfüllen können und legen es Ihnen ans Herz. |
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| Ed McAlister Präsident der WAZA |
Jo Gipps Vorsitzender, WAZA Naturschutzkomitee |
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„ ‘ Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten und hat keine wirkliche Beziehung zu wilden Tieren u nd Pflanzen . “ (D. Attenborough, 2003)
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Naturschutz als durchgängiges Prinzip |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel erklärt, warum und wie Zoos und Aquarien direkte Beziehungen zu Naturschutzprogrammen in freier Wildbahn herstellen und wie sie ihre Naturschutzarbeit mit der täglichen Routine im eigenen Betrieb, etwa im Umgang mit Besuchern aber auch mit Aktionen außerhalb verbinden können. Beide, innere und äußere Aktivitäten, werden angesprochen und aufgezählt. Gangbare Wege werden aufgezeigt. Ziel ist durchweg Zusammenarbeit, Koordination und Kommunikation. |
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Vision Übergeordnetes Ziel aller Zoos und Aquarien ist die Verbindung aller Arbeitsbereiche mit Naturschutz-aktivitäten. Grundlage der Philosophie jeder Institution sind die Werte Nachhaltigkeit und Naturschutz sowie Sozial- und Umweltverantwortlichkeit. Diese Werte durchdringen alle Bereiche ihrer Arbeit und werden von allen, die im Netzwerk der WAZA arbeiten, geteilt und vertreten. |
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| 1.1 Einleitung Anfang des 20. Jahrhunderts begannen Zoos und Aquarien sich als eine möglicherweise für den Naturschutz in freier Wildbahn bedeutsame Kraft wahrzunehmen. Seit den 1960er begriffen sie Naturschutz zunehmend als eine ihrer Hauptaufgaben. Überall auf der Welt gibt es Zoos und Aquarien, besonders in der WAZA, die eine große Rolle beim Schutz der biologischen Vielfalt spielen und ihren Beitrag zum Naturschutz auf der ganzen Welt weiter verstärken wollen. Ziel der Welt-Zoo- und Aquariengemeinschaft ist heute, dass alle Mitglieder direkt in Naturschutzprogramme in freier Wild-bahn eingebunden sind und die Öffentlichkeit das auch wahr-nimmt. Zoos oder Aquarien können nicht sinnvoll zum Naturschutz beitragen, wenn sie ihn nicht in ihre Betriebsphiloso-phie einbinden; das Prinzip Naturschutz muss durchgängig ausdrückliches Ziel sein. Das Prinzip Naturschutz kann von den Institutionen dann am wirkungsvollsten umgesetzt werden, wenn all ihre Aktivitäten im Betrieb und außerhalb schon in der Planung miteinander verbunden sind. Hauptziel ist der Schutz bedrohter Arten und gesunder Ökosysteme. Der Prozess der Koordination, Zusam-menarbeit und Kommunikation muss reibungslose Routine sein. |
Das Prinzip Naturschutz setzt eine Reihe von internen Prozessen in Gang, mit denen ein Zoo versucht, all seine Aktivitäten und Beziehungen in den Naturschutzprogrammen, die unterstützt werden sollen, zu regeln. Es kann auch das übergeordnete Thema sein, unter dem Naturschutzprogramme den Zoobesuchern, Förderern, Medien und der Öffentlichkeit vermittelt werden. In der Institution verankerte Naturschutzaktivitäten können in unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedlich sein, da auch die kulturellen und sozialen Faktoren sowie die alltäglichen Lebensumstände verschieden sind. Zoos in Gegenden mit hoher biologischer Vielfalt investieren oft viel Zeit, Energie und finanzielle Mittel als Auffangzentren für Wildtiere. Sie kümmern sich um Tiere, die in Konflikt mit der Bevölkerung geraten sind, aus illegalem Handel stammen, als Heimtiere missbraucht und später zur Last für ihre Halter geworden sind oder die Opfer von Naturkatastrophen, wie Über-schwemmungen, Feuer oder Erdbeben wurden, sich verlaufen haben, streunen oder gestohlen worden sind. Für diese Zoos sind Tierschutzprobleme oft vorrangig, was die Art und Weise beeinflussen kann, wie sie sich im Naturschutz engagieren oder das Prinzip Naturschutz vermitteln. Zoos und Aquarien können Naturschutz sowohl im eigenen Land als auch im Ausland betreiben. |
| Viele europäische und nordamerikanische Zoos leisten Naturschutzarbeit in anderen Erdteilen, besonders an Orten mit ho-her biologischer Vielfalt, aber auch in ihrer eigenen Region. Die Zoos und Aquarien Australasiens, einer Region mit vielen endemischen Arten, stecken mehr Mittel in regionale Projekte als in andere. Viele Zoos und Aquarien in Ländern mit hoher biologischer Vielfalt, wie in Zentral- und Südamerika, Afrika, Süd- und Ostasien suchen noch nach ihrer Rolle im Naturschutz. Diese Institutionen haben oft mehr Besucher als Zoos anderswo, was viel Arbeit und Energie ihrer Mitarbeiter bindet. Sie können jedoch sehr gut viele Menschen über Naturschutzprobleme, aber auch Lösungen im eigenen Land aufklären. So kann „Prinzip Naturschutz” Unterschiedliches an unterschiedlichen Orten bedeuten. |
Möglicherweise gibt es einen Interessenskonflikt, wenn man Mittel einsetzen muss, um Geld zu verdienen, obwohl man sie lieber für Naturschutz einsetzen möchte. Eine finanziell erfolgreiche Institution hat für Naturschutz immer Mittel oder kann sie auftreiben. Anders ist das bei Zoos oder Aquarien, die darum kämpfen müssen, ihre Verpflichtungen gegenüber ihren Tieren, Mitarbeitern und Besuchern erfüllen zu können. Jedoch kann jede Institution, egal wie wenig Geld sie hat, sinnvolle Wege finden, zum Naturschutz beizutragen. Letztlich erwarten wir, dass ein starkes Engagement von Zoos und Aquarien im Naturschutz den Erfolg der Institutionen und damit auch die Einnahmen steigern wird. |
1.2 Interner und externer Naturschutz Das Prinzip Naturschutz in der Institution Die meisten Zoos und Aquarien berücksichtigen bereits Elemente des Prinzips Naturschutz bei vielen ihrer Aktivitäten. So:
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In Zukunft werden Zoos also, wenn sie das Prinzip Naturschutz übernehmen:
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Das Prinzip Naturschutz außerhalb Die moderne, komplexe Welt des Naturschutzes hat viele Punkte auf der Tagesordnung und viele Mitspieler. Keine einzelne Organisation, sei es Zoo, Aquarium, Naturschutzverband oder Entwicklungshilfeorganisation sollte alleine handeln. Naturschutzaktivitäten sollten in Zusammenarbeit aller am selben Ziel arbeitenden betrieben werden und Wettstreit oder Ausnutzung vermeiden. Im Naturschutz aktive Zoos und Aquarien müssen von Vorne herein mit Entwicklungshilfebehörden, nationalen und internationalen Naturschutzbehörden, Regierungsstellen und örtlichen Gemeinden zusammenarbeiten, um dauerhafte, nachhaltige Lösungen zu finden. In der Vergangenheit sind viele Naturschutzaktionen gescheitert, weil nicht ausreichend auf übergreifende Fragestellungen geachtet wurde, besonders auf die Bevölkerungsentwicklung, was heute immer noch ein Schwachpunkt ist. Anders als viele Naturschutzorganisationen, die in der Öffentlichkeit nicht auffallen, sind Zoos und Aquarien Attraktionen. Sie können ihre Besucher in die weite Welt „entführen“ und Fragen des internationalen Naturschutzes bewusst machen. Sie können die Aufmerksamkeit der Besucher direkt auf Probleme des Naturschutzes und deren Lösungen lenken, wenn sie mit anderen Naturschutzorganisationen zusammenarbeiten und das öffentlich verdeutlichen. Sie können zum „Ort des Geschehens“ für Netzwerke von Naturschutz- und Entwicklungshilfe-organisationen werden, indem sie z.B. Konferenzräume und Ausbildungseinrichtungen zur Verfügung stellen. In Zusammenarbeit mit anderen Zoos oder Zuchteinrichtungen halten Zoos und Aquarien Arten in gemeinsam koordinierten regionalen, nationalen oder internationalen Erhaltungs-zuchtprogrammen. Die Art der Einbindung in solche Programme ist weltweit unterschiedlich, in einigen Gegenden gibt es gut etablierte Programme, während andere gerade erst beginnen. Wenn sie das Prinzip Naturschutz übernehmen, werden Zoos und Aquarien also: |
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1.3 Schlussfolgerung Wie oben ausgeführt, ist das Prinzip Naturschutz nicht leicht zu verfolgen. Jedoch haben viele Zoos und Aquarien |
mit dem Prozess begonnen und Erfolge werden nach und nach sichtbar. |
Empfehlung Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie appelliert an alle Institutionen, egal ob reich oder arm, |
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Schutz wildlebender Populationen |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel entwirft die Vision, dass Zoos und Aquarien eine treibende Kraft im weltweiten Naturschutz sind und beschreibt, wie sie dazu werden. Den Bezugsrahmen liefern das Übereinkommen über die biologische Vielfalt und die Ziele der Milleniumserklärung der Vereinten Nationen, die durch Beteiligung an lokalen und regionalen Programmen in die Praxis umgesetzt werden. So ist sichergestellt, dass die Aktivitäten der Zoos und Aquarien in einem größeren Zusammenhang stehen. Die Institutionen engagieren sich aktiv im Naturschutz mit Schwerpunkt auf Langzeitstudien und -programmen. Ein gutes Beispiel sind Zootierärzte, die durch ihre Ausbildung und Berufserfahrung prädestiniert sind, zur Erforschung neu auftretender Krankheiten beizutragen und an der Schnittstelle zwischen Wild-, Haustieren und Menschen zu arbeiten. Die Gesundheit von Wildtieren ist ein wichtiger Punkt bei Wiedereinbürgerungen oder Umsiedlungen. Sie werden wegen der Zerstückelung der Lebensräume und Mensch-Tier-Konflikten zunehmend notwendig. Zoos und Aquarien entwickeln sich zu Ausbildungszentren für Experten vor Ort und bauen dadurch lokal Naturschutzkapazitäten auf. Sie konzentrieren sich auf vorbildliche Tierhaltung, Zucht, Management kleiner Populationen und auf veterinärmedizinische Maßnahmen für Wildtiere. Dadurch tragen sie zum Schutz der lokalen Flora und Fauna bei. Die jährlich etwa 600 Millionen Zoo- und Aquarienbesucher sind eine wichtige Quelle zur Finanzierung von Naturschutzmaßnahmen. Zusammengefasst: Zoos und Aquarien können einen wesentlichen Beitrag zum Schutz natürlicher Lebensräume im eigenen und anderen Ländern leisten. Sie erreichen dieses Ziel durch Anwendung ihres Wissens, ihres Könnens und den Einsatz ihrer Mittel. Diese Entwicklung voranzutreiben, ist ein Hauptanliegen. |
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Vision Zoos und Aquarien tragen zum Naturschutz in freier Wildbahn durch ihr Wissen, ihr Können und den Einsatz ihrer Mittel bei. Sie ergreifen Initiativen in den Bereichen Erhaltungszucht, Umsiedlung, Wiedereinbürgerung, Wildtiergesundheit, Ausbildung und Vermittlung und finanzieren Aktivitäten in freier Wildbahn. Zoos und Aquarien sind weltweit eine treibende Kraft im Naturschutz und betreiben oder unterstützen Freiland-Projekte zum Schutz von Wildtieren und ihrer natürlichen Lebensräume. |
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2.1 Einleitung Die moralische Verpflichtung von Zoos und Aquarien, einen direkten Beitrag zum Naturschutz in freier Wildbahn zu leisten und international eine einflussreichere Kraft im Naturschutz zu werden, ist nicht neu. Heute ist es jedoch für viele Menschen wichtiger, etwas zum Schutz der Tiere in freier Wildbahn zu tun, als sie im Zoo nur anzuschauen und etwas über sie zu lernen. Die Zeit ist gekommen, vom Reden zu gemeinsamem Handeln überzugehen. Für Zoos und Aquarien bedeutet das, ihre Unterstützung für Naturschutz-Projekte zu steigern und Kriterien zu entwickeln, welche Institutionen als „Zoos und Aquarien“ anerkannt werden. |
Nicht alle Zoos und Aquarien haben dieselben Möglichkeiten, Naturschutz zu unterstützen. Dieses Kapitel zeigt den Rahmen, was einzeln oder partnerschaftlich erreicht werden kann, wobei klar sein muss, dass sich unterschiedliche Institutionen an unterschiedlichen Aktivitäten beteiligen werden. Unterstützung von Naturschutz in freier Wildbahn kann durch direkte Aktionen erfolgen, die Lebensräume oder die Lage einzelner Arten verbessern oder durch indirekte Aktivitäten wie Bil-dungsmaßnahmen, Sponsoring und Forschung, um Theorie und Praxis zu fördern. Diese indirekten Maßnahmen werden in anderen Kapiteln ausführlich behandelt. |
2.2 Der internationale Zusammenhang Im Einleitungskapitel der Welt-Zoo-Naturschutzstrategie (WZNS) wurde die Welt-Naturschutzstrategie der IUCN von 1980 als wichtiger Bezugsrahmen für Naturschutzaktivitäten zitiert. Seitdem hat sich die politische Landschaft verändert. 1992 wurde auf dem Erd-Gipfel in Rio de Janeiro das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) verabschiedet (www.biodiv.org). Die Zoo- und Aquarienwelt muss nun ihre Naturschutzvorhaben und Aktivitäten in diesen Zusammen-hang stellen und keine eigenen, abweichenden zoospezifischen Initiativen entwickeln. Über 180 Länder haben die CBD unterzeichnet; sie ist recht-lich bindend und hat vor allem drei Ziele: Schutz der biolo-gischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung ihrer Elemente und eine faire und gerechte Verteilung der Gewinne, die aus der Nut-zung der genetischen Ressourcen entstehen (siehe dazu auch Kasten 3). Die CBD sieht „Naturschutz“ und „nachhaltige Nutzung“ als zwei unterschiedliche Dinge an, anders als die Welt-Naturschutzstrategie, die nachhaltige Nutzung als Be-standteil des Naturschutzes sieht. Die CBD ist die über-geordnete Übereinkunft im Naturschutzbereich, aber es gibt eine Reihe ähnlicher Staatsverträge: |
Sie sind als Leitfaden für Naturschutz-Politik genauso wichtig. Den Anstoß zu grundlegenden Veränderungen in der Politik gaben verschiedene Aktionspläne, insbesondere lokale, regionale und nationale Biodiversitäts-Aktionspläne (BAPs), die auf nationaler Ebene von der CBD gefordert werden. Zoos und Aquarien können sich im Naturschutz auf BAP-Prioritäten konzentrieren und damit zu einem umfassenderen Prozess und zur Zusammenarbeit mit mehr Partnern beitragen, als es die Zoo-Gemeinschaft alleine könnte. Wo BAPs schwach sind oder wo sie nicht vorhanden sind, können Zoos und Aquarien Informationen, Ideen oder Mitarbeiter beisteuern, um effektive BAPs zu entwickeln oder durchzuführen. |
2.3 Entwicklung Die Bandbreite von Naturschutzaktionen reicht von lokal bis global, deshalb müssen Zoos und Aquarien berücksichtigen, dass wirkungsvoller Naturschutz und nachhaltige Nutzung nur dann funktionieren, wenn die Programme die lokalen Kulturen, Lebensstile und Entwicklungsbedürfnisse beachten. Mit einfachen Worten, die UN Milleniumserklärung (www.undp.org/mdg) ist der Rahmen, in dem diese Fragen angegangen werden können. Ihr Hauptziel ist die Bekämpfung von Armut und Hunger, die Verbesserung des Gesundheitswesens und der Bildung, aber auch nachhaltige Nutzung der Umwelt, in der Absicht, bis 2015 „den Verlust von Umwelt Ressourcen umzukehren“. Die Verbindung |
der Naturschutz- und Entwicklungs-Agenden wäre ein großer Fortschritt; wenn er gelänge, hätten Zoos und Aquarien die Gelegenheit, in großem Stil Entwicklungshilfe zu beanspruchen oder zumindest zu beeinflussen. Kasten 2.1 zeigt zwei Beispiele, wie das vor sich gehen kann. Andere Naturschutzinitiativen, die von Zoos und Aquarien unterstützt werden, haben Wildhegemaßnahmen mit der lokalen Bevölkerung vereinbart, um sicherzustellen, dass die Betroffenen nicht übermäßig durch den internationalen Naturschutz belastet werden. Wo ein starker sozialer Zusammenhalt und Raum für partnerschaftliche Verfahren entstehen, kann diese Politik wirkungsvoll und dauerhaft sein. |
2.4 Wiedereinbürgerung und Umsiedlung Die ersten Vorschläge von Zoos für den Schutz von Wildbeständen betrafen Zucht und Auswilderung. Sie basierten auf den Erfolgen der Zucht des Bisons (Bison bison) und des Wisents (Bison bonasus) in nordamerikanischen bzw. europäischen Tiergärten und Wildgattern. Zoos und Aquarien können wie „Archen“ funktionieren, in denen sorgfältig gehegte Tierpopulationen gezüchtet und deren Nachkommen wieder ausgewildert werden. Unter günstigen Umständen können Zoos und Aquarien das Fachwissen und die nötigen Tiere bereitstellen. Sie können prüfen, ob der Zuchtbestand geeignet ist, sozial funktionierende Gruppen für eine erfolgreiche Zucht und Aufzucht zusammenstellen, dafür sorgen, dass die Tiere ihr Verhalten ausleben können sowie Futterpläne und Haltungsrichtlinien erstellen. Wenn man diese Haltungsaspekte berücksichtigt und entsprechende Vor-bereitungen trifft, können geeignete Tiere für eine Wieder-einbürgerung zur Verfügung gestellt werden. Durch Forschung können zudem Zucht- und Wiedereinbürgerungs-erfolge verbessert werden (siehe Kapitel 9). Der spektakuläre anfängliche Erfolg der Wiedereinbürgerung der Arabischen Oryx (Oryx leucoryx) in Oman und Saudi Arabien zeigt, dass die Wiedereinbürgerung von Nachkommen aus Zoozuchten und der Aufbau lebensfähiger Wildbestände möglich sind. Die scheinbar einfache Logik dieses Verfahrens täuscht jedoch über die komplexe zu Grunde liegende Realität hinweg. Viele Wiedereinbürgerungsversuche hatten nur |
mäßigen Erfolg oder waren einfach zu teuer. Einer der offensichtlich begrenzenden Faktoren ist, dass die Tiere mit den Gefahren der freien Wildbahn fertig werden müssen. Klare Beispiele waren viele wiedereingebürgerte Goldene Löwen-äffchen (Leontopithecus rosalia) und Schwarz-weiße Varis (Varecia variegata), die Beutegreifern zum Opfer fielen. Noch komplexere Probleme treten z.B. dann auf, wenn im Zoo geborene Schimpansen (Pan troglodytes), die ihre Angst vor Menschen verloren haben, freigelassen werden und dann in Konflikte mit der lokalen Bevölkerung geraten. Zoos und Aquarien müssen Methoden entwickeln, die den Erfolg von Wiedereinbürgerungen verbessern. Neue, später aufgetretene Faktoren, die zum Aussterben führen, können zum Zeitpunkt der Wiedereinbürgerung nicht vorhanden oder zu vernachlässigen gewesen sein. Zum Beispiel wurde der frühe Erfolg des Projekts Arabische Oryx in Oman radikal durch äußere Einflüsse zerstört, als dort Tiere für Bestandsauf-stockungen an anderen Orten gefangen wurden; was nicht vorherzusehen war. Bei Wiedereinbürgerungsprojekten geht es nicht nur darum, dass Tiere ausgewildert werden. In vielen Fällen spielt eine Kombination von ökologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Aspekten eine Rolle, die alle für einen langen Zeitraum bedacht werden müssen. Bei Nicht-beachtung sozioökonomischer Aspekte und ohne eine anpassungsfähige Projektleitung kann das Ergebnis auf lange Sicht Frustration und Misserfolg sein. |
Auswilderung von Tieren, um überzählige Tiere loszuwerden oder vorgeblich aus Gründen des Tierschutzes, führt eher zur Vergrößerung von Gesundheitsrisiken und zu Konflikten mit den im Gebiet bereits ansässigen Tieren und Pflanzen. Außerdem ruft sie andere Gefahren für Menschen und Tiere hervor und fördert nicht den Schutz wild lebender Populationen. Solche Projekte sollten auf Fälle begrenzt werden, wo angemessene Forschung durchgeführt und Sicherheitsvor-kehrungen getroffen worden sind, um bestehende Wildpopulationen und Ökosysteme nicht zu gefährden. Auch muss eine sorgfältige Überwachung und Nachsorge der Wieder-einbürgerung gewährleistet sein, um fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die bei zukünftigen Wiedereinbürgerungsversuche nützen. Eine wichtige Aktivität, die spezielles Fachwissen aus Wiederansiedlungsprogrammen nutzt, ist die Umsiedlung von Wildtieren. Sie kann z.B. erforderlich werden, um Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren zu reduzieren, wenn Wildtiere Vieh oder Menschen töten oder Eigentum zerstören. Da die Zerstückelung von Lebensräumen zunimmt und klimatische Veränderungen die Grenzen und die Qualität von Habitaten beeinflussen, wird die Umsiedelung von wild lebenden Populationen zu einem immer wichtigeren Werkzeug des Naturschutzes in freier Wildbahn. Das Fachwissen und Können von geschulten und erfahrenen Tierhaltungs-Experten wird gebraucht, um Naturschutzorganisationen bei solchen Umsiedlungsaktionen zu beraten. Es versteht sich von selbst, dass diese vielfältigen Bemühungen nur wenig zum Schutz von Populationen in freier Wildbahn beitragen, wenn nicht das Wissen und die Mittel zur Verfügung stehen, die Bestände langfristig zu erhalten. Alle Wiederansiedlungen und Umsiedlungen brauchen langfristige wissenschaftliche Unterstützung, Zeit, Hingabe und Geld. |
Kasten 2.1 Brücken schlagen zwischen Naturschutz- und Entwicklungs-Agenden EAZA Bushmeat-Kampagne Royal Chitwan National Park |
2.5 Gesundheit der Tiere in freier Wildbahn Die in Zoos und Aquarien beschäftigten Tierärzte verfügen über großes Fachwissen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Daher können sie bei Eingriffen in der freien Wildbahn helfen und den Naturschutz im Freiland aktiv unterstützen. Zoos und Aquarien besitzen eine Schlüsselstellung bei der Ausbildung von Tierärzten für Wildtiere. Tierärztliche Hilfe bei der Wiedereinbürgerung besteht in der Behandlung und Diagnose von Krankheiten und Leiden sowie der Kontrolle von Parasiten und Krankheitserregern in Zoos und anderen Einrichtungen für die Zucht von Wildtieren. Sie sorgt aber auch dafür, dass keine Krankheiten, Stress oder Verletzungen während einer Umsiedlung oder Auswilderung auftreten. Auch müssen Tiere tierärztlich untersucht werden, bevor sie ins Freiland entlassen werden, um eine unabsichtliche Freisetzung von Parasiten oder Krankheitserregern aus Zuchtzentren ins Freiland zu verhindern. Die Gesundheit der Tierwelt ist ein wichtiger Punkt beim Schutz von Populationen in freier Wildbahn. Das alte Problem der Rinderpest ist in Kasten 2.2 beschrieben. Neu auftretende Erkrankungen werden zu einem wichtigen Thema, hier sei nur kurz auf den katastrophalen Rückgang von Amphibien-beständen in den letzten Jahren auf mindestens vier Kontinenten als Ergebnis einer Infektion mit neuen pathogenen Pilzen hingewiesen. Andere Fragen der Wildtiergesundheit müssen ebenfalls ver-standen werden. Zum Beispiel zeigt die Forschung am prächtigen Steller´s Seeadler (Haliaeetus pelagicus), durch-geführt vom Zoo Moskau, wie das Blei von Geschossen in Aas in den Adlern angereichert wurde und so zu ihrem Tod führte. Die Wildlife Conservation Society in New York führt Forschungen über das Ebola-Virus in Zentralafrika durch, das aufgrund von Indizien im Verdacht steht, die Populationen von Flachlandgorillas und Schimpansen zu vernichten. In jüngster Zeit wurde der plötzliche und schnelle Rückgang der Bengalgeier-Populationen auf den Gebrauch |
des Medikaments Diclofenac bei Haustieren, speziell Rindern, zurückgeführt, deren Kadaver die Hauptnahrung der Geier sind. Der Zusammenhang von menschlicher Gesundheit und der von Affen erfordert erhöhte Aufmerksamkeit, wenn man die Entwicklungen im Ökotourismus betrachtet. Er will dem Reichtum der Tierwelt größeren Wert beimessen, um ihn nicht zu zerstören, gleichzeitig aber auch Touristen in große Nähe zu Tieren wie Gorillas oder Schimpansen bringen. Der Berg-gorilla-Tourismus ist ein hervorragendes Beispiel für diese Situation: Es gibt Beweise dafür, dass menschliche Erkrankungen auf wilde Populationen von Menschenaffen übertragen werden können. Wildtierärzte müssen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung touristische Angebote spielen, um wilde Populationen von Menschenaffen vor solchen Risiken zu schützen. |
Kasten 2.2 Rinderpest Ein bekanntes Beispiel für eine eingeschleppte Krankheit ist die Rinderpest, die 1840 durch infizierte Rinder nach Afrika gebracht wurde. Bis 1890 hatte sie die Huftierpopulationen, die sich in Kenia ohne Resistenzen oder Toleranz gegen diese Krankheit entwickelt hatten, ausgelöscht. Hunderttausende von Tieren starben. Ver-rottende Kadaver lagen Monate lang stinkend in der Savanne Ostafrikas. Auch die Zahl der Gnus (Connochaetes taurinus) in der Serengeti fiel auf rund 300.000 Tiere. Die Populationen konnten sich erst in den 1960er Jahren wieder auf einen Bestand von 1,5 Millionen erholen, nachdem die Rinderpest bei domestizierten Rindern ausgerottet war und infolge auch bei wildlebenden Wiederkäuern verschwand. Rinderpest in Wildpopulationen muss überwacht werden, damit in besonders gefährdeten Gebieten, wie an der Grenze zwischen Somalia und Kenia, Programme zu ihrer Ausrottung gestartet werden können. Dort lebt auch die gefährdete Hunters-Leierantilope (Damaliscus hunteri). |
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2.6 Einheiten für den Naturschutz in freier Wildbahn Wiedereinbürgerung, Wildtiergesundheit und Forschung reichen jedoch für einen dauerhaften Naturschutz in freier Wildbahn nicht aus. Sie können zwar manchmal erfolgreich sein, um eine aussichtslos erscheinende Situation zu retten, sind aber oft sehr teuer. Um eine führende Rolle im Naturschutz zu spielen, müssen Zoos und Aquarien Einheiten von Naturschutz-Experten für die freie Wildbahn aufstellen oder unterstützen. Die Aufgaben dieser Mitarbeiter vor Ort können von kurzen Bestandsaufnahmen bis hin zu Langzeitstudien reichen. Kleine, auf einen Punkt konzentrierte Übersichten und Forschungen können sehr effektiv bei der Identifizierung von Problemen sein, Kontrollprozesse in Gang setzen und eine Änderung der Politik anstoßen. |
Zur Planung von langfristigen Naturschutz-Aktivitäten müssen sie jedoch durch Langzeitstudien über das Leben von Tieren in freier Wildbahn, ihre Bedrohung und die ihrer Lebensräume ergänzt werden. Dazu müssen Zoos und Aquarien in Einstellung, Ausbildung und Verbleib der Mitarbeiter im Naturschutz vor Ort investieren. Zusätzlich zu ihren biologischen Kenntnissen und Erfahrungen müssen sich diese Naturschutzexperten in sozialen und ökonomischen sowie den Belangen ihrer Institution bestens auskennen. Die Lösung dieser Aufgabe wird erleichtert, wenn Einheimische als Wildhüter und Park-Mitarbeiter ausgebildet, lokale Gemeinden zur Teilnahme und Regierungen und Privatfirmen zur Unterstützung gewonnen werden. |
2.7 Finanzierung Um die Veränderung zu beschleunigen, können Zoos und Aquarien besonders bei der Finanzierung Mittel bündeln. Viele werden alleine nicht in der Lage sein, Naturschutz in freier Wildbahn zu betreiben oder ihre eigenen „Einheiten für Natur-schutz“ einzurichten. Zoos und Aquarien haben jährlich über 600 Millionen Besucher und oft Förderer-Organisationen, denen Hunderttausende von Menschen angeschlossen sind. Diese repräsentieren einen Großteil der Gesellschaft, der sich um Naturschutz kümmert und sind eine wichtige Quelle für die Beschaffung von Geldern für Naturschutz in freier Wildbahn. Zoos und Aquarien können eine Vielfalt von Aktivitäten und Kampagnen durchführen, um Geld für Freilandprojekte zu sammeln. Die Summen, die zusammen kommen, sind beacht-licht. Ein Dreijahresrückblick von britischen und irischen Zoos (1997 – 2000) zeigt z.B., dass über 5 Millionen Pfund von Zoos für Freilandprojekte ausgegeben wurden. Die jährlichen Naturschutz-Kampagnen der EAZA (die Projekte der einzelnen Mitgliedzoos und -aquarien nicht berücksichtigt) haben über 250.000 EURO pro Jahr eingebracht. Der Victoria Zoo (Aus-tralien) investiert direkt ca. 300.000 A$ pro Jahr in Freiland-projekte. Die Wildlife Conservation Society, die ihre Wurzeln im Bronx Zoo hat, gibt über 32 Millionen Dollar für In-situ- |
Projekte jährlich aus. Gelder aus Eintritten können durch gemeinsame Spenden, Stiftungen oder Regierungsgelder ergänzt werden, um bedeutende Summen für den Naturschutz in freier Wildbahn aufzubringen. Mit welchen Beträgen einzelne Zoos und Aquarien Naturschutz im Freiland finanzieren, variiert erheblich. Große Institutionen wenden beträchtliche Summen auf. Es haben aber auch schon Gruppen von Zoos zusammengearbeitet, um spezielle Naturschutzziele zu erreichen. So hat ein Zusammen-schluss von 39 Zoos die Madagaskar Fauna Group gebildet, die Freiland-Projekte, Umweltbildung und Wiedereinbürgerung von Lemuren finanziert. 2003 schlossen sich 120 EAZA-Zoos, mit australasischen, russischen und europäischen Zoos zusam-men, die nicht EAZA-Mitglieder sind, um Mittel für neun Tigerprojekte der Organisation „21st Century Tiger“ zu sammeln. Solche Spendenaktionen können Zoos jeder Größe veran-stalten, die Kleineren können etwas zu größeren Konsortien beisteuern, damit überall genügend Mittel für einen grundlegenden Wandel gesammelt werden. Zweifellos werden Zoos oder Aquarien mehr Spender anziehen, wenn sie deutlicher machen, dass sie sich aktiv am Naturschutz beteiligen. |
2.8 Zoogelände als Lebensraum für einheimische Arten Dass Zoos auch Refugien für einheimische Wildtiere sind, wird oft zu wenig gesehen. Sie können aber so betrieben werden, dass sie Lebensräume für seltene einheimische Arten bieten, die nicht zum eigentlichen Bestand gehören. Durch das Pflanzen von Hecken, das Stehen lassen von Unkraut, das Liegen lassen von verrottendem Holz für Insekten, durch das Errichten von Teichen, das Bereitstellen von Nahrung zu bestimmten Zeiten, das Anbieten von Nistkästen für Vögel oder Fledermäuse |
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2.9 Ausbildung Zoos und Aquarien, die wirkungsvollen Naturschutz in freier Wildbahn unterstützen oder betreiben wollen, müssen ihre Fähigkeiten und Kenntnisse verbessern. Sie müssen eine Reihe neuer Qualitäten im Management entwickeln. Naturschutz-programme im Freiland sind meist räumlich weit von der Mutterinstitution entfernt. Möglicherweise befindet sich das Projekt in einem anderen Land, man muss mit den ansässigen Behörden zusammen zu arbeiten, oft in einer anderen Sprache und in einer anderen Kultur. Die Mitarbeiter im Freiland müssen über sehr weite Entfernungen unterstützt werden. Es bleibt deshalb auf Dauer notwendig, Mitarbeiter aus Natur-schutz, Forstwirtschaft, Nationalparks, Zoos und Aquarien aus Ländern auszubilden, in denen Unterricht und Ausbildung rar sind, in denen aber seltene |
Pflanzen und Tiere leben. Zoos und Aquarien können ideale Unterrichtszentren für diese haupt-beruflichen Mitarbeiter sein. Sie können Kurse anbieten, die für eine große Zahl von Bewerbern nützlich sind. Schon lange bestehende Institutionen dieser Art sind z.B. das Smithsonian Institution`s Conservation and Research Center in Front Royal, Virginia, USA und das Durrell Wildlife Conservation Trust International Trainings- Centre in Jersey, Kanalinseln. Die Haltung vieler Tierarten und die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen sind wesentliche Hilfsmittel bei der Ausbildung und dem Aufbau eines weltweiten Netzwerks von Fachleuten mit ähnlichen Ansichten. |
2.10 Überprüfung Es gibt nur wenige Studien, die den Erfolg von Naturschutz-Projekten, die von Zoos und Aquarien oder anderen Naturschutz-Organisationen unterstützt wurden, bewerten. |
Es besteht also ein Bedarf an objektiven Methoden, den Erfolg solcher Projekte abzuschätzen. |
2.11 Schlussfolgerungen Zoos und Aquarien können hervorragend direkt zum Naturschutz in freier Wildbahn - im eigenen wie im Ausland - beisteuern, wenn sie zwei Vorgehensweisen miteinander verbinden: Zum einen können sie Fachwissen und Informationen in den Bereichen Tierschutz, Zucht, Management kleiner Populationen und Gesundheitsvorsorge bei Wildtieren bereitstellen. Zum anderen können sie Freilandprojekte in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern und Institutionen durchführen. Die ungewöhnliche Verbindung ihrer beiden Stärken, Fachkenntnis und Vermittlung, bietet Zoos und Aquarien eine einzigartige Möglichkeit für den Naturschutz in freier Wildbahn. Kurz gesagt können Zoos und Aquarien direkt zum Schutz wildlebender Populationen aktiv werden durch: |
Diese direkten Naturschutzaktivitäten müssen durch indirekte Maßnahmen ergänzt und unterstützt werden: durch Genforschung, Forschung über Physiologie, Ernährung, Verhalten, Verhaltensökologie, Tierschutz und Reproduktion; Spendenaktionen für Freilandaktivitäten, Bildung, Wecken des Bewusstseins und politische Arbeit. |
Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) ruft alle Zoos und Aquarien auf, ihre Leistungen zur Unterstützung des Naturschutzes im Freiland zu steigern. Die WZANS vertritt die Ansicht, dass Zoos und Aquarien den Schwerpunkt ihrer Naturschutztätigkeit auf lokale, regionale oder nationale Biodiversitäts–Aktions–Pläne oder ähnliche Artenschutz-Programme legen sollten. Wo es diese noch nicht gibt oder sie nicht wirksam sind, sollte ihre Einrichtung betrieben, unterstützt oder verbessert werden. Die WZANS betont mit Nachdruck, dass Zoos und Aquarien bei Wiedereinbürgerungs- oder Umsiedlungsprogrammen nicht unabhängig handeln, sondern mit anderen Institutionen und immer auch mit den zuständigen Behörden, den entsprechenden IUCN/SSC – Fachgruppen und anderen Regierungs- und Nicht-Regierungs-Organisationen, vor allem mit jenen des Gastlandes, zusammen arbeiten sollen. Die WZANS empfiehlt dringend, dass Zoos und Aquarien, wo möglich, Mitarbeiter für den Naturschutz in freier Wildbahn einstellen, ausbilden und unterstützen. Sie bestärkt jenen Zoos und Aquarien, die Ausbildungs-programme für Naturschutzexperten eingerichtet haben und ermutigt andere Institutionen, eigene Ausbil-dungen zu organisieren oder bestehende zu unterstützen. Die WZANS appelliert an alle Zoos und Aquarien, egal ob groß oder klein, sich aktiv an der Spendensammlung für Freilandprojekte zu beteiligen. Die WZANS befürwortet, dass alle Zoos und Aquarien ihr Gelände ökologisch aufwerten und damit Lebens-raum für einheimische gefährdete Arten schaffen. Die WZANS empfiehlt, dass regionale und nationale Zooverbände Zeit und Geld aufwenden, um Methoden zur Evaluation der Leistung ihrer Mitglieder im Naturschutz zu entwickeln und anzuwenden. |
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Wissenschaft |
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Grafik 3.1 Muster einer Zusammenarbeit zwischen Zoos, Universitäten und Forschung: |
Der Waldrapp (Geronticus eremita) ist eine hochgradig bedrohte Zugvogelart mit überlieferten Wanderrouten, Überwinterungsorten und Brutplätzen. Die Zugtraditionen werden wahrscheinlich von den Jungvögeln dadurch erlernt, dass sie mindestens einmal gemeinsam mit ihren Eltern ziehen. Das „Scharnstein-Projekt” (WAZA-Projekt Nr. 03001) will Gruppen von jungen, handaufgezogenen Waldrappen eine neue Wandertradition beibringen. Dazu fliegen die Forscher mit Ultraleichtflugzeugen zusammen mit den Vögeln von Ober-österreich zu geeigneten Überwinterungsorten in der südlichen Toskana. Es wird erwartet, dass die Vögel im darauf folgenden Frühjahr selbständig nach Österreich zurückkehren. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnten die Ergebnisse herangezogen werden, um den Waldrapp in Teilen seines Verbreitungsgebiets wieder anzusiedeln, in denen er vor Jahrhunderten verschwunden ist. Dank großer Medienpräsenz wurde das Projekt weit bekannt und hat bei der Bevölkerung zu einem positiven Bild des Waldrapps beigetragen. Photo: Johannes Fritz, Scharnstein |
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Populations- |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel beschreibt die Vision, dass Zoos und Aquarien mit ihrem Fachwissen für das Management kleiner Populationen in gemeinsame regionale und globale Erhaltungszuchtprogramme eingebunden sind. Es ist ein vorrangiges Ziel von Ex-situ-Programmen, In-situ-Naturschutz zu unterstützen. Dazu müssen Ex-situ-Populationen demographisch stabil und zu einer sich selbsterhaltenden Reproduktion in der Lage sein. Sie sollten für lange Zeit gehalten werden, auf verschiedene Institutionen verteilt und groß genug sein, um eine ausreichende genetische Vielfalt zu haben. Viele Programme haben jedoch zu wenige Gründertiere und Teilnehmer, eine zu geringe genetische Bandbreite oder nur geringe Zuchterfolge. Wege, die Lebensfähigkeit zu erhöhen, sind: Mehr Platz für die Zucht, Ausweitung regionaler zu globalen Programmen, verstärkte Zuchtplanung, Verbesserung der Haltung durch Forschung sowie Import von Gründertieren aus freier Wildbahn oder anderen Regionen. Populationsmanagement umfasst demographische und genetische Planung, tierärztliche Betreuung und Haltung. Das bedeutet Zahlen und Alter, Geschlechts- und soziale Struktur zu überwachen. Genetische Planung bedeutet die sichere Bestimmung der taxonomischen Zugehörigkeit, um Inzucht oder einen Verlust genetischer Vielfalt zu vermeiden. Planungsentscheidungen basieren auf Zuchtbüchern. Populationsdaten sind in einer Datenbank festgehalten, dem Internationalen Arten Information System (ISIS). Andere Aspekte des Managements betreffen konfiszierte und überlassene Tiere, Eigentumsverhältnisse und Auswirkungen des Tieraustauschs. Metapopulations-Planung befasst sich mit dem Management miteinander in Verbindung stehender Populationen. Ihre Elemente können Ex-situ-Populationen, Zuchtprogramme im Land, frei lebende Populationen und Genbanken einschließen. Austausch zwischen Populationen kann auch Wiedereinbürgerung heißen. Das Kapitel endet mit der Feststellung, dass viele Wildpopulationen Ex-situ-Populationen gleichen – klein, mit geringem Genfluss untereinander. Die Wissenschaft des Managements kleiner Populationen entwickelte sich beim Management von Ex-situ-Populationen und ist daher von direkter Bedeutung für den Naturschutz in freier Wildbahn. Dieses Fachwissen können Zoos und Aquarien zum Naturschutz beisteuern. |
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Vision Alle Zoos und Aquarien haben das Fachwissen für das Management kleiner Populationen. Sie sind in globale oder regionale gemeinsame Zuchtprogramme eingebunden. Diese Programme fußen auf soliden Kenntnissen und nutzen die neuesten verfügbaren Daten des Populationsmanagements, der Fortpflanzungsbiologie, der Genetik, des Verhaltens, der Ernährung, der tierärztlichen Betreuung und der Haltung. |
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4.1 Einleitung Zoos and Aquarien haben in Zukunft einen entscheidenden Anteil am Überleben vieler Arten und sind bedeutende Partner von In-situ-Naturschutzprogrammen. Jedoch sind die Be-stände in den einzelnen Zoos normalerweise zu klein, um für einen langfristigen Naturschutz von großer Bedeutung zu sein. Wie können dann diese einzelnen Bestände einem Naturschutzziel dienen? Die Antwort liegt in gemeinsamen, regionalen oder weltweiten Ex-situ-Zuchtprogrammen, die große lebensfähige Populationen bilden. Diese kooperativen Zucht-programme dienen vielen Zwecken, z.B. der Pädagogik oder Forschung. Wichtiger noch, sie halten Tiere als demographische und genetische Reserven für Wildpopulationen. Um das zu erreichen, müssen diese Bestände für einen langen Zeitraum lebensfähig sein. Das heißt, dass sie demographisch stabil, gesund und zu sich selbsterhaltender Reproduktion in der Lage sind. |
Sie sollten auf verschiedene Institutionen verteilt sein, um das Risiko eines Verlustes durch Katastrophen zu vermindern. Auch sollten sie von ausreichender Größe sein, um einen hohen Grad genetischer Vielfalt zu gewährleisten. Demographische Stabilität stellt sicher, dass eine ausreichende Zahl von Tieren im fortpflanzungsfähigen Alter zur Verfügung steht. Das erlaubt, so zu züchten, dass die Population auf die gewünschte Größe steigt oder stabil gehalten wird. Gesunde Populationen sind erforderlich, damit die Tiere auch tatsächlich züchten, wenn es nötig ist. Genetische Vielfalt ist für Populationen notwendig, damit sie gesund bleiben und sich an wechselnde Umweltbedingungen anpassen können (d.h. na-türliche Selektion erfahren können). Ex-situ-Zuchtprogramme müssen diese Vielfalt erhalten, sonst wird auf lange Sicht die Fitness der betroffenen Populationen leiden. |
4.2 Lebensfähige Bestände erhalten: Festlegung der Ziele für die Population Naturschutz-Biologen empfehlen, dass Ex-situ-Populationen, um lebensfähig zu bleiben, so groß sein sollten, dass 90% der genetischen Vielfalt des Gründerbestands über 100 Jahre er-halten werden kann. Sie führen aus, dass die hierzu benötigte Größe auch für die meisten anderen Punkte der Lebens-fähigkeit (zuverlässige Fortpflanzung, demographische Stabilität, etc.) ausreicht. Die optimale Größe hängt von den Besonderheiten jeder Population ab (so kommen Arten mit längerer Generationenfolge oder größerer genetischer Vielfalt mit kleineren Populationen aus), liegt aber üblicherweise bei einigen Hundert. Deshalb müssen Einzelinstitutionen in regionalen oder globalen gemeinsamen Zuchtprogrammen mitarbeiten. Das “90% / 100 Jahre”-Ziel wirkt einschränkend, da es nur die genetischen Kriterien der Lebensfähigkeit berücksichtigt. Eine stärker ganzheitliche Betrachtungsweise sollte die Gesamt-Lebensfähigkeit einer Population mitberücksichtigen. Die Zielgröße einer Population erfüllt dann einen multidimensionalen Satz von Kriterien, wie Verringerung der Gefahr der Auslöschung, Erhalt eines hohen Grades genetischer Vielfalt, Haltung einer sich selbst erhaltenden Population und anderer Notwendigkeiten (z.B. der Präsentation, sozialer / |
verhaltensbedingter Bedürfnisse, Bereithalten von Tieren für Wiedereinbürgerungen). Es müssen Methoden entwickelt werden, mit denen entsprechende Analysen zur Lebensfähigkeit von Populationen durchgeführt werden können. Viele Ex-situ-Erhaltungszuchtprogramme erfüllen nicht die allgemeinen Kriterien für Lebensfähigkeit. Gründe dafür sind zu wenige Gründertiere, bereits verlorene genetische Vielfalt, nicht genug beteiligte Institutionen oder mangelnde Zuchterfolge. Jedes Programm sollte Strategien entwickeln, die Lebensfähigkeit seiner Population zu erhöhen, durch:
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4.3 Die Wissenschaft des Populationsmanagements Populationsmanagement umfasst demographische und gene-tische Planung, tierärztliche Betreuung und Haltung. Die Ko-ordination dieser Gebiete ist unerlässlich, da jedes ins andere hineinwirkt. Zum Beispiel verursachen oft Haltung und Verhalten Einschränkungen bei der genetischen Planung oder tier-ärztliche Belange verbieten, mit einem Tier zu züchten oder es an eine andere Institution abzugeben. Demographische Planung befasst sich mit der Kontrolle von Alter, sozialer Struktur und Geschlechterverhältnis in der Population. Sie legt die Anzahl der beteiligten Artgenossen für eine zuverlässige Fortpflanzung und die Zahl der Tiere fest, die gezüchtet werden müssen, um eine gewünschte Wachstums-rate zu erreichen. Zur Analyse wird Software, die auf Zucht-buchdaten basiert, eingesetzt. Die beiden Hauptprobleme des Populationsmanagements sind die Wachstumsrate und die beschränkten Mittel. Wenn Bestände anwachsen, müssen Tiere vielleicht an andere gute Zoos und Institutionen abgegeben und die Fortpflanzung eingeschränkt werden, um im Idealfall ein Nullwachstum der Population zu erreichen. Das ist eine erhebliche Einschränkung für die Tierhaltung, da die Verhinderung von Fortpflanzung aus tiergärtnerischer Sicht oft schwierig ist; sie vergeudet wertvollen Platz und kann in Hinsicht auf die normale soziale Gruppierung unnatürlich sein. Obwohl in einigen Fällen empfängnisverhütende Mittel zur Fortpflanzungsregulation eingesetzt werden, sind sie oft nicht ideal und können bei einigen Arten zu gesundheitlichen und sozialen Problemen führen. Dennoch sind sie in vielen Zoos das Mittel der ersten Wahl zur Geburtenkontrolle. Deshalb ist weitere Forschung erforderlich, um sichere, reversible Antikonzeptiva für die große Vielfalt der in Zoos gehalten Arten zu ent-wickeln. Die Tötung überzähliger Tiere ist eine andere Methode, das Bestandeswachstum zu beschränken, sie kommt aber nicht bei allen Arten in Frage und kann ethische und kulturelle Belange verletzen. (Siehe auch Kapitel 9.) Begrenzte Ressourcen, besonders Platz, bereiten der Populationsplanung ebenso Sorgen. Auch wenn wissenschaftliche Methoden zur Berechnung idealer |
Genetische Planung prüft die taxonomische Zugehörigkeit von Tieren und entwirft Zuchtprogramme, um den wichtigsten genetischen Herausforderungen, denen sich Zoo-Populationen gegenübersehen, entgegen zu treten: Schädliche Effekte von Inzucht, genetische Anpassungen an die Zoo- oder Aquarien-umgebung (ähnlich der Domestikation); Verlust von genetischer Vielfalt und Auftreten schädlicher Eigenschaften. Zucht-strategien, deren Hauptanliegen die Minimierung des Verlusts genetischer Vielfalt ist, kümmern sich um all diese Belange. Zwei Herausforderungen für die genetische Planung sind erstens der taxonomische Status eines fraglichen Tiers, wenn es keine Informationen über seine Herkunft gibt, zweitens Informationen über die Beziehung von Individuen, wenn Stammbäume fehlen. Heute sind preiswerte molekulare Techniken (z.B. Analyse der mitochondrialen DNS, Mikrosatelliten-analyse der Kern-DNS) verfügbar, um die Systematik lebender Bestände aufzuklären. Diese Verfahren nutzen einfach zu beschaffende Proben wie Haare oder Kot und Urin. Sicher wird es in Zukunft Techniken geben, die diese Analysen weiter vereinfachen und sie weltweit verfügbar machen. Die besten Zuchtstrategien, um die genetische Vielfalt zu erhalten, sind an Populationen entwickelt worden, in denen die Verwandtschaftsbeziehungen der Individuen bekannt waren oder aufgrund vollständiger Stammbäume berechnet werden konnten. Jedoch ist es schwierig, diese Strategien auf Po-pulationen zu übertragen, deren Herkunft im Dunkeln liegt. Die Molekular-Genetik kann viele dieser unklaren Beziehungen aufklären und feststellen, ob es eine ausreichende gene-tische Vielfalt gibt, wenn die fraglichen Tiere (potentielle Eltern und Nachkommen) noch für genetische Proben greifbar sind. Wenn es nur eine geringe genetische Bandbreite gibt oder Proben von den Schlüssel-Individuen nicht greifbar sind, kann die Molekulargenetik oft helfen, wenigstens die Beziehung zwischen den Individuen aufzuhellen. |
Bei Populationen mit unvollständigen Stammbäumen oder Arten, die in Gruppen leben und bei denen die Individuen schwer zu unterscheiden sind (z.B. Schwarmfische), hat man oft nur die Chance, mit der ganzen Gruppe und nicht mit Individuen zu planen. Fachleute sind dabei, Strategien für diese Gruppensituation zu entwickeln und zu überprüfen. In Zukunft wird das Populationsmanagement bei vielen Popu-lationen, sowohl ex-situ wie in- situ, stark auf Strategien des Gruppenmanagements angewiesen sein. Zwei andere genetische Fragestellungen werden zunehmend beim Management von Populationen zum Problem. Es sind dies die Anpassung an Zoo- oder Aquarienumgebung und ein Anstieg von schädlichen Eigenschaften infolge von Inzucht. Genetische Anpassung infolge kontrollierter Zucht ist lange Zeit als wichtiger Punkt beim Populationsmanagement gesehen worden, obwohl sie bis jetzt nicht richtig verstanden ist. Künstliche Selektion, absichtlich oder unbeabsichtigt, führt mit der Zeit in einem gewissen Maße zu Domestikationseffekten. Die Veränderung von Eigenschaften durch Selektion mag nur geringfügig sein, ist aber dennoch signifikant; z.B. geringere Fluchtdistanz, geringere Aggression oder effektivere Verdauung von Ersatznahrung. Haltung in Menschenhand hat das unerwünschte Potential, einige Kriterien, die bei der künstlichen Selektion von Haustierbeständen absichtlich eingesetzt werden, zu verstärken. Das ist einer der Hauptgründe, dass Zuchtentscheidungen auf Stammbäumen basieren und Strategien nutzen sollten, den Verwandtschaftsgrad gering zu halten. Dadurch wird die genetische Vielfalt gesteigert und nicht auf bestimmte Merkmale selektiert. Trotz dieser Zuchtstrategien kann möglicherweise künstliche Selektion auftreten. Weitere Forschung ist notwendig, um den ungünstigen Effekt, zu verstehen, den künstliche Selektion auf lange Sicht auf Zootierbestände und deren möglichen Beitrag zur Arterhaltung haben kann (z.B. durch Wiedereinbürgerungsprogramme). Die Ausprägung von unerwünschten Merkmalen wird steigen, da schädliche rezessive Gene normaler Bestandteil der genetischen Vielfalt einer Population sind und diese mit der Zeit der Inzucht unterliegt. Die Verantwortlichen müssen zuerst feststellen, ob die Ausprägung schädlicher Merkmale genetisch oder durch die Umwelt bedingt wird. Sie sollten also nicht gleich davon ausgehen, dass die bekannten und potentiellen Träger des Merkmals von der Zucht auszuschliessen sind. |
Wenn man das tut, riskiert man gleichzeitig andere, erwünschte genetische Variationen in der Population zu verlieren. Stammbaumanalysen sollten durchgeführt werden, um die beste Strategie zu wählen, mit unerwünschten Merkmalen bei steigender Inzucht umzugehen. Das Management von Populationen kann ohne vernünftige tierärztliche Betreuung und Haltungsplanung keinen Erfolg haben. Erfolgreiche Fortpflanzung braucht gesunde, gut gehaltene Tiere in angemessenen Anlagen. Die Verhaltensansprüche der Tiere müssen durch richtige Sozialstruktur der Gruppe, Gehegegestaltung und Beschäftigungsprogramme be-friedigt werden. Das erfordert Verhaltensforschung, besonders für wenig bekannte Arten. Der Austausch von Individuen zwischen Institutionen erhöht tiergesundheitliche Risiken. Tiertransporte sind ein kritischer Teil des Populations-managements und bergen ein erhöhtes Risiko der Krank-heitsverbreitung. Die meisten Tierarten haben eine Koevolution mit einer Reihe von Organismen durchlaufen, die möglicherweise Krankheiten oder Tod verursachen können. Diese normale Situation kann sich ändern, wenn Tiere in suboptimale Situationen gebracht werden (physisch, psychisch, ernährungsbedingt, etc.) oder wenn sie neuen Krankheitserregern von anderen Arten (einschließlich Menschen) oder Artgenossen aus anderen Ursprungsorten ausgesetzt werden. Es muss kompromisslos dafür gesorgt werden, dass Tiere so wenig wie möglich Kontakt zu anderen Arten oder Organismen bekommen, denen sie natürlicherweise nicht begegnen wür-den. Die Einschätzung neuer Krankheitserreger erfordert ständige Forschung und Schutzprogramme. Zoos und Aquarien brauchen gut geführte Quarantäneeinrichtungen und Standards, diesen Problemen adäquat zu begegnen. Wie allgemein beim Populationsmanagement können Methoden der Gesundheitsvorsorge und der Planung den Erfolg steigern, Risiken verringern und die Last für die einzelne Institution erleichtern, wenn sie regional organisiert oder viele Institutionen an ihnen beteiligt sind. Ein gewaltiger und ständig wachsender Wissensschatz ist durch die Netz-werke der im Gesundheitsbereich arbeitenden Fachleute verfügbar, wie das der IUCN Tierärzte-Fachgruppe, einem inter-nationalen Netzwerk von Tierärzten, die in freier Wildbahn und im Zoo arbeiten und den regionalen Vereinigungen von Tierärzten (z.B. Amerikanischer Verband der Zootierärzte und Europäischer Verband der Zoo- und Wildtierärzte). |
4.4 Werkzeuge des Populationsmanagements: Datenbanken und Zuchtbücher Zoos und Aquarien, die sich an gemeinsamen Erhaltungszuchtprogrammen beteiligen, müssen die Informationen über einzelne Tiere in ihrem Bestand auf die gleiche Weise auf-zeichnen und standardisierte Software benutzen, z.B. das von ISIS entwickelte Tierdaten-Erfassungssystem (ARKS). Die grundlegenden Daten enthalten den Ursprungsort, Daten über Geburt und Tod, Herkunft und Nachkommen, aber auch Informationen über Nahrung und Fütterung, Gesundheit, medizinische Behandlungen und Fortpflanzung. Diese Informationen sind für das Populationsmanagement von grundle-gender Bedeutung und bieten oft auch Details über die Billogie wenig bekannter Arten. ISIS sorgt für die zentrale Computer-Erfassung von Tieren, gesammelt und genutzt von weltweit über 600 Mitglied-Institutionen (Kasten 3.2). Mit ARKS, können Mitgliedsinstitutionen auf elektronischem Weg direkt Daten in die ISIS Datenbank eingeben. Darüber hinaus werden Aufzeichnungen über besondere Arten in regionalen, nationalen oder internationalen Zuchtbüchern geführt. Zuchtbücher bieten oft die genauesten Angaben über Arten, weil sie von einem |
Zuchtbuchführer geführt werden, der für die Sammlung, Prüfung und Veröffentlichung der Daten verantwortlich ist. Internationale Zuchtbücher unter-liegen der Verantwortlichkeit der WAZA, regionale oder nationale Zuchtbücher liegen in der Zuständigkeit der betreffenden Zoo-Vereinigung. ISIS produziert und verteilt jedes Jahr eine CD-ROM, die die letzte Version der Zuchtbücher enthält, die die Zuchtbuchführer eingereicht haben. Die CD-ROM von 2002 enthält 807 regionale und 157 internationale Zuchtbücher, zusätzlich 74 Haltungsrichtlinien. Zusätzlich zu der Software, mit der die Tierdaten betreut werden, gibt es verschiedene spezielle Softwarepakete, mit denen man Zuchtbuchdaten analysieren und Management-Empfehlungen entwickeln kann, z.B. REGASP, PM2000 and MateRx. Das gegenwärtige System unterschiedlicher, sich überschnei-dender Datenbanken ist eine ineffektive Ressourcennutzung. Aber es gibt eine spannende neue Entwicklung, die von ISIS betrieben wird, ein internetgestütztes, umfassendes und inte-griertes Informationssystem (ZIMS), das einen weiten Bereich des Managements von Tieren und Naturschutzaktivitäten unterstützen kann (siehe Kapitel 3, und Kasten 3.2.). |
4.5 Organisation von gemeinsamen Zuchtprogrammen Gemeinsame Zuchtprogramme können auf globaler oder regionaler Ebene organisiert sein. Regionale Programme werden oft bevorzugt, da Tiere gewöhnlich leichter innerhalb einer Region ausgetauscht werden können (z.B. innerhalb Europas). Zoos und Aquarien in unterschiedlichen Regionen können unterschiedliche Schwerpunkte im Naturschutz haben. Einige Regionen entwickeln auch aktiv regionale Bestands-pläne, die bestimmten Tiergruppen Priorität geben und regionale Mittel zuweisen. In diesen Plänen werden die Zielgrößen der Populationen für jede Tiergruppe festgelegt, um den Platz optimal zu nutzen. Die beteiligten Zoos berücksichtigen diese regionalen Bestandsplanungs-Richtlinien in ihrem Bestands-plan. Die Zuweisung von Vorrang für Arten schließt viel-schichtige Überlegungen ein, wie:
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Der bedrohte Kalifornische Kondor (Gymnogyps californianus) wird von den Mitgliedzoos der AZA in einem Erhaltungszuchtprogramm vermehrt und wieder ausgewildert. Aufnahme zur Verfügung gestellt von Mike Wallace, Zoologische Gesellschaft San Diego |
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Die Software REGASP (Regionaler Arten-Bestandsplan) wurde vom Verband der Australasischen Zoos und Aquarien entwickelt, um Zoos bei der Bestandsplanung zu unterstützen. REGASP kombiniert die Informationen von Tierdaten der Institutionen mit den Zieldaten regionaler Bestände, so dass Zoo- und Aquarienleiter sich während des Planungsprozesses auf regionale und globale Bestandsempfehlungen stützen können. REGASP ist Bestandteil der ISIS-Software. |
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| 4.6 Weltweite gemeinsame Zuchtprogramme Weltweite gemeinsame Zuchtprogramme, die es für einige Arten gibt, haben ein internationales Zuchtbuch und einen internationalen Art-Koordinator. Er bewertet die Rolle der einzelnen Tiere, Institutionen und Regionen aus einer globalen Perspektive. Diese Programme können unter der Regie einer nationalen Regierung stehen, der alle oder die meisten Tiere des Zuchtprogramms gehören. Das kann das Bestandsmanage-ment erleichtern, da es mögliche Konflikte oder auch wider-sprüchliche Ziele und Empfehlungen zwischen Regionen ver-meidet. Versuche, regionale Programme für einige Arten im Freiland einzurichten, könnten gefährdet werden, wenn man genetisch wichtige Tiere wegnimmt, um Programme in anderen Regionen zu unterstützen. |
Andererseits kann ein regionales Programm überzählige Tiere (und genetisch unwichtige Tiere) an andere Regionen loswerden, die, wenn sie ein eigenes regionales Programm ins Leben rufen wollen, feststellen müssen, dass ihre Gründerpopulation – aus globaler Sicht – genetisch von geringem Wert ist. Bei einigen Tier-gruppen kann es sein, dass ein koordiniertes Vorgehen ver-schiedener Regionen nötig ist, um eine lebensfähige und gesunde Population derselben Art oder Unterart zu erhalten. In anderen Fällen können die Regionen in der Lage sein, sich ergänzende Programme für verschiedene Unterarten durch-zuführen. Die Mittel von Zoos und Aquarien müssen weltweit koordiniert werden, um eine Zersplitterung oder unnötigen doppelten Aufwand zu vermeiden. |
4.7 Eigentumsverhältnisse und Populationsmanagement Die Eigentumsverhältnisse spielen auch heute noch eine wichtige Rolle beim Aufbau und der Realisierung von gemeinsamen Zuchtprogrammen. Bei einigen Programmen bleiben die Tiere im Besitz der Regierung des Ursprungslandes und der Originalbestand und alle Nachkommen sind Leihgaben. Andere Programme geben Empfehlungen zu Tiertransaktionen, kümmern sich aber nicht um Besitz und überlassen es den beteiligten Institutionen zu entscheiden, ob die Tier geliehen, getauscht, ge- oder verkauft werden. Der Vorteil, Tiere zu verleihen, liegt darin, dass man im Besitz genetisch wertvollen Materials bleibt, aber an Leih-Arrangements auf Gegenseitigkeit beteiligt ist. Dadurch bekommt man besseren Zugang zu einer größeren Zahl von Tieren für seinen Bestand. Einige Zoos sind jedoch aus finanziellen Gründen auf die Einnahmen aus Tierverkäufen angewiesen, nicht zuletzt wegen ihrer Zuchtprogramme. Das macht Transaktionen zwischen den Institutionen schwieriger und kann die Effektivität von |
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4.8 Konfiszierte und überlassene Tiere Ein Problem für einige Zuchtprogramme sind konfiszierte oder überlassene Tiere. Sie können illegal als Heimtiere ge-halten oder als Importe konfisziert worden sein. Es können Tiere sein, die gerettet und an die Naturschutzbehörden zurückgegeben worden sind oder Problemtiere, die von den Naturschutzbehörden aus dem Verkehr gezogen worden sind, um Probleme zwischen Mensch und Tier zu vermeiden. Wenn man konfiszierte oder überlassene Tiere in ein Zucht-programm einbringt, müssen folgende Punkte bedacht werden:
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Andererseits können gesunde konfiszierte oder überlassene Wildfänge in einem Zuchtprogramm den Gründerbestand aufzufrischen. Die meisten Zuchtprogramme haben zu we-nige Gründertiere. Eine gelegentliche Zufuhr von neuen, nicht verwandten Tieren kann für solche Programme ein Glücksfall sein. Es muss jedoch alles getan werden, sicherzustellen, dass alle Tiere, die in ein Zuchtprogramm übernommen werden: gesund, eindeutig bestimmt, wild-geboren (oder, wenn sie im Zoo geboren sind, ihre verwandtschaftlichen Beziehungen zur Population bekannt) sind und dass sie angemessen untergebracht werden können. WAZA und IUCN haben Richtlinien für Zoos, Aquarien und Naturschutzbehörden zum Umgang mit konfiszierten Tieren entwickelt. |
4.9 Nationale und internationale Bestimmungen Erhaltungszuchtprogramme kommen nicht aus ohne den Austausch von Tieren zwischen Untereinheiten von Ex-situ-Populationen, die Einfuhr von Wildtieren zur genetischen Auffrischung von bestehenden Populationen, die Einrichtung von neuen Ex-situ-Populationen mit Wildtieren und den interaktiven Austausch von Tieren zwischen In-situ- und Ex-situ-Populationen zur wechselseitigen Stärkung. Viele dieser Transaktionen erfordern die Überschreitung nationaler und kontinentaler Grenzen. Zoos and Aquarien müssen sich beim Austausch von Tieren an nationale und internationale Gesetzgebung halten. Jedoch sollte die Gesetzgebung zum Nutzen einer wirksamen Populationsplanung, die für Artenschutz von ausschlaggebender Be-deutung ist, so angepasst und entwickelt werden, dass sie große Möglichkeiten für den Austausch von Tieren und genetischem Material zwischen anerkannten Zoos und Aquarien und zwischen In-situ- und Ex-situ-Populationen zulässt. Die geltenden Vorschriften sind zeitraubend und kompliziert und verursachen unnötige Verzögerungen. |
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4.10 Bestandesplanung in-situ und ex-situ : Management von Metapopulationen Ein vorrangiges Ziel von gemeinsamen Ex-situ-Zuchtpro-grammen für bedrohte und gefährdete Arten ist die Unter-stützung des In-situ-Naturschutzes. Das kann durch Bergung von Arten erreicht werden, die in der Wildnis von direkter Ausrottung bedroht sind; aber auch durch Forschung, Auf-klärung oder Unterstützung von Aktionen, die In-situ-Popu-lationen stärken oder durch genetische und demographische Reserven zur Sicherung gefährdeter Wildpopulationen. Ein nützliches Modell, um die mögliche Beziehung zwischen Ex-situ- und In-situ-Populationsmanagement zu beschreiben, ist das Metapopulations-Managementmodell: eine Reihe von miteinander in Beziehung stehenden Populationen werden unter einem Naturschutzziel gemanagt (Abbildung 4.1). Komponenten eines Metapopulationsmanagement-Plans können mehrere regionale Ex-situ-Populationen sein (oder eine globale Ex-situ-Population), Zuchtprogramme einzelner Länder, meh-rere Wild-Populationen, wieder eingebürgerte Populationen, für eine Wiedereinbürgerung geeignete Lebensräume oder sogar Genbanken. Populationsmanagement wird, wie oben ausgeführt, |
In-situ- Populationen haben oft ähnliche Probleme wie Ex-situ-Populationen – kleine Gründerbasis und Gesamtpopula-tionsgröße, eingeschränkter Genfluss, mögliche Hybridisie-rung, Überbevölkerung (Überschreitung der Kapazität, die ein Habitat aushält) und die Notwendigkeit menschlichen Eingreifens. Die Wissenschaft, kleine Populationen zu mana-gen, die vorwiegend für Ex-situ-Populationen entwickelt wurde, muss auf diese In-situ-Populationen angewandt werden, um deren Lebensfähigkeit zu vergrößern. Zoos und Aquarien werden in einer starken Position sein, weil sie dieses Fachwissen liefern können und sollten nach Gelegenheiten Ausschau halten, es einzusetzen. |
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Abbildung 4.1. Metapopulations-Management betreut eine Reihe von sich gegenseitig beeinflussenden Populationen sowohl in-situ als auch ex-situ unter einem gemeinsamen Naturschutzziel. Das kann eine Reihe von Teil-bereichen betreffen: Austausch zwischen größeren Zuchtinstitutionen (große Kreise); Verteilung von Tieren, die zu alt zur Zucht sind oder nicht züchten auf periphere Institutionen (kleinere Kreise und gestrichelte Linien); Austausch von Tieren zwischen Regionen, Wiedereinbürgerung von im Zoo geborenen Tieren in ihr Ursprungshabitat und gelegentliche Entnahme von Wildtieren für die Ex-situ-Population. Wenn die Reproduktionstechnik in Zukunft Fortschritte macht, kann der Austausch von Genen zwischen Einheiten der Metapopulation durch Tiere oder Keimzellen erfolgen. |
Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) empfiehlt, dass alle Zuchtprogramme für bedrohte Arten in Zoos und Aquarien als globale oder regionale Programme betrieben werden. Regionale Pro-gramme sollten sich zusammenschließen, um globale Naturschutzstrategien zu verfolgen. Für die betroffenen Arten müssen globale oder regionale Zuchtbücher oder gleichwertige Datenbasen geführt werden. Die WZANS empfiehlt, alle Zuchtprogramme, an denen Zoos und Aquarien beteiligt sind, quantitativ und objektiv bezüglich ihrer Ziele, ihres Status und ihrer Lebensfähigkeit zu überprüfen. Die WZANS empfiehlt dringend, dass alle Zuchtprogramme auf wissenschaftlicher und vernünftiger Planung fußen und die neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse nutzen. Die WZANS erinnert alle Zoos und Aquarien daran, dass bei der Übernahme von Tieren von Behörden die „WAZA Richtlinien zur Annahme von beschlagnahmten oder konfiszierten Tieren“ zu berücksichtigen sind. Die WZANS drängt alle Zoos und Aquarien die wissenschaftliche Entwicklung des Populationsmanagements besonders für anonyme Tiergruppen (z.B. Fische und Wirbellose) voranzutreiben. Die WZANS erinnert alle Zoos und Aquarien, dass von ihnen erwartet wird, dass sie genaue Daten ihrer Bestände erfassen und diese Daten an die ISIS-Datenbank und die Zuchtbücher rechtzeitig und umfassend weitergeben. Die WAZA und die regionalen Verbände müssen weiterhin ökonomisch vertretbare Lösungen suchen, Institutionen aus Entwicklungsländern an diesem Prozess teilhaben zu lassen. Die WZANS ruft alle Zoos und Aquarien auf, ihre Bestandsplanung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachgruppen der IUCN Species Survival Commission auf regional oder global festgelegte Naturschutz-prioritäten auszurichten. Die WZANS ruft alle Gesetzgeber und Vollzugsbehörden auf, die Gesetze und Verfahren so zu vereinfachen, dass der Austausch von Tieren und genetischem Material zwischen Zoos und Aquarien ohne größere Schwierigkeiten möglich wird. |
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Bildung und Ausbildung |
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| Zusammenfassung Bildung ist eine zentrale Aufgabe und muss Teil der Organisationsstrategie aller Zoos und Aquarien sein. Dazu müssen sie eine schriftliche Richtlinie für Zoopädagogik haben, ein Entwicklungskonzept entwerfen, wie sie ihre pädagogischen Ziele erreichen wollen und ökologische Nachhaltigkeit vorleben (eine „grüne“ Ethik). Pädagogische Ziele sollten integraler Teil der Bestandsplanung, der Gehegegestaltung, der Entwicklung von Naturschutzprojekten und der Planung von Besucherangeboten sein. Aufgabe der Zoopädagogik ist, Tiere und Pflanzen so vorzustellen, dass sie Menschen aus allen Lebensbereichen begeistern und sie motivieren, im Naturschutz aktiv zu werden. Zoopädagogen präsentieren Tiere sowohl im ökonomischen, kulturellen und politischen als auch im biologischen Zusammenhang. Sie erklären die lokalen und globalen Eingriffe der Menschen ins Tierreich. Deshalb sollten die Mitarbeiter der zoopädagogischen Abteilungen (auch die freien Mitarbeiter) durch Lehrgänge weitergebildet werden. Netzwerke wie das des Internationalen Zoopädagogen-Verbands mit Gegenstücken in Botanischen Gärten, Museen und Wissenschaftszentren bieten Möglichkeiten zum Austausch von Methoden. Zoos und Aquarien geben den Besuchern allgemeine Informationen, durch die sie von sich aus etwas lernen können (informale Bildung) und Unterricht in Zusam-menarbeit mit Schulen, Fachhochschulen, Universitäten und Einrichtungen der Lehrerfortbildung (formale Bildung). Durch die Beteiligung bei der Entwicklung von Lehrplänen können Zoo- und Aquarien-Pädagogen ihre Programme aktuell halten und sicherstellen, dass Naturschutz berücksichtigt wird. Tiere und Pflanzen können über die Vermittlung rein biologischen Wissens hinaus genutzt werden, um Tierschutz, Gartenbau, Gehegegestaltung und Freizeitmanagement zu vermitteln; deshalb stärken Partnerschaften in der Ausbildung die Rolle der Pädagogik. Bildung ist auch eine entscheidende Komponente von Naturschutzprojekten im Freiland, um Bewusstsein zu wecken und Unterstützung zu gewinnen. Dieses Kapitel zeigt die Vision von Zoos und Aquarien, die zum Naturschutz beitragen, indem sie eine führende Rolle in der sozial und kulturell relevanten, informalen und formalen Bildung übernehmen. Sie beeinflussen dadurch die Einstellung und das Verhalten der Menschen lokal und global zum Leben in freier Wildbahn und zur Umwelt. |
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Vision Zoos und Aquarien mit ihrem außergewöhnlichen Bestand an lebenden Tieren, ihrem Fachwissen und ihrer Verbindung zu Naturschutzprojekten vor Ort werden als Wegweiser und Ratgeber in formaler und informaler Bildung für Naturschutz anerkannt. Die Rolle von Zoos und Aquarien als Bildungsinstitution ist sozial, kulturell und für die Umwelt relevant. Bildung wird, da sie das Verhalten und die Werte der Menschen beeinflusst, als eine bedeutende Naturschutzaktivität anerkannt. Zoos und Aquarien werden die Ausbildung der eigenen Mit-arbeiter und fremder, die in In-situ- und Ex-situ-Projekten arbeiten, verbessern. |
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5.1 Einleitung Zoos und Aquarien können Menschen besonders gut über die Natur und die Notwendigkeit ihres Schutzes informieren. Wenn Bewusstsein in Handeln mündet, hat das positive Folgen für das Leben in freier Wildbahn, die Menschen und den Naturschutz. Die Bildungsarbeit in Zoos und Aquarien unterstützt also die Umsetzung der Visionen der Agenda 21, einer Initiative der Konferenz über Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992. In der offiziellen Beschreibung heißt es: „die Agenda 21 ist ein umfassender Plan von Aktionen, die auf globaler, nationaler und lokaler Ebene, von Organisationen der Vereinten Nationen, Regierungen und wichtigen Gruppierungen in allen Bereichen, in denen der Mensch die Umwelt beeinflusst, durchgeführt werden müssen“. Sie ist ein umfassendes Dokument und der deutsche Originaltext ist zu finden unter: http://www.agrar.de/agenda/agd21k00.htm Kapitel 36 der Agenda 21 mit dem Titel „Förderung von Bil-dung, öffentlichem Bewusstsein und Ausbildung“ ist der Rah-men für alle Aktivitäten, die auf eine Bildung für nachhaltige Entwicklung zielen. Sie schließt alle Aktionen ein, die von anderen UN Konferenzen beschlossen wurden. Kapitel 36 „umfasst alle Bereiche der Bildung, (formale und informale) Grundbildung und alle Schlüsselfragen der Bildung für eine nachhaltige menschliche Entwicklung, einschließlich Umweltbildung“. Fortschritte im Naturschutz hängen vom öffentlichen Verständnis der Wechselbeziehungen zwischen Arten und Umwelt sowie den Einstellungen und Handlungsweisen der Menschen selbst ab. |
Der Erfolg von Zoos und Aquarien bei der Ausbildung, nicht nur der Zoomitarbeiter, sondern auch anderer Personen, die in Naturschutz, Forschung, Umweltmanagement, Bildung, Kom-munalentwicklung und ähnlichen Bereichen tätig sind, muss gesteigert werden. Zoos und Aquarien sind für ein breites Publikum attraktiv und haben weltweit hohe Besucherzahlen. Dadurch können sie eine wichtige Quelle für Umweltbewusstsein, Bildung und Aktionen für eine nachhaltige Zukunft sein. Anfang des 21. Jahrhunderts müssen wir uns gemeinsam bemühen, Bildungs- und Ausbildungsprogramme weiterzuentwickeln und neu zu gestalten. Zugehörige Medien müssen entwickelt, direkte Verbindungen zur In-situ-Arbeit hergestellt und die Bedürfnisse der Gesell-schaft, ihr Verhalten und ihre Erwartungen analysiert werden. Ziel der Pädagogik sollte sein, alle Aspekte der Arbeit in Zoos und Aquarien zu beeinflussen, unabhängig von Größe, Ort und finanziellen Rahmenbedingungen. |
Kasten 5.1 Zoopädagogische Standards Die hier zusammengefassten Standards wurden vom Präsidium des Europäischen Verbandes der Zoos und Aquarien (EAZA) im September 2001 verabschiedet. Andere regionale Verbände haben ähnliche Standards. Die Umsetzung der Standards erhöht die Professionalität ihrer Mitglieder. Zusammenarbeit steigert ihre pädagogische Rolle und Wirksamkeit. Zusammenfassung der Zoopädagogischen Standards der EAZA (2001)
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5.2 Zoos und Aquarien als Orte des Lernens Zoo- und Aquarien-Pädagogik ist eine ganzheitliche Disziplin, die auf Besucher, Mitarbeiter und die breite Öffentlichkeit zielt. Die Bildungsphilosophie von Zoos und Aquarien sollte die Prinzipien der Umweltbildung und der Erziehung zur Nachhaltigkeit einschließen. Dies kann auch „Bildung für Naturschutz“ genannt werden. Zoos und Aquarien sollten die Bedeutung der Vermittlung von Grundwissen über Tiere und deren Lebensräume anerkennen. Oftmals bestimmen kulturelle, ökonomische und politische Faktoren, welche Fragen aus der Vielfalt der Umwelt- und Naturschutzthemen in Zoos und Aquarien in verschiedenen Teilen der Welt angesprochen werden. Zoos und Aquarien sollten die Bedeutung der Pädagogik durch Aufnahme in ihre Aufgabenbeschreibung anerkennen. Pädagogik muss ein Bestandteil |
der Aktivitätendes Managements sein. Ihre Ziele müssen bei der Bestandsplanung, der Gehegegestaltung, der Entwicklung von Naturschutzprogrammen und der Planung von Besucherangeboten berücksichtig werden. Alle Zoos und Aquarien und deren regionale Organisationen sollten eine Richtlinie für Zoopädagogik und einen Entwicklungsplan zur Umsetzung der pädagogischen Ziele schriftlich festhalten (vgl. Kasten 5.1.). Zoos und Aquarien sollten eine entsprechend qualifizierte Person mit der Entwicklung und Koordination von Bildungsaktivitäten beauftragen und dafür sorgen, dass entsprechend ausgebildete Mitarbeiter und/oder freie Mit-arbeiter zur Verfügung stehen. Wenn möglich, sollte die Institution Pädagogen anstellen und Bildungszentren oder ähn-liche Einrichtungen gründen. |
5.3 Zusammenarbeit Zoopädagogen und andere Mitarbeiter sollten sich an lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken wie dem des Internationalen Zoopädagogenverbandes (IZE) und seiner regionalen Gruppen beteiligen. Der Austausch von Ideen, von Angesicht zu Angesicht, in geschriebener oder elektronischer Form, ist ein unabdingbares Element einer wirkungsvollen Bildungsarbeit. Zoos und Aquarien |
sollten ihre Pädagogen anhalten bzw. Ihnen die Mittel zur Verfügung stellen, an solchen produktiven Dialogen teilzunehmen, nicht nur mit Kollegen aus anderen Zoos, sondern auch solchen aus Botanischen Gärten, Museen, Wissenschaftszentren und anderen relevanten Institutionen. |
5.4 Lebendige Exponate Lebende Tiere haben eine enorme Anziehungskraft; allein sie zu sehen, zu hören oder zu riechen hat schon einen pädagogischen Wert. Das oberste Ziel lebender Exponate ist Bildung. Deshalb sollten Zoopädagogen an der Gehegegestaltung beteiligt sein. Bei zunehmender Verstädterung ist der Kontakt zur Natur lebenswichtig. Auf ihm können wir aufbauen, um für den Naturschutz zu werben und ihn zu fördern. Zum Beispiel können wir verschiedenste Präsentationstechniken nutzen, Tiere in natürlicher Umgebung zeigen, mehrere Arten im selben Gehege vergesellschaften und Erfahrungen durch Geschichten vermitteln. Die Gehegegestaltung soll sich am natürlichen Lebensraum orientieren, aber auch |
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5.5 Freies und eigenverantwortliches Lernen Die meisten Besucher wünschen sich einen erholsamen, ver-gnüglichen Tag, deshalb ist eine große methodische Bandbreite nötig, um sie unabhängig von Alter und Bildung zu erreichen. Die Besucherschaft umfasst verschiedene Zielgruppen, die für Naturschutz gewonnen werden müssen – z.B. Entscheidungsträger, Wirtschaftsmanager, Konsumenten, Lehrer, Studenten, Eltern und Kinder; Gruppen mit sehr unterschiedlichem sozialen, kulturellen, ethnischen und ökonomischen Hintergrund. Besucher sind offen für Informationen über Tiere und sind oft durch informale Verfahren leicht zu erreichen. Informale Bil-dung ist effektiver (z.B. Erklärungen von Tierpflegern, direkte Begegnung, körperlicher Kontakt mit Tieren, begehbare Anlagen, Anlagen mit klarem biologischem Thema), wenn das Bildungs- und Naturschutzethos in der gesamten Organisation und bei ihren Mitarbeiter verankert ist. Pädagogik ist glaub-würdig, wenn die Organisation praktiziert, was sie sagt. |
Besonders, wenn die Organisation so „grün“ und nachhaltig wie möglich handelt (vgl. auch Kapitel 8.) Pädagogik in Zoos und Aquarien sollte:
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5.6 Unterricht Alle Zoos und Aquarien sollten für andere pädagogische Ein-richtungen attraktiv sein. Durch spannende, interaktive, thematische Workshops, Programme oder Unterricht und Bereitstellung von Medien, die auf spezielle Bedürfnisse zugeschnitten sind, können Zoos und Aquarien zum Lernen und Verstehen beitragen. Sie können Teil des lokalen und nationalen Bildungsnetzwerkes im Rahmen der Lehrpläne sein. Gleichzeitig können Zoopädagogen Fragen des Natur- und Umweltschutzes aufwerfen und positive Einstellungen fördern. Auch können sie Natur-Aktionen von Schulen, Hochschulen und Universitäten in ihrer Kommune initiieren. Die Mitarbeiter der zoopädagogischen Abteilung sollten Kon-takte und Partnerschaften mit Lehrern pflegen. So erreichen sie, dass die Bildungsprogramme des Zoos auf dem neuesten Stand der Lehrplanentwicklung sind. Maßgeschneiderte Aktivitäten können dazu beitragen, die Unterstützung der Bildungs-behörden zu gewinnen und die Bedeutung von Zoos und Aquarien als Bildungsinstitutionen in der jeweiligen Gemeinde festigen. Zoos und Aquarien sollten das |
Konzept des lebenslangen Lernens umsetzen und Lernende aller Altersstufen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ansprechen – vom Kinder-garten bis zur Universität, auch Sonderschulen. Außerdem können Zoopädagogen oder speziell ausgebildete Mitarbeiter Bildung für Naturschutz durch die Arbeit in ihrer Gemeinde fördern – z.B. durch Besuche in Schulen, Waisenhäusern und Altersheimen oder durch Mitarbeit in lokalen Natur- und Umweltschutzprojekten. Die Ziele der formalen Pädagogik können durch Fortbildungsprogramme für Lehrer oder Mitwirkung bei der Ent-wicklung von Lehrplänen erreicht werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Rolle von Zoos und Aquarien im Naturschutz in den Unterrichtsreihen behandelt wird. Der gesamte Zoo muss ein lebendes Klassenzimmer mit speziellen Kursen vor Ort sein. Die Institution sollte Partnerschaften mit lokalen Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen oder –behör-den pflegen. |
5.7 Pädagogische Inhalte Viele Zoos und Aquarien haben Spezialthemen - sie konzentrieren sich z.B. auf die einheimische Tierwelt, eine systemati-sche Gruppe oder eine biogeographische Region. Die Pädago-gik will Staunen und Respekt für das Netz des Lebens und unsere Rolle darin erzeugen, sie will diese Emotionen nutzen und diese Erfahrungen zu einer Naturschutzethik werden lassen, die in Aktionen mündet. Kurz: „fesseln, inspirieren und befähigen”. Zoos und Aquarien können viele Methoden einsetzen, um ihre Besucher auf das Leben in freier Wildbahn neugierig zu machen. Die Besucher sollen Wissenswertes über einzelne Arten, deren Gewohnheiten, Verhalten und Schutz erfahren und angeregt werden, mehr herauszufinden. Sie sollen ermutigt werden, die Bedeutung von Ökosystemen, den sozioökonomischen Wert von Arten |
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5.8 Für den Naturschutz in freier Wildbahn eintreten Zoos und Aquarien können die Öffentlichkeit für Naturschutzkampagnen, Aktionen oder politische Unterstützung gewinnen. Durch gezielte Aktionen, Informationstafeln, Kam-pagnen und Informationen über die Entscheidungen, die die Menschen in ihrem täglichen Leben selbst treffen können, ver-setzen Zoos und Aquarien ihre Besucher in die Lage, etwas für das Leben in freier Wildbahn zu tun. Für einige Besucher sind Zoos die erste Quelle, aus der sie etwas über das Leben in freier Wildbahn erfahren, über den Schutz der Natur durch Gesetze und alternative Werte. Zoos haben eine große Verantwortung, moralische Einstellungen auszubilden undVerhalten und Werte |
zu verändern.So oft wie möglich sollten Zoos und Aquarien Umweltprobleme für Besucher fassbar machen, indem sie sie mit Fra-gen der alltäglichen Lebenswirklichkeit und Erfahrung verknüpfen. So kann z.B. der illegale Handel mit Fleisch von gewilderten Tieren in Afrika mit der Überfischung in Europa verglichen werden. Dadurch können Besucher europäischer Zoos und Aquarien eine Verbindung zu Problemen in anderen Regionen herstellen und sich nicht herausreden, dass es Umweltprobleme nur anderswo gäbe. Mit anderen Worten: Pädagogik kann lokale Aktivitäten anregen. |
5.9 Verbreitung der Botschaft Die Besucher von Zoos und Aquarien repräsentieren einen breiten Querschnitt durch die Gesellschaft. Deshalb müssen verschiedene Vermittlungsmethoden zum Einsatz kommen. Die Erfahrungen aus Zoos, Aquarien, Botanischen Gärten, Ausstellungen und Museen zeigen, dass persönlicher Kontakt zum Besucher der effektivste Weg der Vermittlung ist. Die zuständigen Mitarbeiter (die auch andere Tätigkeiten innerhalb der Organisation wahrnehmen können, wie Tierpfleger, Gärt-ner, Zoopädagogen) oder freie Mitarbeiter, sollten auf jeden Fall in Vermittlungstechniken ausgebildet sein. In Zoos und Aquarien gibt es viele verschiedene Vermitt-lungstechniken, die unterschiedliche Medien verwenden. |
Alle Zoos und Aquarien sollten viele Techniken nutzen, abhängig von Ort, Größe und Budget der Institution. Der Internet-gebrauch nimmt rasch zu und bietet Zoos und Aquarien enorme Möglichkeiten, ihr Anliegen weltweite zu verbreiten, er erreicht sogar Nicht-Besucher. Das Internet bietet Gelegenheit zum Austausch von Ideen und Informationen. Das inter-nationale online Netzwerk der Zoos und Aquarien erlaubt relativ billig, Techniken und Medien gemeinsam zu nutzen. Das Internet kann sogar besondere pädagogische Aktivitäten wie Ausbildung erleichtern. Darüber hinaus sollten Zoos und Aquarien ihre Botschaft jedoch nach wie vor über Medien wie Zeitungen, Radio oder Fernsehen verbreiten. (siehe auch Kapitel 6.) |
5.10 Bildung für In-situ-Naturschutz Pädagogik ist ein wesentlicher Bestandteil von Freilandpro-jekten, um die Unterstützung und das Verständnis der lokalen Bevölkerung in fremden Ländern zu gewinnen. In-situ-Projekte sind langfristig zum Scheitern verurteilt, wenn die betroffenen Menschen nicht eingebunden werden und wenn die wahren Ursachen des Lebensraumverlusts bzw. der Gefährdung der Arten nicht angesprochen werden. Kulturelle Auf-geschlossenheit, Sprachkenntnis und ein offenes Ohr sind hierfür eine wesentliche Grundlage. Zoopädagogen mit ihren speziellen Fähigkeiten können besonders in Projekten eine Rolle spielen, die von ihren eigenen Verbänden und/oder Institutionen unterstützt werden. In Freilandprojekte eingebundene Zoos und Aquarien sind gut beraten, mit Hilfe entsprechender |
Zoos und Aquarien können auch Partnerschaften mit anderen Naturschutzorganisationen eingehen oder das Netzwerk des IZE nutzen, um ein gemeinsames weltweites Programm zur Bewusstseinsbildung zu entwickeln und Naturschutzaktionen ins Leben zu rufen. |
5.11 Ausbildung: Pädagogik fördert Fähigkeiten Zoos und Aquarien können durch die Ausbildung ihrer und fremder Mitarbeiter, die an speziellen oder kommunalen Na-turschutzaktionen beteiligt sind, Unterstützung zu leisten. Ausbildung der Mitarbeiter Mitarbeiter von Zoos und Aquarien müssen durch ihre Ausbildung für ihre Arbeit qualifiziert sein. Jeder Angestellte und freie Mitarbeiter sollte einen Überblick über die Ziele und Aufgaben seiner Organisation haben, einschließlich ihrer Naturschutz- und Bildungsziele. Unabhängig von der Art der Tä-tigkeit, sollten sich die Mitarbeiter bewusst sein, dass sie auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiten. Alle Zoos sollten einen gegliederten Ausbildungsplan für ihre Mitarbeiter und freien Mitarbeiter aufstellen, um optimale Arbeitsabläufe in allen Bereichen zu garantieren und die berufliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter zu fördern. Während manche Tätigkeiten spezielle Qualifikationen erfor-dern, ist für die praktische Arbeit oft die direkte Erfahrung das Beste. Hierzu sollten klare Ziele und Vorgehensweisen erarbeitet werden. Zoos und Aquarien sollten Fortbildungsprogramme für spezielle Posten entwickeln, besonders solche, in denen technische Fertigkeiten und Fortbildung für ein weiterkommen ausschlaggebend sind. Das kann in Partnerschaft mit anderen Einrichtungen wie Fachhochschulen angegangen werden. Solche Ausbildungsprogramme können gegebenenfalls auch von Außenstehenden genutzt werden. Programme von Zoos und Aquarien sollten mehr als nur biologische Themen beinhalten, z.B. Wissenschaft und Bil-dung, Arbeitsorganisation, Teamarbeit und Führung. Zoos und Aquarien können auch mit lokalen oder internationalen Ausrichtern von Kursen zusammenarbeiten, welche die speziellen Kenntnisse und das Wissen der Mitarbeiter von Zoos und Aquarien nutzen. Mitarbeiter sollten angehalten und unterstützt werden, an Arbeitstagungen, Konferenzen oder Seminaren teilzunehmen. Ausbildungspartnerschaften Zoos und Aquarien sind hervorragende Lernorte für viele Disziplinen, von der Tierpflege zur Gärtnerei, von Informationstechnik zur Gehegegestaltung, vom Freizeitmanagement bis zum Partyservice. |
Im Bereich der formalen Bildung sind Partnerschaften mit anderen Ausbildungs- oder Bildungseinrichtungen, wie Hoch-schulen und Universitäten oder Berufsorganisationen, wie jener der Zootierärzte (z.B. Europäischer Verband der Zoo- und Wildtierärzte) von Vorteil. Zoos und Aquarien können außerdem zum Kennen lernen der Arbeitswirklichkeit Praktika für Studenten anbieten. Partnerschaften können auch zur Ent-wicklung von Ausbildungsprogrammen zum Erwerb von Zeug-nissen oder Qualifikationen der Mitarbeiter genutzt werden. Sie bieten auch die Möglichkeit einer Gegenfinanzierung von Ausbildungskosten. Vorteilhaft sind auch Partnerschaften mit NGOs, die sich auf die Ausbildung von frei(willig)en Mit-arbeitern spezialisiert haben. Erfahrungsaustausch mit Kollegen
Eine der besten Fortbildungsmöglichkeiten, die von allen zoologischen Institution angeboten werden sollte, ist der Austausch von Fachwissen und Erfahrungen mit Kollegen aus anderen Zoos und Aquarien sowie Mitarbeitern von Nationalparks und allen, die mit ähnlichen Aktivitäten befasst sind. Ausbildung kann informal oder formal sein. Wenn die Mit-arbeiter einer Institution eine andere besuchen und diskutieren wie sie die Dinge anpacken, ist das informal. Beschließt ein Zoo, einen Workshop oder eine Konferenz zu veranstalten und lädt dazu ein, formal. Mit der zweiten Methode kann man wahrscheinlich mehr Menschen erreichen, aber sie erfordert Gelder und kann kostenintensiv sein, wenn die Teilnehmer anreisen müssen. Billigere Möglichkeiten bieten das Internet, Videokonferenzen oder Publikationen. Relativ gut ausgestattete Organisationen sollten Teilnehmer aus anderen Organisationen bei Konferenzen oder Ausbildungskursen zu unterstützen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass dies ein gegenseitiger Prozess ist. Gut ausgestattete Organisationen können viel von anderen „armen“ Einrichtungen lernen. |
5.12 Überprüfung Zoos und Aquarien müssen viele Methoden einsetzen, um den Erfolg ihrer Bildungs- und Ausbildungsprogramme zu überprüfen. Das beeinflusst die zukünftige Planung und hilft ihnen, ihre Wirksamkeit als Bildungszentren für den Naturschutz und als Faktoren, die das Verhalten und die Werte der Bevölkerung zum Wohl des Lebens in freier Wildbahn und der Gesellschaft verändern, zu untermauern. Techniken der Überprüfung können die vergleichende Beurteilung der pädagogischen Wirkung unterschiedlicher Gehege, Erhebungen und Befragungen, Beobachtung des Besucherverhaltens, ihrer Unterhaltungen und Zufriedenheit, die Anzahl der im Zoo verkauften Produkte, die im Zusammenhang mit bestimmten Botschaften oder Kampagnen stehen, das Spendenaufkommen, die Re-aktion auf Petitionen, die Zahl der Berichte in Medien oder Rückmeldungen von Lehrern zum Unterricht sein. Eine Evaluation sollte ständig erfolgen, die Methoden und Ergebnisse sollten zuerst innerhalb des Zoos und |
Überprüfung ist auch für die Planung neuer Gehege, das Erproben neuer Hilfsmittel, die Kontrolle des Erfolgs der Ver-mittlung und für die langfristige Planung wichtig. Die Über-prüfung kann von Zoopädagogen, Wissenschaftlern oder Mitarbeitern des Marketing durchgeführt werden, jedoch sind Bewertungen von außerhalb am hilfreichsten. Wenn Zoos und Aquarien eine Überprüfung vornehmen wollen, sollten sie mit lokalen Universitäten zusammenzuarbeiten, deren Studenten sozialwissenschaftliche Projekte durchführen wollen. Es ist auch nützlich, sich mit anderen besucherstarken Institutionen in Verbindung zu setzen, um Gedanken über die jeweiligen Methoden auszutauschen. |
5.13 Schlussfolgerungen Die pädagogische Rolle von Zoos und Aquarien ist entschei-dend für das Erreichen der Ziele der WZANS. Ziel der Bildung für Naturschutz ist es, Tiere den Menschen so nahe zu bringen, dass sie begeistert, inspiriert und willens sind, im Sinne des Naturschutzes zu handeln. Zoopädagogen müssen die Zusammenarbeit mit einer großen Zahl von Institutionen |
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Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) ruft alle Zoos und Aquarien auf, dafür zu sorgen, dass Bildung ein zentraler Teil ihrer Daseinsberechtigung wird. Sie müssen angemessene Unter-stützung und Mittel zur Verfügung stellen, um diese Aufgabe umzusetzen. Die WZANS empfiehlt allen Zoo- und Aquarien-Verbänden, regional und national, zoopädagogische Richt-linien zu entwickeln. Diese sollten angemessene pädagogische Methoden, informal und formal, und eine Vorreiterrolle bei der Formulierung von Grundlagen, Strategien und zoopädagogischen Standards vorschreiben. Die WZANS empfiehlt, dass die Zoos und Aquarien mit ihren Verbänden eigene Richtlinien, entsprechend ihren Bedürfnissen, entwickeln oder anpassen. Die WZANS empfiehlt, dass bildungspolitische Aussagen, Strategien und Standards leicht verfügbar sind, regel-mäßig überprüft und erneuert werden. Die WZANS empfiehlt, dass alle Zoos und Aquarien die Effektivität ihrer Bildungsarbeit für den Naturschutz verbessern, indem sie mit anderen Bildungsinstitutionen und Organisationen, Regierungsbehörden und Minis-terien eng zusammenarbeiten. Sie sollten sich an der Entwicklung von Lehrplänen und Bildungsprogrammen für alle Altersgruppen und Schulformen beteiligen. Die WZANS empfiehlt, dass alle Zoos und Aquarien strukturierte Ausbildungsprogramme für ihre Mitarbeiter und freien Mitarbeiter entwickeln. Die WZANS ermuntert alle Zoos und Aquarien, objektive und anerkannte Methoden zu verwenden, um die Wirksamkeit ihrer Pädagogik für den Naturschutz und ihrer Ausbildungsprogramme zu überprüfen. |
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| Die Mittelamerikanische und Karibische Partnerschaft für Naturschutzaktionen (AZA/MACCAP) und der Verband der Mittelamerikanischen und Karibischen Zoos und Aquarien (AMACZOOA) organisieren eine gemeinsame Serie von Workshops für Zoomitarbeiter mit zwei Zielrichtun-gen: Eine konzentriert sich auf die Steigerung der Weiter-bildung und auf Zooangelegenheiten, die andere befasst sich mit breiteren Fragen des Naturschutzes. Die WAZA unterstützt die Regionen überschreitende Zusammenarbeit ihrer Mitglieder indem sie jährlich drei bis vier derartige Fortbildungsprogramme finanziell unterstützt. Photo: Workshop Teilnehmer aus der Dominikanischen Republik beim Computerlehrgang. Cheryl Asa, St. Louis |
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Kommunikation : Marketing und Öffentlichkeitsarbeit |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel beschreibt die Vision, dass Zoos und Aquarien eine bedeutende „Stimme im Naturschutz“ sind. Sie vermitteln Naturschutzfragen, sind integer und verfügen über Fachwissen. Es zeigt, wie Zoos und Aquarien am besten über ihre Arbeit im Naturschutz informieren; dass Zoos und Aquarien weltumspannend arbeiten, Menschen motivieren und sich um ihre Tiere kümmern. Dass sie Naturschutzeinrichtungen sind, die zu Veränderungen beitragen; der städtischen Bevölkerung nützen; verantwortungsbewusst handeln, und dass ihre Mitarbeiter und Besucher den Naturschutz in freier Wildbahn unterstützen. Neben Naturschutz, Bildung, Erholung und Forschung machen Zoos und Aquarien auch noch Spaß - Naturschutz und Spaß schließen sich nicht aus. Um das zu vermitteln, braucht jede Einrichtung eine maßgeschneiderte Kommunikations-Strategie und eine klare Definition ihrer Zielgruppen. Die gesamte Kommunikation sollte das Marketingpersonal des Zoos, die zoologischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Abteilungen und Naturschutz-Organisationen einschließen und Bestandesplanung, ethische Fragen, Gehegegestaltung, Veranstaltungen und Bildungsauftrag abdecken. Die Botschaft sollte sachlich, positiv, auffordernd und optimistisch sein. Die Strategie sollte Zusammenarbeit und Informationsaustausch mit anderen Organisationen regeln (Vermarktung und Unternehmensvergleich) und die Kommunikationsfähigkeit der Mitarbeiter durch Weiterbildung verbessern. Zoos und Aquarien sollten alle Medien nutzen und alle festen und freien Mitarbeiter gut informieren, damit sie in ihren Familien und der Öffentlichkeit als Multiplikatoren wirken können. Zoos und Aquarien müssen Menschen, die gegen Zoos sind, in die Diskussion einbeziehen und offen und transparent sein. Die Kommunikations-Strategie sollte überdacht, geprüft und mit anderen Institutionen besprochen werden. Wir brauchen eine gute Kommunikation, wenn Zoos und Aquarien eine „Stimme für den Naturschutz“ sein sollen. |
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Vision Zoos und Aquarien werden bei der Vermittlung von Naturschutzaufgaben und ihrer Bedeutung im Naturschutz immer erfolgreicher. Ihre Anerkennung und das Vertrauen in ihre Integrität und ihr Fachwissen wachsen, so dass sie zu einem der Hauptfürsprecher des Naturschutzes werden, dem man vertraut. |
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6.1 EinleitungIn einer Welt rasch schwindender Lebensräume, zurückgehender Arten und zunehmender Verstädterung können Zoos und Aquarien Menschen besonders gut mit ihrer natürlichen Umwelt vertraut machen, sie anregen, diese zu schützen und sie ermutigen, aktiv an der Verringerung der gnadenlosen Umweltzerstörung mitzuwirken. Seit mindestens 70 Jahren haben Zoos und Aquarien erfolgreich für den Erhalt bedrohter Tierarten gearbeitet. Diese Erfolge müssen besser bekannt gemacht werden. Es muss deutlich werden, wie wenig von der freien Wildbahn übrig geblieben und wie ernsthaft die Natur bedroht ist. Immer noch haben Menschen Vorurteile gegen die Haltung von Tieren in Zoos und Aquarien und sind verunsichert durch das Nebeneinander von Attraktion und Artenschutz. Diese Verunsicherung wird durch gut organisierte und lautstarke Zoogegner und manche Tierschutz-Organisationen verstärkt. Diese haben Zoos und Aquarien so in die Defensive gedrängt, dass die Zoogemeinschaft gezwungen ist, zu reagieren und Antworten auf spezielle Tierschutzprobleme zu geben oder ethische Fragen aufzugreifen. Wenn die Zoos und Aquarien in der Defensive sind, wird wertvolle Zeit und Energie vergeudet, die besser zur Vermittlung der Naturschutzaufgaben und Erläuterung der Hauptanliegen der Zoogemeinschaft genutzt würde. Der allgemeine Erfolg von Zoos und Aquarien als Artenschutz-Zentren, die höchste Standards im Tierschutz einhalten, wird weder ausreichend vermittelt noch entsprechend gewürdigt. |
Zoo und Aquarien können eine enorme Fülle gemeinsamer Naturschutzaktivitäten durchzuführen. Und zwar weil sie:
Mit Hilfe einer wirkungsvollen Information, kann die Zoo-gemeinschaft einen entscheidenden Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt auf diesem Planeten leisten. |
6.2 Die heutige Sichtweise Seit der Veröffentlichung der Welt-Zoo-Naturschutz-Strategie im Jahr 1993 wuchs die Wahrnehmung der Bedeutung von Zoos und Aquarien im Naturschutz langsam aber stetig. Es gibt aber heute noch, sogar bei Zoobesuchern, tiefsitzende Be-denken bezüglich Tierschutz und „gemischte Gefühle“ gegen-über der positiven Rolle, die Zoos im Naturschutz spielen. Verschiedene dieser problematischen Sichtweisen sind im Folgenden aufgelistet:
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Die Herausforderung ist, dem Zoobesucher die Beziehung zwischen seinem Besuch und der Arbeit von Zoos und Aquarien im Naturschutz zu erklären und ihn über Tierhaltung auf einem ständig steigenden, hohen Niveau aufzuklären. |
6.3 Neue Ziele „Kommunikation“ bedeutet für Zoos und Aquarien:
Zoos und Aquarien nehmen konstruktive Kritik an und arbeiten daran, berechtigte Kritikpunkte abzustellen. Sie rücken ihre Leistungen ins rechte Licht, indem sie sich auf folgende Botschaften konzentrieren: Zoos und Aquarien sind weltumspannend Zoos und Aquarien sollten auf ihre Besonderheit hinweisen – lebende Tiere und erfahrene Mitarbeiter, die sich für deren Haltung und ihren langfristigen Schutz in freier Wildbahn en-gagieren. Die Tiere sollten die Besucher zu Erfahrungen anregen und ein Gefühl von Überraschung und Staunen hervorrufen, dass sich aus der Nähe zu realen, lebenden Tieren in naturnahen Habitaten ergibt. Zoos und Aquarien sind Naturschutzzentren Zoos leiten Veränderungen ein |
Durch ihren Zoobesuch können Menschen „etwas verändern“. Die Zoos müssen den Besuchern praktische Hinweise und Ratschläge geben, was sie tun können, egal wie wenig das ist. Zoos müssen die Bedeutung des Naturschutzes für das Leben der Menschen aufzeigen und es ihnen leicht machen, selbst tätig zu werden. Die wahrscheinlich wirksamste Art, wie Zoos und Aquarien Veränderungen anstoßen können, ist, mit gutem Beispiel vor-anzugehen. All ihre Aktivitäten sollten nachhaltig sein: Bau-materialen, Müllbeseitigung, Gastronomie, Handel mit der Dritten Welt. Bei Spenden, Sponsoren und Investitionen sollten sie ethische Grundsätze beachten. Zoos können ihre Aktivitäten durchaus stolz nach außen berichten. Wenn es der Zoogemeinschaft gelingt, zu vermitteln, was sie für den Naturschutz tut, kann sie nicht nur das Verständnis und die Anerkennung ihrer Bedeutung verbessern, sondern auch die Besucher selbst motivieren, unser Leben auf diesem Planeten aktiv zu verbessern. Dann werden sie sich weniger schuldig und machtlos am Zustand der Erde fühlen und eher bereit sein, selbst einen Beitrag zu leisten. Zoos und Aquarien können begeistern Zoos und Aquarien haben eine Verantwortung |
Zoos und Aquarien müssen die ständigen Fortschritte in Tierhaltung und Gehegegestaltung bekannt machen. Diese kommen sowohl den Tieren als auch den Besuchern zugute – weitläufige, naturnahe Gehege, die das Leben der Tiere bereichern und den Besuchern interessantere Erlebnisse erlauben. Der Tierschutz verbessert sich ständig, da die Kenntnisse der Bedürfnisse der Tiere – physisch, ökologisch, sozial, psycho-logisch – durch Forschung und Beobachtung steigen. Tiere in gut geführten Zoos haben eine sehr hohe Lebensqualität – mit gutem Futter, tierärztlicher Versorgung, adäquaten Lebens-räumen und der Abwesenheit von Fressfeinden. Außerdem veranlassen und fördern Zoos neue Forschungen über Tier-haltung, sowohl im physischen als auch psychischen Bereich. Mittlerweile gibt es eine vernünftige und verbindliche Gesetz-gebung zum Schutz von Mensch und Tier in Zoos und ähnlichen Einrichtungen. Gute Zoos und Aquarien begrüßen dies und beteiligen sich an der Verbesserung der Gesetze. Sie müssen aber klarstellen, dass Tierhaltungen, die sich diesen Gesetzen weder nach Wort noch Geist fügen, unakzeptabel sind. Abgesehen davon, dass sie möglicherweise den Tierschutz missachten, schädigen schlechte Tierhaltungen den Ruf der guten Zoos und Aquarien. Die Zoogemeinschaft sollte alles in ihrer Macht stehende tun, um schlechte Zoos zu verbessern. Gute Zoos und Aquarien müssen sich von denen, die sich fehlverhalten und nicht die Minimalstandards für Tierschutz, Naturschutz und Zoopädagogik erfüllen, distanzieren und ihren Ausschluss aus den regionalen oder nationalen Verbänden öffentlich bekannt machen. Zoos und Aquarien sind für Städter ein Gewinn |
Selbstbesinnung. Sie sollten klar herausstellen, dass es einen Wert hat, den Menschen mit der Natur in Kontakt zu bringen, damit er mit sich und seinem Platz im natürlichen Gefüge in Einklang kommt. Zoos sind Orte, an denen Menschen als Familie oder soziale Gruppe zusammenkommen, wo sie gemeinsame Werte zum Leben und zur Natur entwickeln und verinnerlichen. Zoos und Aquarien nutzen ethische Verfahren Zoos und Aquarien haben einen Bildungsauftrag Zoo- und Aquarienförderer für Naturschutz |
6.4 Spaß und Naturschutz schließen sich nicht aus Es ist kein Problem, Zoos und Aquarien damit zu bewerben, dass sie nicht nur dem Spaß, sondern auch dem Naturschutz, der Bildung, Tierhaltung und Forschung dienen. Ein Zoo-besuch macht Spass. Er sollte den Menschen das Wunder des Lebens nahe bringen und die Freude an der Natur wecken. Auch der beste Tierfilm kann die lebendige Erfahrung, echte Tiere zu sehen, die gut gehalten und in anregenden und naturnahen Gehegen leben oder aus erster Hand persönliche Erzählungen von Tierpflegern zu hören, nicht ersetzen. Sorgfältig geplante Kommunikations-Strategien können dazu beitragen, dass die Besucher etwas lernen und Spaß haben.
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Hauptziel aller Kommunikation ist, dass Zoos und Aquarien als Naturschutz-Einrichtungen anerkannt und respektiert werden. Ihre Naturschutz-Aufgabe ist mit dem Spaß, den Zoos und Aquarien ihren Besuchern machen, absolut vereinbar; Freude und Naturschutz schließen sich nicht aus. |
6.5 Die Botschaft vermitteln Eine Strategie entwerfen Die Zielgruppe bestimmen Umfassende Kommunikation Die Mitarbeiter aus der Marketing- und der pädagogischen Abteilung müssen enger zusammenarbeiten, damit sie die gleiche Botschaft vermitteln, auch wenn ihre Arbeitsweise unterschiedlich ist und sie möglicherweise unterschiedliche Ansprechpartner haben. Umfassende Zooaktivitäten |
Positive Kommunikation Zoos und Aquarien müssen die Botschaften, die sie „rüberbringen“ wollen, deutlicher, prägnanter und folgerichtiger vertreten. Dafür müssen sie stärker an der Formulierung dieser Botschaft arbeiten. Die Botschaft sollte positiv und optimistisch sein. Der Prozess der Zerstörung der Ressourcen, der Lebensräume und das Aussterben von Arten auf unserem Planeten können alarmierend und unaufhaltsam wirken. Deshalb sollten die Institutionen jede Gelegenheit wahrnehmen, den Menschen Erfolgsgeschichten aus dem Natur-schutz zu erzählen und ihnen zu sagen, wie sie sich beteiligen können. Man darf nicht zulassen, dass die biologische Vielfalt weiter abnimmt. Zoos und Aquarien müssen die Menschen daran erinnern, dass sie im Kampf gegen diesen Rückgang eine bedeutende Rolle spielen. Die für Kommunikation Verantwortlichen müssen klar machen, was man unter Naturschutz versteht. Besonders müssen sie zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen direktem Naturschutz – der Unterstützung von Feldarbeit in freier Wildbahn und Programmen außerhalb – und indirekten Naturschutz, der durch Veränderung von Einstellungen und Verhalten erreicht wird. |
Zusammenarbeit mit anderen Zoos und Aquarien Wenn man solche Informationen sammelt und gemeinsam nutzt, werden die Botschaften abgesichert. Die Institutionen werden ihre Netzwerke verstärken und die Zoogemeinschaft schafft sich eine gemeinsame Grundlage. Gleichzeitig sollten auch die Netzwerke mit Naturschutzbehörden und Nicht-Regierungs-Organisationen ausgebaut werden. Steigerung der Professionalität Zoos und Aquarien sollten Vorgehensweisen und geeignete Techniken entwickeln, um Nachrichten schnell und effektiv miteinander, mit Medien, wichtigen NGOs und anderen aus-zutauschen. Es ist wichtig, dass im Notfall die Zoos und Aquarien einen abgestimmten Krisenplan haben, der zweckdienlich und für die eigene Organisation und ihren regionalen Mit-gliedsverband durchführbar ist. Methoden der Kommunikation |
Auf einem mehr informellen, aber nicht weniger wichtigen Niveau müssen alle Mitarbeiter und nicht nur jene, die an vorderster Front mit Besuchern umgehen, gut informiert werden. Dann können sie im Gespräch mit Freunden und Familienmitgliedern erklären, was ihre Einrichtung für den Naturschutz unternimmt. Naturschutz kann man auf verschiedenste Weise verbreiten: Durch Vorträge und Führungen, Gehegeschilder, Zooführer in Buchform, Broschüren, Poster, Kalender, Pressemitteilungen, Familien-Veranstaltungen und Arbeitskreise, Kunst- und Foto-Ausstellungen oder sogar Tragetaschen in den Zooshops. Es gibt kaum eine Grenze für Medien, um auch kompliziertere Naturschutz-Sachverhalte zu veröffentlichen. Gleichzeitig verbreitet man so Informationen über die Naturschutz-Arbeit der Zoos und Aquarien. Welche Sprache? Zoogegner Zoos müssen offen und transparent in all ihren Aktivitäten sein, im öffentlichen Bereich und hinter den Kulissen. Ein Zoo, der es seinen Besuchern erlaubt, zu sehen, wie er seine Tiere pflegt, macht es wahrscheinlich richtig. Zoos sollten akzeptieren, dass sie es niemals allen Recht machen können, aber sie können bei der Aufklärung und Überzeugung von Zweiflern einen großen Schritt vorwärts machen. |
6.6 Erfolgsprüfung Man kann verschiedene Indikatoren benutzen, um den Erfolg einer abgestimmten Kommunikations-Strategie zu überprüfen:
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| Empfehlung
Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) empfiehlt dringend, dass sämtliche Zoos und Aquarien, gleich ob klein oder groß, eine Kommunikations-Strategie entwickeln und einführen. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden: Die Definition der Ziele der gemeinsamen Kommunikation; das Festlegen der Zielgruppen; die Entscheidung für Schlüsselbotschaften; die Wahl von Taktik und Methode; das Erkennen von vorhandenen und benötigten Mitteln und die Entwicklung von Kontroll- und Überprüfungstechniken. |
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Das Internet ist zu einem wichtigen Kommuni-kationsmittel in der Zoo- und Aquarienwelt ge-worden Die WAZA und die überwiegende Mehrheit ihrer Mitgliedsverbände und Institutionen haben ihre eigene Websites. Sie werden zunehmend zur Verbreitung von Naturschutzfragen genutzt. Bild: WAZA-registrierte Naturschutzprojekte, hier das Na Hang, Cuc Phuong und Cat Ba Projekt des Zoo Münster (WAZA Projekt Nr. 04007, 04008 und 04009), und das Phong Na - Khe Bang Projekt des Zoo Köln (WAZA Projekt Nr. 04015), sie werden vorgestellt unter www.waza.org . |
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Partnerschaft und Politik |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel zeigt, wie Zoos, Aquarien und anderen Organisationen durch weltweite Zusammenarbeit ihre Ziele im Naturschutz erreichen. Zoos und Aquarien sind ein einzigartiges Geflecht aus biologischer Vielfalt, technischem und pädagogischem Fachwissen und Gesetzes- und Umweltethik. Trotzdem kann kein Zoo oder Aquarium allein die biologische Vielfalt schützen. Daher müssen sie Partner-schaften miteinander und mit anderen Institutionen eingehen. Zoos und Aquarien sollten Mitglieder in nationalen und regionalen Ver-bänden sein und ihre hoch motivierten, aber schlecht ausgerüsteten Kollegen in wirtschaftlich schwächeren Institutionen unterstützen. Wenn Tierhaltungen die anerkannten Standards nicht erfüllen, sollten die Zoos und Aquarien ihre Regierungen darin bestärken, diese ent-weder grundlegend zu verbessern oder zu schließen. Zoos und Aquarien können sich gegenseitig unterstützen, indem sie Lehrgänge austauschen und lokale Zoos in Schutzprojekte und Veranstaltungen einbinden. Der Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) baut ein Netzwerk mit verschiedenen Organisationen auf, unter anderem dem Welt-Naturschutzbund (IUCN). Mitglieder der WAZA arbeiten regelmäßig mit Fachgruppen der IUCN für bestimmte Tierarten oder bestimmte Aufgabengebiete zusammen. Partnerschaften mit Universitäten schaffen neue Forschungsmöglichkeiten, Partnerschaften mit Schulen die Grundlage, Lehrpläne zu beeinflussen. Die Kooperation mit Bibliotheken und Kunstgalerien fördert eine kreative Naturgeschichte in Wort und Bild. Naturschutz berührt Menschen aus allen Berufen und sozialen Schichten, auch mit Architekten, Ingenieuren und Städteplanern können gemeinsame Interessen gefunden werden. Durch die Zusammenarbeit mit den Medien wird der Naturschutzgedanke weiter verbreitet. Wenn sich Zoos und Aquarien ethisch verhalten und ihr Wissen erfolgreich weitergeben, beeinflussen sie die öffentliche Meinung und auch das Wählerverhalten. Durch Partnerschaften mit vielen verschiedenen Partnern steigern Zoos und Aquarien ihren Einfluss auf die Naturschutzarbeit erheblich. |
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Vision Durch Zusammenarbeit und Engagement verbessern Zoos und Aquarien die Standards in der Tierhaltung, motivieren die Öffentlichkeit, kümmern sich um Naturschutz und unterstützen selbst Naturschutzprojekte vor Ort. Partnerschaften stärken die globale Zusammenarbeit und ermöglichen es allen Zoos, Aquarien und anderen Naturschutzorganisationen, ihre Naturschutzziele zu erreichen. |
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7.1 Einleitung Zoos und Aquarien sind eine einzigartiges Geflecht aus biologischer Vielfalt, technischem und pädagogischem Fachwissen und Gesetzes- und Umweltverantwortung. Sie beteiligen sich an gemeinsamen Zucht- und Bildungsprogrammen, Forschungs- und Feldprojekten. Sie wollen die Ausrottung von Tierarten verhindern, die biologische Vielfalt bewahren und ein Naturschutzbewusstsein schaffen. In den kommenden Jahren werden erfolgreiche Zoos und Aquarien ihre Aktivitäten ausweiten und weniger erfolgreiche Zoos in ihrer Arbeit unterstützen. Selbst ein kleiner Zoo kann einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten. |
Wenn sie mit Feingefühl und Respekt gegenüber den besonderen politischen, historischen, sozialen und ökonomischen Eigenarten der jeweils anderen Kultur arbeiten, werden sie den best möglichen Beitrag zum Naturschutz leisten. |
7.2 Kein Zoo ist eine Insel Ohne menschliches Eingreifen gelangen kleine Populationen an den Rand der Ausrottung. Die Tatsache, dass Zoos und Aquarien Zuchtprogramme betreiben, hat lange ihre Existenz gerechtfertigt. Heute geht ihre Rolle im Artenschutz weit über das Halten von Reservebeständen in menschlicher Obhut hin-aus: Zoos investieren erhebliche Mittel, um großflächig Lebensräume zu schützen und Korridore zwischen zerstückelten Gebieten für Wildtierpopulationen zu schaffen. Sie motivieren die Öffentlichkeit, sich am Schutz von Lebensräumen zu beteiligen. Zoos brauchen aber andere Zoos, um einen effektiven Beitrag zum Naturschutz zu leisten. Sie können nicht unabhängig voneinander alle Aufgaben zum Schutz der biologischen Viel-falt erfüllen. Wenn alle Zoos ernsthaft und kreativ zusam-menarbeiten, entsteht ein beeindruckendes Netzwerk. Die internationale Zusammenarbeit der Zoos sollte dabei höchste Priorität haben. Dies erleichtern regionale und nationale Zooverbände und der Weltverband WAZA.
Mögliche Partnerschaften |
Kasten 7.1 zeigt Beispiele gelungener Partnerschaften zwischen Zoos, Aquarien und anderen Institutionen. |
Gemeinsame Zuchtprogramme Ein gutes Beispiel, wie Zoos ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen teilen, sind die Erhaltungszuchtprogramme. Diese stellen die genetische Vielfalt zur Verfügung, die man braucht, um eine schwindende Population am Leben zu halten, eine in der Wildnis ausgerottete Population wiederanzusiedeln und nicht zuletzt genetisches Material für die Zukunft zu bewahren. Ein solches gemeinsames Zuchtprogramm wurde erstmals 1900 eingerichtet, als mehrere Zoos ihre Bestände an Davidshirschen (Elaphurus davidianus) nach Woburn Abbey sandten. 1923 gründete der Direktor des Frankfurter Zoos eine Internationale Gesellschaft zum Schutz des Wisents (Bison bonasus). Die Zoos von Berlin, Frankfurt, Halle, Hamburg-Hagenbeck und andere brachten Tiere ein. 1932 übernahm der Zoo Warschau das Zuchtbuch. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Zuchtbücher und Zuchtprogramme enorm (s. auch Kapitel 4). In den 1990ern beteiligten sich Zoos und Aquarien an anspruchsvolleren Artenschutzprogrammen. Viele Zoos, vor allem aus den gemäßigten Breiten, begannen, Feldprojekte in Regionen mit hoher biologischer Vielfalt zu unterstützen. Manche Projekte hatten zum Ziel, Zoonachzuchten in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder anzusiedeln. Andere Projekte wollten Lebensräume schützen, Korridore sichern und den Naturschutzgedanken |
bei der ansässigen Bevölkerung fördern. Artenschutzprogramme erforderten auch die Gründung von wissenschaftlichen Programmen, wie etwa den Species Survival Plans (SSPs der AZA), den Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEPs der EAZA), den Australian Species Management Programmes (APPs der ARAZPA) und der African Preservation Programmes (APPs der PAAZAB). Diese Programme bilden die Basis für das gemeinsame Ex-situ-Management von Populationen ausgewählter Arten. Feldprojekte Für Zoos und Aquarien, die Feldprojekte durchführen, ist es meist notwendig, Partnerschaften mit anderen Organisationen einzugehen, egal, ob diese Projekte in weit entfernten Ländern oder lokal angesiedelt sind. Wenn Zoos und Aquarien zukünftig Feldprojekte leiten wollen, müssen sie ihre Aktivitäten mit denen der nationalen und regionalen Zooverbände und lokalen Naturschutzorganisationen koordinieren. Die Zusammenarbeit der Organisationen hilft auch, doppelte Arbeit, Streit um territoriale Vorrechte und kulturelle Unstimmig-keiten zu vermeiden. Dadurch können die eingesetzten Ressourcen (lebende Organismen, Geldmittel, Fachwissen) effektiver genutzt werden. Wo es geht – und die regionale Regierung erlaubt – sollten lokale Gemeinden als mögliche Nutznießer von solchen Projekte eingebunden werden. (siehe auch Kapitel 2). |
Kasten 7.1 Beispiele für Partnerschaften Asien Nordamerika
Der Zoo Brookfield ist Partner von 130 Institutionen, Naturschutzorganisationen und Gemeindeverwaltungen, die mit 19 Bundes-, Staats- und Kreisbüros sowie den Landeigentümern in „Chicago Wilderness“ zusammenarbeiten. „Chicago Wilderness“ ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die das Greater Chicago Biosphere Project ins Leben gerufen haben, das das erste städtische Biosphärenreservat werden könnte. Diese 15 Jahre alte Initiative hat eine Reihe nützlicher Forschungsergebnisse und Informationen erarbeitet. Die Stadt Chicago sorgt für Tausende von Freiwilligen, die vor Ort im Umweltschutz und in der Renaturierung arbeiten. Diese werden durch ein Netzwerk koordiniert, das am Zoo Brookfield angesiedelt ist. Zoos, Aquarien, Museen und Naturschutzzentren werden so zu Kommunikations- und Ver-sammlungszentren für die Menschen der Großstadt Chikago. Europa Im Juni 2003 eröffnete der Zoo Zürich seine neue Masoala-Halle, ein Regenwaldhaus, das die Bedingungen des Masaola-Nationalparks auf Madagaskar nachbildet. Viele der über 17,000 Pflanzen in diesem Haus stammen aus Samen, die in Wäldern außerhalb des Nationalparks gesammelt und in Gärtnereien großgezogen wurden. Die Gärtnereien wurden von Angestellten der Nationalparkverwaltung mit Hilfe des Zoo Zürich aufgebaut. Der Zoo Zürich unterstützt schon länger verschiedene Projekte in Gemeinden rund um den Nationalpark, die der Trink-wassergewinnung, der Gesundheitsvorsorge und dem Aufbau von Märkten für lokale Produkte dienen. Einkünfte aus dem neuen Regenwald-haus werden über die Nationalparkverwaltung in Madagaskar (ANGAP) und die Wildlife Conservation Society (WCS) in New York zur Deckung der Betriebskosten des Nationalparks und zur Finanzierung von Entwicklungsinitiativen in den umliegenden Dörfern eingesetzt. Die Besucher der Masoala-Halle werden ermuntert, Madagaskar zu bereisen und unterstützen damit den dringend benötigten Tourismus. Die Vorteile einer solchen Partnerschaft zwischen einem europäischen Zoo, einem Nationalpark in einem Entwicklungsland und einer inter-nationalen Naturschutzorganisation sind vielfältig und weitreichend. Afrika Australasien In Papua Neu Guinea, haben sich Mitglieder des Australasischen Regionalen Zooverbandes (ARAZPA) mit Dorfgemeinschaften, dem Amt für Naturschutz und Umwelt und Nicht- Regierungs-Organisationen (NGOs) z usammen getan, um die Tenkile Conservation Alliance zu bilden. Ziel des Projektes ist der Schutz des schwarzen Baumkängurus (Dendrolagus scottae), einer kürzlich beschriebenen Baumkänguruart. 1998 schätzten Forscher den Bestand auf weniger als hundert Tiere und die Art bleibt bedroht, weil sie aus zeremoniellen Gründen weiter gejagt wird. Unter der Führung der Tenkile Conservation Alliance, vereinbarten Vertreter der Regierung Papua-Neu Guineas, Australiens und Zoos aus Papua-Neu Guinea ein Aussetzen der Jagd mit den lokalen Gemeinden. Die „schwarze Baumkänguru Schutzgemeinschaft” betreibt z. Zt. ein Forschungs- und Schutzprogramm für schwarze Baumkängurus und eins zur Entwicklung der Gemeinde sowie ein Aufklärungsprogramm. |
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| 7.3 Nicht alle Zoos sind gleich
Nicht alle Tierhaltungen, die sich selbst Zoo nennen, erfüllen die Standards für einen effektiven Naturschutz. Oft haben sie keine solide Finanzierung, eine schlechte Tierhaltung, ein mangelhaftes Berufsethos und sind nicht in nationalen, regionalen oder globalen Zoo- und Aquarienverbänden organisiert. Schlechte Tierhaltungen sind eine Bedrohung für alle guten Zoos, können einen negativen Einfluss auf die Ressourcen in freier Wildbahn haben und mit dem Tierschutz in Konflikt kommen. Trotzdem können einige von ihnen gute Absichten haben. Diese „Zoos“ müssen von den Institutionen mit hohen Standards als Herausforderung gesehen werden und Unter-stützung bekommen. Angemessene Beratung, technische, logistische und finanzielle Unterstützung kann diesen Einrichtungen helfen, ihr Potenzial in der Welt-Zoo-Gemein-schaft zu verwirklichen. Gleichzeitig sollte das weltweite Zoo-netzwerk die Regierungen darin bestärken, „Zoos oder Aquarien“, die die geforderten Standards des Tiermanagements und -schutzes nicht erfüllen, zu verbessern oder zu schließen. Im letzten Jahrzehnt haben viele Zoos und Aquarien mit Projekten in anderen Teilen der Welt begonnen. Dabei wurden Zuchtstationen eingerichtet, Naturland gekauft und gepflegt, Lebensräume verbessert, Umsiedlungs- und Wiedereinbürgerungsprogramme sowie Bildungs- und Entwicklungsprogramme für die Bevölkerung durchgeführt. Dazu werden sowohl beträchtliche finanzielle Mittel bereitgestellt, als auch Mitarbeiter und Arbeitszeit, Technik und Wissen. Die Zoos und Aquarien in den Industriestaaten sind zumeist finanziell und technisch in der Lage, eine Verbesserung der Standards in schlechten Institutionen herbeizuführen. Feldprojekte bieten eine gute Gelegenheit, durch den Transfer von Technik und durch Lehrgänge speziell im Bereich der Bildung, des Managements und Marketings, Partnerschaften zwischen Zoos einzugehen. Dabei können lokale Zoos und Aquarien eine Schlüsselfunktion übernehmen, die lokale Bevölkerung in Projekte einbeziehen und sie in der Wertschätzung ihrer natürlichen |
Eine derartige wechselseitige Kommunikation und Partnerschaft schafft Vertrauen und stärkt die Zusammenarbeit zwischen Zoos und Aquarien in aller Welt. Lokale Zoos lernen dadurch außerdem die Standards und das Berufsethos der internationalen Zoogemeinschaft kennen. Einrichtungen mit einem schlechten Standard erwecken zweifelhafte Wertvorstellungen bei ihren Besuchern und tragen nicht selten zur Zerstörung der regionalen Tierwelt bei. Eine einfühlsame Beratung, Zusammenarbeit und Partnerschaft kann in solchen Fällen dem regionalen Naturschutz nützen. Wo möglich, sollten Zoos, die In-situ-Projekte betreiben, mit nationalen und regionalen Verbänden zusammenarbeiten. Wenn es solche Verbände in der entsprechenden Region nicht gibt, sollten sie mit einzelnen Zoos zusammenarbeiten. Eine gleichberechtigte Partnerschaft kann das Verständnis und die Freundschaft auf beiden Seiten fördern. Während eines Gastbesuches kann Zoopersonal in Kultur und Wirtschaft des Gastlandes, aber auch in technischen Fragen des Umweltschutzes geschult werden. Im Gegenzug können Menschen aus anderen Kulturen ihr Wissen über alternative Bewirtschaftungstechniken, traditionelle Medizin und natürliche Ernährung weitergeben. Ein solcher Austausch hilft zu verstehen, welche Tierarten in anderen Zoos und Aquarien gehalten werden und welche Bedeutung einige Tiere in anderen Kulturen haben. Eine solche Zusammenarbeit schafft eine At-mosphäre, in der eine gleichberechtigte und echte Partnerschaft möglich ist. (Siehe auch Kapitel 7.4) |
7.4 Besondere Beziehungen WAZA Der Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) fördert die Zusammenarbeit zwischen Zoos und Aquarien in aller Welt sowie die Zusammenarbeit mit ähnlich denkenden Institu-tionen, Einrichtungen und Privatpersonen. Die WAZA verstärkt und systematisiert ihre Beziehungen zu Regierungen, Regierungsorganisationen und internationalen NGOs, beson-ders mit dem Welt-Naturschutzbund IUCN, mit Transport-verbänden und dem Umweltprogamm der Vereinten Nationen (UNEP), das für das Washingtoner Artenschutzüber-einkommen zuständig ist. Die WAZA und ihre Mitgliederzoos pflegen Partnerschaften mit ähnlich ausgerichteten Fachorganisationen wie dem Internationalen Verband der Zoopädagogen (IZE). Angesichts des enormen Repertoires an Wissenschaftlern, das die WAZA repräsentiert, sollte sie sich auf die technische und wissenschaftliche Beratung konzentrieren, besonders in Hinblick auf die Unterstützung des Arten- und Habitat-schutzes, die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und die Verbesserung des Tierschutzes. Die Möglichkeiten der Mitgliedschaft sollten erweitert werden, z.B. sollten Berufs-organisationen, die an einer Arbeit unter dem Dach von WAZA interessiert sind, eingeladen werden, assoziiertes Mitglied zu werden. Mit Regierungseinrichtungen und größeren NGOs, die nicht an einer Mitgliedschaft interessiert sind, sollten Verwaltungsvereinbarungen abgeschlossen werden. Auf Foren wie den Vertragsstaaten-Konferenzen internationaler Übereinkommen sollte die WAZA die Aktivitäten der Zooverbände und einzelner Zoos und Aquarien koordinieren. IUCN Die IUCN (Welt-Naturschutzbund) mit ihren Mitgliedern auf der ganzen Welt, ihren Regional- und Landesbüros und ihren Kommissionen mit deren Netzwerken von wissenschaftlichen, technischen und politischen Experten bietet viele Möglich-keiten der Zusammenarbeit mit der Zoo- und Aquarienge-meinschaft. Besonders wertvoll ist die Species Survival Commission (SSC), die Fachgruppen leitet, die sich um bestimmte Tierarten oder um bestimmte Aufgabenfelder kümmern. Sie verfügt über Fachkräfte mit einem enormen Fachwissen über einzelne Tiergruppen, über Naturschutz-Biologie, Veterinärmedizin, Umsiedlung von Lebewesen und anderen Aspekten, die für
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Die Zusammenarbeit mit den einschlägigen Fachgruppen ist besonders dann hilfreich, wenn ein Zoo ein Feldprojekt plant. Einige Zoos haben Zeitschriften und Aktivitäten von Fach-gruppen mitfinanziert; z.B. wurde Small Carnivore Conserva-tion, die Zeitschrift der Mustelid, Viverrid and Procyonid Spe-zialist Group, finanziell vom Zoo Antwerpen, dem Zoo und Aquarium Columbus, dem Zoolog ischen Park Marwell, dem Central Park Zoo in New York und anderen Zoos unterstützt. Die SSC Fachgruppe für Erhaltungszucht (CBSG) der IUCN will „Populationen bedrohter Arten durch Erhaltungs-zuchtprogramme und durch intensiven Schutz und Manage-ment in freier Wildbahn bewahren und aufbauen.“ Sie erreicht dies in konzentrierten systematischen und wissenschaftlichen Gruppenprozessen, die In-situ- und Ex-situ-Naturschutz verbinden und durch Personen, die wissenschaftliche Fach-kenntnisse, und die Fähigkeit zur Koordination besitzen und den Prozess beschleunigen. Andere Fachgruppen, besonders die für Wiedereinbürgerung arbeiten oft mit Zoos zusammen. Zoos und Aquarien stellen regelmäßig Fachwissen von Mit-arbeitern und finanzielle Mittel für IUCN Gruppen zur Verfügung. Sie tragen insbesondere zur Arbeit der Population and Habitat Viability Assessment (PHVA) Workshops bei, die strategische Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten und deren Lebensräumen entwickeln und zu den Conservation Assessment and Management Plan (CAMP) Workshops, die fest-legen, welche Arten in die Rote Liste der IUCN aufgenommen werden. Die Teilnehmer der Workshops geben Empfehlungen für Management und Forschung, z.B. Schutzmaßnahmen für bestimmte Tiergruppen einzurichten, Feldstudien und Lehrgänge zu Feldtechniken durchzuführen, für eine Habitatverbesserung oder Gesundheitsüberwachung zu sorgen, Bildungs- und Aufklärungsprogramme in die Wege zu leiten und Zootiere für Bildung, Forschung und Naturschutz einzusetzen. |
Andere Organisationen Wenn Zoos und Aquarien Partnerschaften mit Forschungsinstituten eingehen, ergeben sich Möglichkeiten gemeinsamer Forschung im Naturschutz, in der Biologie, der Veterinär-medizin und den Sozialwissenschaften. Wenn Zoos mit Schulen in der Natur- und Umweltbildung zusammenarbeiten, können sie Unterrichtsmaterialien und -programme für einen gemeinsamen Lehrplan in einer Stadt oder einer Region erstellen. Die Bildungsbehörden der Städte und Länder werden in den Zoos wertvolle Ergänzung zu ihren eigenen Aktivitäten finden, wenn sie ihre Umwelt-Programme planen. Partnerschaften mit Botanischen Gärten, Nationalparks und Museen können die künstliche Trennung zwischen Pflanzen, Tieren und Ökosystemen, die seit dem 18ten Jahrhundert besteht, aufbrechen. Solche Partnerschaften können sowohl mit Institutionen am Standort des Zoos, aber auch mit Institutionen in Entwicklungsländern geschlossen werden, wenn eine Institution die finanziellen und technischen Mittel hat, diese Lehrgänge und Ausrüstung für den Naturschutz zu finanzieren. Natur- und Tierschutzbehörden, besonders in weniger ent-wickelten Teilen der Welt, begrüßen die finanzielle und techni-sche Unterstützung von gut ausgestatteten Zoos; Experten für die Projekte haben sie oft in den eigenen Reihen. Ein Tiergehege, besonders eine neu errichtete Anlage, mit einem Reservat oder einem Naturschutzprojekt zu verbinden, ist sinnvoll und bringt Vorteile für alle Beteiligten. Die Zusammenarbeit mit naturkundlichen Institutionen kann gut auf andere kulturelle Einrichtungen ausgeweitet werden. Zum Beispiel können Zoos und örtliche Büchereien gemeinsame Veranstaltungen zum Thema |
Natur und Literatur anbieten. Autorenlesungen, Literaturwettbewerbe, Autoren-Workshops und andere kreative Projekte, die sich um Schreiben und Natur drehen, sind denkbar. Ähnliche Partnerschaften können mit Kunsteinrichtungen veranstaltet werden, die Maler und andere Kunstschaffende ermutigen, die Naturschutzbotschaft weiter und anders zu verbreiten als ein Zoo es kann. Naturschutz geht alle Menschen aus allen Berufen und sozialen Schichten etwas an. Gemeinsame Programme zum Naturschutz und nachhaltigen Umgang mit der Umwelt müssen sich daher nicht auf kulturelle Institutionen beschränken. Viele Berufs-organisationen – wie die der Architekten, Landschafts-architekten, Ingenieure, Bauunternehmer und anderer, die an der Planung und Entwicklung der menschlichen Umwelt beteiligt sind – sollten Bereiche gemeinsamen Interesses und für Aktivitäten finden, die sie zusammen mit Zoos und Aquarien in Angriff nehmen. Wenn Zoos und Aquarien gründlich nachdenken, können sie weitere Partner finden, um die Natur-schutzbotschaft einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln. In ihren Kommunen können Zoos in der Debatte über gesunde ökologische Verfahrensweisen eine Führungsrolle ein-nehmen und Untersuchungen zu regionalen Problemen an-regen wie Stadtentwicklung, sauberes Wasser, Pestizideinsatz und andere Aktivitäten, die Einfluss auf das Leben der lokalen Tierwelt haben. Partnerschaften mit den lokalen Medien sind hier besonders nützlich. Gewöhnlich pflegen Zoos Kontakte zu den Medien nur, um ihre eigenen Interessen zu vertreten, aber sie könnten sie ebenso für Fragen des Naturschutzes nutzen. |
7.5 Politik und Gesetzgebung VerantwortungLokale, regionale und nationale Regierungen bestimmen die Gesetzgebung und Politik zu Umwelt, biologischer Vielfalt, Tierschutz, Jagd und Fischerei. In den kommenden Jahr-zehnten wird sich der Blick auf das gesamte Ökosystem Erde richten, Zoos und Aquarien werden Regierungen informieren können, bestärken und mit ihnen in diesem weiten Kontext zusammenzuarbeiten. Sie müssen an der Naturschutzgesetzgebung und -politik, festhalten. Verantwortliche Zoos und Aquarien werden ihre Schwesterorganisationen darauf hin überwachen, es ablehnen, sich an illegalen oder unethischen Geschäften zu beteiligen und versuchen, andere Institutionen durch gemeinsam ausgeübten Druck dazu zu bringen, sich an die Regeln zu halten. Tun sie das nicht, müssen verant-wortliche Zoos härtere Maßnahmen ergreifen und die WAZA oder zuständige Regierungsbehörden informieren. Die ethi-schen Grundsätze der WAZA verlangen von Mitgliedzoos und -aquarien, dass sie sich an die nationale und internationale Gesetzgebung zu Wildtieren und Tierschutz halten. Alle regionalen und nationalen Zooverbände sollten Mitglieder in der WAZA und somit an die ethischen Grundsätze der WAZA gebunden sein, wie an ihre eigenen regionalen und nationalen Bestimmungen zur Ethik. (siehe Kapitel 9.) Alle Zoos und Aquarien sollten Mitglieder in regionalen oder nationalen Verbänden sein. Solche Verbände haben sich als äußerst wirkungsvolles Instrument herausgestellt, durch Richtlinien, Politik oder gemeinsam ausgeübten Druck Verbesserungen in Zoos und Aquarien durchzusetzen. Regionale und nationale Zooverbände sollten jede Anstrengung unter-nehmen, ein Naturschutzgewissen herzustellen, das im Einklang mit der Kultur ihrer Mitgliedsinstitutionen steht und die Aktivitäten |
Zoos und Aquarien sprechen ihre Besucher mit unterschiedlichen Medien wie Gehegebeschilderungen, Unterricht, gedruckten Materialien und anderen an. Zoos können „Zooförderer“ an diesen Aufgaben beteiligen, wenn sie gut ge-staltetes, pädagogisch aufgearbeitetes Material zur Verfügung stellen, Aktionen organisieren und mit anderen Naturschutzorganisationen in der Öffentlichkeit Kontakt halten. Zoos können Themen auf internationalen Foren durch ihre Ver-bände und auf lokaler Ebene durch Präsentationen in Ratsversammlungen und Ausschüssen vorstellen. |
Einfluss auf Entscheidungsträger Der Besuch von Politikern, Entscheidungsträgern und Medienstars gibt Fachleuten aus Zoos Gelegenheit, Fragen des Überlebens wilder Arten und ihrer Lebensräume anzusprechen. Zoos sollten sich mehr auf diese weitergehenden Fragen konzentrieren und nicht nur auf zoospezifische Aspekte. Zoos und Aquarien können Gesetzgeber und andere einflussreiche Vertreter der Öffentlichkeit beeinflussen, wenn sie ihnen Gegenden zeigen, die für die Tierwelt wichtig sind – vor Ort oder in Übersee. Die Gelegenheit, Wildhabitate oder Naturschutzgebiete in Begleitung von Kuratoren oder Forschern aus Zoos zu besuchen, ist für Laien oft sehr eindrucksvoll. Zoos und Aquarien können auf die Bedrohung der Wildtiere aufmerksam machen, wenn sie direkte Begegnungen mit Tieren und dem Fachwissen von Zoospezialisten herbeiführen. Das Vertrauen und Fachwissen, das bei solchen Treffen geschaffen wird, kann lokal und weltweit zu einer besseren Naturschutz-Gesetzgebung führen. Das Ergebnis bringt für die gesamte Tierwelt Vorteile. |
Gesetzgebung Einige Länder haben nur allgemeine Zoogesetze erlassen. Nur ein paar haben artspezifische Anforderungen an die Tier-haltung, zum Naturschutz, zur Bildung und zu anderen Aspekten der Zooarbeit festgelegt. In einigen Fällen haben nationale oder regionale Zooverbände die Regierungen bei der Formulierung dieser Gesetze unterstützt. Andere Länder, die keinerlei Zoogesetzgebung haben, sind gut beraten, wenn sie bei der Formulierung eigener Richtlinien und Verordnungen solche aus anderen Ländern als Modell nutzen. Zoos und Aquarien in Ländern mit guter Gesetzgebung können andere Institutionen – sowohl regional als auch international - ermutigen, diese Fragen anzusprechen. Sie können Zoos und Aquarien in Ländern, in denen es keine ausreichende Gesetzgebung gibt, dabei helfen, ein wirksames System zur Einhaltung hoher Standards einzurichten und durchzusetzen. |
7.6 Schlussfolgerungen Zoos und Aquarien klären ihre Besucher über Wildtiere auf und bezaubern und begeistern sie mit ihnen. Das Hauptziel aller naturkundlichen Institutionen ist, einen so großen Respekt und ein so tiefes Verständnis der Natur zu erreichen, dass die Menschen sich im Naturschutz engagieren. Menschen, die die Notwendigkeit des Naturschutzes verstehen, informiert und begeistert sind, werden bereit sein, ihren Lebensstil zu ändern, Entscheidungen des täglichen Lebens im Einklang mit der Umwelt zu fällen und Politiker zu wählen, die fortschrittliche Umweltrichtlinien erlassen wollen. Die räumliche Trennung unserer naturkundlichen Institutionen, seien es Zoos, Botanische Gärten oder Museen, ist hinderlich die Botschaft der Vielfalt und Zusammenhänge zu verbreiten, wechselseitige Abhängigkeiten aufzuzeigen, ganzheitliche Ansichten der Natur zu geben oder dynamische Geschichten von Ökosystemen zu erzählen. Es ist natürlich nicht möglich, diese Einrichtungen räumlich zusammenzulegen, aber sie können ihre Zusammengehörigkeit durch strategische Partnerschaften verdeutlichen. Durch Zusammenarbeit kann jede Institution ihre Rolle als Botschafter der Natur festigen. |
Man muss bewusst machen, welche Vorteile Partnerschaften, Mitgliedschaften in Verbänden und Festhalten an einer ge-meinsamen Naturschutzethik bringen. Anerkannte Zoos und Aquarien sollten Anreize schaffen, um Veränderungen in Tier-haltungen herbeizuführen, die nicht von diesen Vorteilen überzeugt sind. Der stärkste Anreiz kann die grundlegende Einsicht sein, dass die Tat eines einzelnen in den Augen der breiten Öffentlichkeit Anerkennung finden kann. Auf diesem Hintergrund werden anerkannte, gute Zoos schnell bereit sein, Einrichtungen, die einen ersten Schritt zur Partnerschaft machen, zu unterstützen. Das wird ihnen helfen, den Wert und die Vorzüge von Netzwerken und Partnerschaften zu erkennen. |
Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) empfiehlt dringend, dass Zoos und Aquarien Partnerschaften auf lokaler, nationaler und regionaler Ebene einrichten oder verstärken. Die WZANS erinnert alle Zoos und Aquarien, dass sie die Gesetze und Richtlinien, die Natur- und Tierschutz betreffen, einhalten. Die WZANS hält daran fest, dass alle Zoos und Aquarien Mitglieder in regionalen oder nationalen Zooverbänden sein oder werden sollten. Die WZANS fordert, dass regionale und nationale Zooverbände ihre Mitgliedsinstitutionen verpflichten, ein „Naturschutzgewissen“ im Einklang mit ihrer Kultur zu vertreten und zu entwickeln und, dass sie ihre Aktivitäten in einen diesem ethischen und technischen Rahmen durchführen. Die WZANS drängt nationale und regionale Verbände ihre Regierungen zu veranlassen, Zoogesetze zu verbes-sern oder zu erlassen, die den Zoos helfen, ihre Naturschutzziele zu erreichen. Die WZANS drängt die Länder, die keine Zoogesetzgebung haben, die bestehende Gesetzgebung anderer Länder zu nutzen oder zu übernehmen, wenn sie ihre eigenen Richtlinien und Verordnungen formulieren und die Hilfe von Zooverbänden zu suchen, die eine Gesetzgebung haben. |
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Nachhaltigkeit |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel zeigt die Vision, dass alle Zoos und Aquarien zunehmend nachhaltig arbeiten, möglichst wenig Spuren in der Natur hinterlassen und natürliche Ressourcen nutzen, ohne Raubbau zu treiben. Die Institutionen zeigen ihren Besuchern, wie diese selbst ihren Le-bensstil in Richtung Nachhaltigkeit verändern können. Unter Nachhaltigkeit versteht man eine „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart deckt, ohne die Möglichkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken“. Sie umfasst soziale, ökonomische und Umwelt-Dimensionen. Der „Erdgipfel“, der 1992 in Rio stattfand, formulierte 27 Prinzipien für eine nachhaltige Entwick-lung, einschließlich der Agenda 21 und der im Anschluss entwickelten ISO 14000; diese Prinzipien regeln den Umgang mit der Umwelt und die Vermeidung von Umweltverschmutzung. Daraus abgeleitet können ein Satz von acht Regeln die Verantwortlichen in Zoos und Aquarien unterstützen, Ziele und Aktivitäten für Nachhaltigkeit zu entwickeln. Wenn Zoos und Aquarien zu Vorbildern für Nachhaltigkeit werden, können sie eine Spitzenposition im verantwortlichen Umgang mit der Umwelt einnehmen, die Einhaltung von Umweltschutz einfordern und beitragen, zukünftige Gesetzgebung inhaltlich zu prägen. Dieses Kapitel zeigt den Zoos und Aquarien vier Wege auf, nachhaltige Verfahrensweisen in Gang zu setzen und zu entwickeln, durch die Förderung von Umwelt-Gruppen („green teams“), Entwicklung eines Umweltmanagement Systems, ISO 14001 Zertifizierung und Entwicklung eines Tourismus, der von der „ Botschaft der Tiere“ verantwortet werden kann. Diese Initiativen müssen durch betriebsinterne Umweltrichtlinien und objektive Überprüfungen (Öko-Audits) unterstützt werden. Zusammengefasst: Zoos und Aquarien, die Umweltschutz und Nachhaltigkeit praktizieren, können Einstellungen beeinflussen, Verhalten ändern und damit zum Erhalt des ganzen Planeten beitragen. |
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VisionAlle Zoos und Aquarien arbeiten im Sinne von Nachhaltigkeit und hinterlassen nur wenige Spuren in der Natur. Sie nutzen natürliche Ressourcen nachhaltig, d.h. so, dass sie ihre Bedürfnisse befriedigen, ohne zu gefährden, dass zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht ebenfalls befriedigen können. Alle Zoos werden den Besuchern Beispiele liefern, wie sie ihr Leben in Verantwortung für die Umwelt gestalten können. |
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8.1 Einleitung Zoos tragen zunehmend zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bei. Sie unterlaufen dieses Ziel jedoch, wenn ihre Wirtschaftsweise zur Zerstörung natürlicher Ressourcen beiträgt. Wenn sie Maßnahmen und Aktivitäten unterstützen, die dazu beitragen, natürliche Ressourcen zu erhalten, vermindern sie diese Risiken nicht nur, sondern helfen, die Anstrengungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu fördern. Der Betrieb eines jeden Zoos oder Aquariums hat einen Einfluss auf die Umwelt und hinterlässt Spuren in der Natur. Das Ausmaß und die Auswirkung dieser Spur variieren beträchtlich. So haben z.B. Institutionen mit Tierbeständen, die aufwendige und vielschichtige |
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8.2 Nachhaltigkeit Eine zoologische Institution hat Nachhaltigkeit dann erreicht, wenn alle ihre Handlungen für die Umwelt neutral sind. Das genau zu messen, ist sehr schwer und erfordert, da die Entwicklung weltweit schnell voranschreitet, eine ständige Jus-tierung der Messgeräte und wiederholte Messungen. Eine praktikablere Definition ist die der Welt-Kommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Report): „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart deckt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu decken.“ Diese Definition umfasst drei Dimensionen: soziale, ökonomische und umweltbezogene. Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahre 1992 – der Erdgipfel – war ein Meilenstein für eine nachhaltige Entwicklung. Dort wurden verschiedene Übereinkünfte, die für Zoos und Aquarien von Bedeutung sind, verabschiedet: neben anderen die Rio Erklärung über Umwelt und Entwicklung, die Agenda 21, |
Die Erklärung von Rio formulierte 27 Prinzipien für eine nachhaltige Entwicklung. Die Agenda 21 ist „ein umfassender Plan von Maßnahmen, die global, national und lokal in allen Gebieten, in denen Menschen Einfluss auf die Umwelt ausüben von UN-Organisationen, Regierungen und Meinungsführen ergriffen“ werden müssen. Ein bedeutender Aspekt war die Teilnahme der Internationalen Organisation für Standardi-sierung (ISO), die in der ISO 14000 mündete, einer Reihe von Standards für Nachhaltigkeit und Umweltmanagement. Sie schließt die ISO 14001 ein, die Umweltmanagement und Vermeidung von Umweltverschmutzung regelt. |
8.3 Handlungsrichtlinien für Nachhaltigkeit in Zoos und Aquarien Aus den oben genannten Grundlagentexten kann man acht Leitprinzipien gewinnen, aus denen jede Institution ihre Ziele und Aktivitäten für Nachhaltigkeit ableiten kann. Wenn ein Zoo oder Aquarium diese Ziele praktisch umsetzt, können seine nachhaltigen Praktiken zertifiziert werden. Gehe umweltverträglich mit Müll um
Sei energiebewusst
Nutze natürliche Ressourcen umweltverträglich
Wenn Du verschmutzst, zahle
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Nutze zuerst Güter aus der Region
Trage zu einer gerechten Entwicklung bei Bedenke, dass eine nachhaltige Entwicklung eine Angleichung der Lebensbedingungen auf der Welt fordert und, dass Du dazu beitragen kannst, durch:
Handle vorausschauend
Steigere das Bewusstsein und Engagement
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8.4 Vorteile der Nachhaltigkeit Oft wird gefragt: „Was kostet Nachhaltigkeit?“ Das zeigt eine ernst zu nehmende Sorge und unterstreicht die Notwendigkeit, nachhaltige Praktiken so einzuführen, dass die ökonomische Lebensfähigkeit von Zoos und Aquarien gestärkt wird. Ein nachhaltig geführter Zoo oder ein Aquarium sollte durch grüne Praktiken Kostenersparnisse erzielen und wird zu einer attraktiven Option für Besucher, Sponsoren, Investoren, Versicherer und Partner und erhöht dadurch sein Einkommen. Die Institution kann ihre nachhaltigen Aktivitäten als Grundlage für Werbung und Vermarktung herauskehren. Andere Vorteile sind weniger greifbar aber genau so wichtig. Zoos und Aquarien, die eine nachhaltige Bewirtschaftung einführen, werden zweifellos helfen, die Umwelt zu verbessern und erfüllen damit den moralischen Anspruch, so zu handeln, wie alle anderen Bereiche der Gesellschaft auch handeln müssten. Man könnte argumentieren, dass die Zoo-gemeinschaft eine größere Verantwortung der Umwelt gegen-über hat als viele andere Institutionen und dass nachhaltiges Handeln ihr helfen wird, ihren Verpflichtungen nach zu kommen. Der Schutz der biologischen Vielfalt, ohne |
Indem sie andere in regionalen Zooverbänden anregen, nach-haltige Praktiken zu übernehmen, werden Zoos und Aquarien ihr Image als Vorreiter in der Umweltverantwortung verbessern, die Beachtung von Umweltprinzipien steigern und mehr noch, inhaltlich zu zukünftiger Gesetzgebung beitragen. Sie werden auch das Bewusstsein ihrer Mitarbeiter für Umweltfragen und -verantwortung schärfen, ihre Moral heben und sicherstellen, dass die Institution als begehrter Arbeitgeber an-gesehen wird. Darüber hinaus werden sie dieses Konzept ihren Besuchern verdeutlichen und sich für öffentliche Preise und Anerkennung qualifizieren. Viele diese Vorteile wurden detailliert auf dem 1. Symposium für umweltfreundliches Zoomanagement 2001 im Zoo Aalborg, Dänemark, erörtert. |
8.5 Einführung nachhaltiger Praktiken Dieser Abschnitt stellt vier mögliche Wege vor, wie Zoos und Aquarien nachhaltige Praktiken einführen oder verbessern können. Sie werden als Richtlinien vorgestellt, um allen Zoos und Aquarien zu helfen, wobei bewusst ist, dass es kulturelle, soziale und finanzielle Unterschiede gibt, die den Weg und den Grad beeinflussen, wie diese Praktiken umgesetzt werden können. Weitere Einzelheiten können in den Handbüchern nachgelesen werden, die dieser Veröffentlichung folgen werden. Zoos und Aquarien werden die beste Kombination von Maßnahmen ergreifen, um ihr Ziel Nachhaltigkeit zu erreichen. An Umweltfragen interessierte Gruppen Viele Zoos haben „grüne Teams“ oder andere Gruppen, zu denen sich Mitarbeiter freiwillig melden können. Alle Zoos und Aquarien die auf Nachhaltigkeit achten, werden solche Gruppen fördern. Sie können der Zooleitung helfen, vor-rangige Aufgaben zu identifizieren und anzugehen, „grüne“ Optionen zu prüfen, Öko-Audits durchzuführen und bei der Einrichtung oder sogar der Etablierung von Umweltstrategien helfen. Umweltfreundliche Management - Systeme Ein umweltfreundliches Management System (EMS) ist ein Bündel von Prozessen und Praktiken, die eine Organisation in die Lage versetzen, ihre negativen Einflüsse auf die Umwelt zu vermindern und ihre Handlungseffizienz zu erhöhen. Die Entwicklung eines EMS ist ein strukturierter Weg, Ziele der Nachhaltigkeit zu erreichen. Ein EMS betont neben Umwelt die Bedeutung von Gesundheit und Sicherheit. Es sollte durch einen gegliederten Prozess von Planung, Einführung, Kontrolle, Überarbeitung und Ausführung notwendiger Veränderungen, zu einer ständigen Verbesserung führen. Ein EMS kann auf bereits vorhandenen Standards basieren. Zoos und Aquarien sollten eines wählen, das ihren Bedürfnissen am ehesten entspricht. Einige Länder und Regionen haben ihre eigenen EMS-Standards entwickelt. |
ISO 14001 ISO 14001 ist ein vollständiger, weltweiter Standard für ein EMS, der vorschreibt, dass alle Mitglieder einer Organisation am Umweltschutz teilnehmen. Er berücksichtigt alle Beteiligten und startet Prozesse, alle Eingriffe in die Umwelt zu identifizieren. Er ist zukunftsorientiert und konzentriert sich auf vorwärts gerichtetes Denken und Handeln. ISO 14001 verbessert den Umweltschutz, indem sie ein einziges EMS quer durch alle Aufgaben der Organisation nutzt. Sie bewertet weder Durchführung noch Produkt: Vielmehr erlaubt sie, den Institutionen zu messen, wie ihre Aktivitäten die Umwelt beeinflussen. Um die ISO 14001 Zertifikation zu beantragen und zu erlangen, muss ein Zoo oder Aquarium ein EMS haben. ISO 14001 ist im öffentlichen und privaten Sektor auf breiter Ebene anerkannt. Da mehr und mehr Zoos und Aquarien die ISO 14001 Zertifikation erlangen, wird dies zu einer größeren Anerkennung durch Regierung, Körperschaften und der Gesellschaft führen und Vorteile für die Zoogemeinschaft bringen. Botschaft der Tiere „Botschaft der Tiere“ ist ein internationaler Standard der Um-weltverantwortung mit besonderer Bedeutung für Zoos und Aquarien. Er vereint Tier-Management und andere Standards mit Umweltkriterien wie denen, die die ISO 14001 abdeckt. Er wird vom Institut für verantwortlichen Tourismus und Loro Parque in Spanien entwickelt und verlangt von allen teilnehmenden Institutionen, dass sie ein EMS haben. Es gibt verschiedene Zertifizierungsprogramme für grünen Tourismus, aber „Botschaft der Tiere“ ist das einzige Programm, das Zoos und Aquarien betrifft. Vor allem verbindet es Zoos und Aquarien mit nachhaltigem Tourismus, aber es bietet auch hilfreiche Schritte Richtung ISO 14001. |
8.6 Empfehlungen zur Umwelt Ein integraler Bestandteil der oben genannten Strukturen sind Umwelt-Richtlinien und Öko-Audits. Wenn eine Organisation ihre Politik zur Umwelt erklärt, kann sie Ziele und Probleme herausarbeiten und eine Atmosphäre des Bewusstseins schaffen. Eine klare Richtlinie kann einen positiven äußeren Einfluss ausüben, indem sie andere ermutigt, ihre |
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8.7 Öko- Audit Ein Öko-Audit bemisst und bewertet die Auswirkungen auf die Umwelt, die die Aktivitäten eines Zoos oder Aquariums auf seine Umgebung haben. Es nimmt auch historische oder zukünftige Eingriffe unter die Lupe. Eine Öko-Audit ist ein erster Schritt zu einem umweltfreundlichen Management System (EMS). Die Vorbereitung einer grundlegenden Umweltbewertung, unter Einbezug aller Mitarbeiter, ist der Beginn einer Anhörungssequenz. Selbstbewertung, mit oder ohne Hilfe von außen, ist nicht nur zu Anfang wichtig, sondern bleibt ein wesentlicher Bestandteil |
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Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium- Naturschutzstrategie (WZANS) empfiehlt dringend, dass alle Zoos und Aqua-rien Maßnahmen und Aktivitäten starten, die natürlichen Ressourcen zu erhalten. Die WZANS empfiehlt, dass alle Zoos und Aquarien über eine schriftliche Umwelt-Richtlinie verfügen und Öko-Audits durchführen. Die WZANS fordert alle Zoos und Aquarien auf, Nachhaltigkeit zu praktizieren; sie können an ihrem Beispiel zeigen, wie Nachhaltigkeit erreicht werden und soziale Einstellungen und Verhalten geändert werden können. Zoos und Aquarien können so zeigen, dass sie zum Schutz des gesamten Ökosystems beitragen. |
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| Viele Zoos nutzen ein umweltfreundliches Wasseraufbereitungssystem für Teiche, Gräben u.ä. und sparen dadurch eine Menge Geld. Jedoch machen bisher nur wenige von diesen Praktiken auch pädagogischen Gebrauch. Man kann den Besuchern durchaus vermitteln, dass Wasser keine unerschöpfliche Ressource ist, und verantwortlich genutzt werden muss. |
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Ethik und Tierschutz |
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Zusammenfassung Dieses Kapitel entwirft die Vision von ethisch handelnden Zoos und Aquarien, die höchste Standards bei Haltung und langfristiger Zucht von Wildtieren einhalten. Sie vermitteln der Öffentlichkeit glaubwürdig die Ziele einer Bildung für Naturschutz. Die ethischen Gründsätze des Weltverbandes der Zoos und Aquarien (WAZA) sind Grundlage für das Ex-situ-Management und die In-situ-Naturschutzaktivitäten aller WAZA Mitglieder. Entsprechende Maßnahmen dienen der Arterhaltung, ohne das Wohlbefinden von Einzeltieren zu beeinträchtigen. Fragen der Anschaffung und Abgabe von Tieren müssen im Zusammenhang des Populationsmanagements gelöst werden. In Tierhalt-ungen ohne Feinde, Krankheiten und Nahrungsknappheit können Zuchtprogramme zu Geburten überschüssiger Tiere führen. Zoos und Aquarien müssen diesen Überschuss so klein wie möglich halten. Sie können überzähligen Nachwuchs an andere anerkannte Einrichtungen weitergeben, in Semireservaten ansiedeln, im Rahmen gemeinsamer Naturschutzprogramme wiedereinbürgern oder vorübergehend die Fortpflanzung verhindern. Die Nachteile einer längerfristigen Verhütung werden aufgezeigt. Wenn nicht anders möglich, kann als letzte Lösung eine schnelle, schmerzlose und stressfreie Tötung erwogen werden. Die Tierhaltung muss ausreichend Platz bieten, um die physischen und verhaltensbiologischen Ansprüche der Tiere zu erfüllen. Beschäftigungsmaßnahmen sollten ein fester Bestandteil der Haltungsroutine sein. Zoos und Aquarien sollten objektive Beurteilungen zum Tierschutz durchzuführen und bei der Planung neuer Gehege berücksichtigen. Dieses Kapitel nennt eine Reihe von Methoden und Verfahren, an die sich Zoos und Aquarien halten sollten. Außerdem werden Zoos und Aquarien aufgefordert, über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehende, höchste Standards anzustreben und sich dadurch als Institutionen darzustellen, denen man zutrauen kann, dass sie ihre Tiere optimal halten. |
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Vision Alle Zoos und Aquarien werden nach ethischen Grundsätzen geführt. Sie erfüllen die höchsten Tierschutz-Standards, um sich selbst erhaltende, gesunde Populationen für den Naturschutz aufzubauen oder zu erhalten. Sie vermitteln die Ziele des Naturschutzes glaubwürdig der Öffentlichkeit. |
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9.1 Einleitung Ethik wird hier als philosophische Untersuchung des Wesens und der Grundlagen moralischen Denkens und Handelns verstanden. Die praktische Ethik und die Analyse von Argumenten, die zu bestimmten moralischen Schlüssen führen, sind oft von ethischen Prinzipien abgeleitet. Ethische Prinzipien und moralisches Handeln werden in verschiedenen Gesellschaften, Kulturen und Religionen unterschiedlich definiert und begründet. Zoos und Aquarien haben eine moralische Verpflichtung, im Interesse der Gesellschaft und der Tiere zum Schutz von Lebensräumen und der biologischen Vielfalt beizutragen. Sie müssen daher gleichermaßen die Interessen ihrer Gäste (Besucher) und ihrer Bewohner (Tiere) berücksichtigen. Die Existenz von Zoos und Aquarien hängt von einer soliden, ethischen Begründung der Ausstellung lebender Tiere ab. Selbstverständlich müssen sie den Tierschutz für Tiere in ihrer Obhut in höchstem Maße beachten. Die Ansichten und Gefühle der Besucher und Medien ändern sich laufend und die sich daraus ergebenden ethischen und Tierschutz-Debatten sollten als ein fortlaufender kritischer Diskurs verstanden werden. Im Rahmen dieses Dokuments wird Tierschutz als Verhalten von Menschen gegenüber einem einzelnen Tier verstanden. Immer wenn ein Konflikt zwischen der Verwendung von Tieren im Naturschutz und dem Tierschutz besteht, müssen Zoos und Aquarien sorgfältig überlegen und entscheiden, wem die Priorität gegeben wird. Bei dieser Entscheidung müssen Zoos und Aquarien bedenken, dass das Überleben von Arten ein hohes Ideal ist, aber niemals Leiden von Tieren in ihrer Obhut rechtfertigen kann . |
Die WAZA hat ethische Grundsätze (Code of Ethics and Animal Welfare) verabschiedet, die von ihren Mitgliedern – unabhängig von regional unterschiedlichen ethischen Vor-stellungen und Tierschutzbestimmungen – weltweit anerkannt werden (Kasten 9.1). Diese Grundsätze sind die Grundlage für das Ex-situ-Management und die In-situ-Naturschutzaktivitäten der WAZA-Mitglieder. Alle Institutionen, Verbände und sonstigen Mitglieder der WAZA müssen schriftlich ihr Einverständnis abgeben und sind damit an sie gebunden. Außerdem haben regionale und nationale Zoo- und Aquarien-verbände und Einzelinstitutionen ihre eigenen ethischen Richtlinien und einige haben detaillierte Tierhaltungsrichtlinien, die ihre eigenen, besonderen sozialen und kulturellen Gegebenheiten berücksichtigen. Die meisten Regelungen der regionalen und nationalen Verbände sind genauer und strenger als die Grundsätze der WAZA, die als Dachorganisation die verschiedenen Sichtweisen und Situationen all ihrer Mitglieder berücksichtigt. Zoo- und Aquarienverbände sollten bei der Festlegung von Regeln oder Richtlinien höhere Standards als die gesetzlich vorgeschriebenen Minimalstandards oder die in ihrer geografischen Region üblichen festschreiben. Es ist unabdingbar, dass alle Zoos und Aquarien die von ihren Verbänden festgelegten Verfahrensweisen und Tierschutzstandards befolgen. |
Kasten 9.1 Ethische Grundsätze der WAZA Präambel Der Fortbestand von Zoolog ischen Gärten und Aquarien hängt von der Einsicht ab, dass unser Berufstand auf der Anerkennung der Würde der Tiere in unserer Obhut, der Menschen, denen wir dienen, und der Mitglieder der internationalen Zoogemeinschaft gründet. Eine Zusammenarbeit mit der WAZA setzt die Anerkennung der Welt-Zoo-Naturschutz-Strategie voraus. Obwohl jede Region ihre eigenen Grundsätze zur Ethik und Tierhaltung formuliert haben mag, wird sich die WAZA bemühen, eine starke ethische Tradition als Grundlage für Verhaltensregeln unseres Berufsstands zu entwickeln. Beim Umgang miteinander werden die Mitglieder die höchsten ethischen Verhaltensstandards einhalten. Richtungsweisende Grundprinzipien für alle Mitglieder des Weltverbandes der Zoos und Aquarien (WAZA) :
Mitglieder beachten jederzeit alle lokalen, nationalen und internationalen Gesetze. Sie bemühen sich um die höchsten Standards bei: Umgang und Verwendung von Tieren, Gehegegestaltung, Anschaffung von Tieren, Tiertransport, Empfängnisverhütung, Euthanasie, Stutzen, Forschung an Zootieren, Wiedereinbürgerungsprogrammen, Tod von gehaltenen Tieren, Schutz von Wildtieren außerhalb von Zoos und Aquarien. Genauere Informationen finden Sie in den kompletten Regeln unter http://www.waza.org. |
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9.2 Ethische Fragen Ethische Probleme entstehen oft durch Interessenskonflikte. In einigen Fällen kann durch die Beachtung bestehender Gesetze, Richtlinien oder Standards eine Lösung gefunden werden. In anderen Fällen kann der Konflikt durch eine Abwägung der widersprüchlichen Werte gelöst werden – diese Wertent-scheidungen sind komplex und kontextabhängig. In manchen Fällen können die ethischen Grundsätze oder eine andere von der WAZA oder der IUCN herausgegebenen Empfehlung einen Lösungsansatz liefern. In der Praxis kann ein Inter-essenkonflikt zwischen Artenschutz/Schutz einer Population und dem Schutz eines bestimmten Tieres entstehen. Nach den WAZA-Grundsätzen müssen Maßnahmen gegenüber einem einzelnen Tier in Zusammenhang mit dem Überleben von Arten stehen, wobei beim Schutz des einzelnen Tiers kein Kompromiss eingegangen werden sollte. Tierschutz muss ein-gehalten werden, wenn sich ein Tier in menschlicher Obhut befindet. Das Auswildern von Tieren muss strikt gemäß den IUCN-Empfehlungen zur Wiedereinbürgerung erfolgen, die allgemeine, praktische und methodische Anweisungen sowie Details zur Vorbereitung und weiteren Begleitung der Maßnahme geben. Tierhaltung Zoos und Aquarien sollten Tiere so halten, dass kein Verletzungs- oder Ansteckungsrisiko für Besucher entsteht. Besonders müssen sie darauf achten, dass Tiere, die direkten Kontakt zum Besucher haben können, keine Überträger von Zoonosen sind. Eine Einrichtung, die einen Bestand hält, der als großes Gesundheitsrisiko für die Öffentlichkeit angesehen wird, muss das Risiko prüfen und falls notwendig abstellen. Wenn die Öffentlichkeit sich gefährdet fühlt, entwertet das die Naturschutzbotschaft der Einrichtung. Zoos und Aquarien müssen beachten, dass invasive exotische Tier- und Pflanzenarten eine mögliche Bedrohung für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt darstellen. |
Anschaffung von Tieren Die Welt-Zoo-Naturschutz-Strategie von 1993 fordert (S. 42): „dass der kommerzielle Handel als Quelle für Zootiere so bald wie möglich versiegen muss. Die Tiere, die aus der Natur erworben werden müssen, dürfen nur in Erziehungs- oder Erhaltungszuchtprogrammen eingesetzt werden. Sie sollten nicht aus den Listen des rein kommerziellen Tierhandels ausgesucht werden. Die Strategie vertritt auf lange Sicht die Auffassung, dass die Festlegung von Preisen für Zootiere den Erhaltungszuchtprogrammen eher schadet. Die Strategie betont, dass naturschutzrelevante Arten keinen Handelswert darstellen und fordert, dass alle nationalen und übernationalen Zoovereinigungen Strategien zur Abschaffung von Preislisten, wo es solche noch gibt, entwickeln.“ Diese Ziele gelten weiter-hin. (siehe auch Kapitel 4.) Alle Zoo- und Aquarienverbände sollten Regeln zur Anschaffung von Tieren erarbeiten und umsetzen. Sie müssen sicherstellen, dass die Handlungen ihrer Mitglieder die Tiere, die in ihre Einrichtung gebracht werden, nicht gefährden und die Auswirkungen auf die natürliche Population möglichst gering sind. Alle Zoos und Aquarien müssen Rechenschaft darüber ablegen können, wie und woher sie ihre Tiere erhalten. Ethische Überlegungen dürfen auch bei gesetzlich legaler und richtlinienkonformer Tieranschaffung nicht außer Acht gelassen werden; die Verfahren müssen laufend überprüft werden und aktuelle Überlegungen und Informationen berücksichtigen. |
In der Praxis werden Tiere mit anderen Zoos und Aquarien getauscht, verliehen oder verschenkt und in manchen Ländern werden Tiere auch aus unsachgemäßer Tierhaltung überstellt. Wenn ein Zoo oder Aquarium von einer Regierungsbehörde oder einer seriösen Organisation ein beschlagnahmtes Tier angeboten bekommt, muss die Übernahme in Übereinstimmung mit den „ WAZA Richtlinie zur Annahme von beschlagnahmten oder konfiszierten Tieren“ erfolgen. Zoos und Aquarien sollten hilfsbereit sein, beschlagnahmte Tiere jedoch nur dann annehmen, wenn sie über die nötigen Fachkenntnisse und entsprechende Tierpflege- und Unterbringungsmöglichkeiten verfügen. Tiere sollen der Natur nur entnommen werden, wenn eine Auffrischung zum Erhalt einer Population in Menschenobhut zwingend notwendig ist. Alle rechtlichen Verpflichtungen müssen erfüllt sein und ihre Beschaffung darf keinen schädlichen Einfluss auf die Wildpopulation haben. Die Entnahme von Tieren einer vom Aussterben bedrohten Art aus der Natur ist nur dann akzeptabel, wenn es Maßnahmen und Pläne gibt, den Erhalt der in freier Wildbahn lebenden Population auf Dauer sicherzustellen. Zoos und Aquarien dürfen unter keinen Umständen in illegalen oder ungerechtfertigten Handel mit Wildtieren verwickelt sein. Der Fang von Tieren aus einer Wildpopulation darf (1) nur in Übereinstimmung mit internationalen Ab-kommen, regionalen und nationalen Regelungen erfolgen, (2) nicht das langfristige Überleben bzw. die Erholung dieser wildlebenden Art gefährden und (3) nur in Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen des Herkunftslandes geschehen. Wildfänge müssen zum Erhalt ihrer wilden Artgenossen beitragen, entweder durch Einsatz in pädagogischen und/oder in Erhaltungszucht- und Forschungsprogrammen. Abgabe von Tieren Ethische Überlegungen spielen bei den Grundsätzen der Abgabe von Tieren immer eine Rolle und entwickeln sich mit dem Verständnis der Bedürfnisse von Tieren in menschlicher Obhut weiter. Die ethischen Grundsätze der WAZA verlangen, dass Tiere, |
die von Mitgliedsinstitutionen abgegeben werden, nur an solche Institutionen oder Organisationen weitergegeben werden, die auf Dauer die gleichen hohen Haltungsstandards garantieren können. Zoos und Aquarien müssen sicherstellen, dass Haltung und Tierschutz für ihre Tiere weiterhin gut sind, auch nachdem sie die Institution verlassen haben. Populationsmanagement Tiere in Zoos und Aquarien müssen so gehalten werden, dass ihr natürliches Verhalten berücksichtigt wird, auch die Möglichkeit der Fortpflanzung. Angemessene Bedingungen zur Fortpflanzung in Tierhaltungen sollten die in freier Wildbahn so weit wie möglich widerspiegeln. In freier Wildbahn werden jedoch oft mehr Nachkommen geboren, als überleben – Räuber, Krankheiten, Nahrungsmangel, Konkurrenz, Klima-veränderungen und Abwanderung verringern die Zahl der Tiere. Erfolgreiche Erhaltungszuchtprogramme von Zoos und Aquarien, bei denen diese Faktoren wegfallen oder gesteuert werden, können zu überzähligen Tieren führen. Besonders die an gemeinschaftlichen Erhaltungszuchtprogrammen beteiligten Zoos und Aquarien haben auf Grund der Tierschutzbestimmungen die Verantwortung, die Größe ihres Tierbestands zu regulieren. Überschüssige Tiere können: (1) an andere verantwortliche Zoos, Aquarien oder ähnliche Institutionen weitergegeben werden, (2) in Semireservaten angesiedelt werden, (3) im Rahmen eines abgestimmten Naturschutzprogramms wiedereingebürgert werden oder (4) zeitweilig von der Fortpflanzung ausgeschlossen werden. Falls keine dieser Möglichkeiten ohne Leid für das Tier realisierbar ist, das Gruppenverhalten nachteilig beeinflusst wird oder der Bestand der Ex-situ-Population gefährdet wird, kann es notwendig werden, Euthanasie in Erwägung zu ziehen. Ausgehend von ethischen Überlegungen kann Euthanasie Teil des Populationsmanagements sein und somit natürliche Verluste, wie sie in der Natur vorkommen, ersetzen. Euthanasie, die manche für ethisch falsch halten, sollte nur in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Möglichkeiten geprüft wurden – die mit ihr zusammenhängenden Fragen müssen sensibel behandelt werden. |
Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, Geburten von überzähligen Tieren zu vermeiden. Man muss überlegen, Einrichtungen (z.B. Junggesellenherden) für Tiere, die nicht zur Zucht geeignet oder nicht mehr fortplanzungsfähighig sind zu gründen, in denen sie angemessen gehalten werden können. Die Mitarbeiter von Zoos und Aquarien sollten jedoch beachten, dass es sich negativ auf Gesundheit, Wohlbefinden, Funktion sozialer Gruppen und den langfristigen Ex-situ-Bestand von Tieren auswirken kann, wenn man ihre Fortpflanzung verhindert. Die Haltung von nicht mehr fortpflanzungsfähigen Tieren kann viel Platz beanspruchen und kann zu Leiden durch altersbedingte Krankheiten führen. Andererseits hat der ganze Funktionskreis der Fortpflanzung mit Balz, Paarbildung, Mutter-Kind-Bindung und Sozialisation der Jungtiere positive Auswirkungen auf die Individuen und kann ihr Leben bereichern. Unter bestimmten Umständen liefert der Tierschutz objektive Gründe für eine Zucht, aber auch für das Einschläfern oder den Abschuss von Tieren. Wenn das Tier ein angstfreier, schneller Tod erwartet, ist Töten aus Sicht des Tierschutzes kein Problem, obwohl Einwände aus einer anthropozentrischen Sichtweise erhoben werden könnten. Derartige Bedenken müssen ernst genommen, aber auch gegen Prinzipien des Tier- und Naturschutzes abgewogen werden. Zoos und Aquarien sollten die Zahl der überzähligen Tiere |
so niedrig wie möglich halten. Eine Kontrolle der Fortpflanzung und Euthanasie sind zwei der vielen Möglichkeiten, die von den Populationsmanagern abgewogen werden müssen. Welche Möglichkeit gewählt wird, hängt vom jeweiligen Land und der Kultur ab. Die Institutionen sollten alle anderen Optionen prüfen, bevor sie die Euthanasie wählen und müssen der Öffentlichkeit, den Medien und den Mitarbeitern erklären, warum diese Maßnahme für den Erhalt gesunder Tiere und Populationen erforderlich ist. Wenn ein Tier getötet werden muss, ist dafür zu sorgen, dass es schnell, schmerzlos und möglichst stressfrei passiert. Wiedereinbürgerungsprogramme Die ethischen Grundsätze der WAZA verlangen, dass alle Wiedereinbürgerungsprogramme in Übereinstimmung mit den 1995 offiziell verabschiedeten „IUCN-Richtlinien zur Wieder-einbürgerung“ erfolgen. Das heißt, dass keine Wiedereinbürgerung stattfinden darf, ohne dass eine gründliche tierärztliche Untersuchung der Tiere in Übereinstimmung mit den Welt-Tier-Gesundheits-Quarantäne- und Untersuchungs-Protokollen von OIE (World Organisation for Animal Health) und IUCN stattgefunden hat. Das Wohlbefinden der Tier sollte nach der Freilassung in vernünftigem Maße überwacht und ein Langzeit-Überwachungsprogramm eingerichtet und unterhalten werden. (siehe auch Kapitel 2) |
9.3 Fragen des Wohlbefindens Zoos und Aquarien können die freie Wildbahn nicht nachbauen, sollten aber soweit möglich die natürliche Umgebung der Tiere nachbilden und dabei das Verhalten der Tiere und ihre physiologischen Bedürfnisse berücksichtigen. Die meisten Länder, in denen die WAZA aktiv ist, regeln den Tierschutz per Gesetz. Solche Gesetze bestimmen, wie Menschen mit Tieren umgehen und unter welchen Bedingungen Tiere gehalten werden dürfen. Sie verlangen insbesondere, dass Tiere „normales“ Verhalten zeigen können, dass sie nicht Durst, Hunger oder Fehlernährung leiden, und nicht Schmerz, Verletzungen, Krankheiten, Angst und schädlichem Stress ausgesetzt sind. Darüber hinaus können Gesetze und Verordnungen genaue Anforderungen stellen, wie Wildtiere zu halten sind. Die Gesetzgebung kann regelmäßig überarbeitet werden, wobei die allgemeine Tendenz in Richtung höherer Standards geht. Die Politik der WAZA unterstützt Zoos und Aquarien dabei, die geltenden Minimalanforderungen zu über-treffen, um physisch und verhaltensbiologisch gesunde Popu-lationen für den Naturschutz zu halten und der Öffentlichkeit die Botschaft des Naturschutzes vermitteln zu können. Es gab viele Fortschritte in der Zootierhaltung in den letzten Jahren und das Ziel aller Zoos und Aquarien ist die Einhaltung hoher Standards des Wohlbefindens auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse. Dies wird vor allem durch die Entwicklung von Haltungsempfehlungen durchgesetzt, die alle Zoos und Aquarien einhalten sollten. Im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen in freier Natur werden Zootiere gut gefüttert und versorgt, ohne Risiko selbst zur Beute zu werden oder zu verhungern. Die Tatsache, dass sie nicht soviel Platz wie unter natürlichen Bedingungen haben, dürfte nicht zu einer Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens führen, so lange die Größe und |
Außer einem Gehege entsprechender Größe und Beschaffenheit können Beschäftigungs-Maßnahmen notwendig sein, um viel-fältige Verhaltensweisen und Erfahrungsmöglichkeiten zu erlauben, wie sie in freier Natur zu erwarten sind. „Environ-mental Enrichment“ ist „ein Prinzip der Tierhaltung, das durch die Identifizierung und Erzeugung von äußeren Reizen, die für ein optimales psychologisches und physiologisches Wohlbefinden notwendig sind, auf eine qualitative Verbesserung der Tierhaltung abzielt.“ Obgleich viele Zoos und Aquarien bereits Enrichment-Techniken anwenden, sind die Erkenntnisse dazu relativ jung und weitere Forschung und Evaluation sind notwendig. Zumindest eine regionale Vereinigung, der Amerikanische Zoo- und Aquariumverband, verlangt von seinen Mitgliedern einen Environmental-Enrichment-Plan für ihren Tierbestand und einen Nachweis der Umsetzung. Wissenschaftliche Untersuchungen zu Tierhaltung und -schutz sind mittlerweile vorhanden und die Mitarbeiter von Zoos und Aquarien müssen die verfügbaren Erkenntnisse und Literatur kennen und nutzen. Einschätzungen des Wohlbefindens von Tieren sollten auf objektiven Beobachtungen fußen und die Mitarbeiter sollten ermutigt werden, solche objektiven Beob-achtungen der Reaktionen ihrer Tiere auf die Umwelt zu machen. Es ist außerordentlich wichtig, dass diese Erkenntnisse in eine Verbesserung der Gehegegestaltung einfließen. |
9.4 Zusammenfassung Zoos und Aquarien tragen im 21. Jahrhundert eine enorme Verantwortung für die von ihnen gehaltenen Tiere und für einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Wenn Zoos und Aquarien für die heutige Gesellschaft von Bedeutung bleiben wollen, müssen sie es als Herausforderung ansehen, wie sie mit ihrer Verantwortung umgehen. Sie sollten laufend ihre ethische Philosophie und moralischen Regeln hinterfragen. Sie müssen sicherstellen, dass die gehaltenen Tiere ihre verhaltens-spezifischen und physischen Bedürfnisse befriedigen können und als Reservepopulationen für den Naturschutz und als Bot-schafter ihrer Artgenossen in freier Wildbahn dienen. Besonders wichtig ist, dass die Öffentlichkeit die Realität des Naturschutzes und des Schutzes der biologischen Vielfalt erfasst und die Rolle von Zoos und Aquarien im Naturschutz unterstützt. Gegenwärtig besteht eine beträchtliche Verwirrung bezüglich der Begriffe Recht, Ethik, Tierschutz, |
Fragen der Ethik und der Haltung von Wildtieren müssen ständig neu eingeschätzt und überprüft werden. Das ist für die Zukunft von Zoos und Aquarien wesentlich. Nur so können sie ihren Kernauftrag: Naturschutz, Bildung und Wissenschaft erfüllen. Sie können diese Ziele nur erreichen, wenn sie das Vertrauen ihrer Besucher und Förderer genießen. Alle Mitglieder des WAZA-Netzwerks müssen höchste Standards in der Tierhaltung erreichen und neue Wege suchen, ihre Aktivitäten zum Schutz von Wildtieren und Lebensräumen auszuweiten und zu verbessern. |
Empfehlungen Die Welt-Zoo- und Aquarium-Naturschutzstrategie (WZANS) empfiehlt, dass alle Zoos und Aquarien auf der Basis fortschreitenden Wissens und Bewusstseins, eine Verbesserung ihrer Verfahren und Berufspraktiken anstreben. Die WZANS empfiehlt, dass alle Zoo- und Aquarienverbände ihre eigenen ethischen Grundsätze und Regeln zum Tierschutz aufstellen und dafür sorgen, dass ihre Mitglieder diese befolgen. Die WZANS fordert, dass Zoos und Aquarien, die Wildfänge einer bedrohten Art beschaffen, die „Technischen Richtlinien der IUCN zum Management von Ex-situ-Populationen im Naturschutz“ befolgen. Die WZANS fordert, dass alle Tiertransporte den Bestimmungen gemäß durchgeführt werden, wie z.B. den „Bestimmungen zum Transport lebender Tiere“ der Internationalen Lufttransport-Vereinigung und den entsprechenden nationalen Regelungen. Die WZANS verlangt, dass Zoos und Aquarien alle Maßnahmen treffen, um das Entweichen von Tieren und Pflanzen nicht-einheimischer invasiver Arten zu verhindern. Die WZANS ruft alle Zoos und Aquarien auf, die gesetzlichen Bestimmungen zur Tierhaltung einzuhalten, weist aber darauf hin, dass die Gesetze nur Mindeststandards setzen und die Zoo- und Aquariengemeinschaft höhere Standards anstreben sollte. Die WZANS rät, wenn aus gesetzlichen oder kulturellen Gründen das Töten von überzähligen Tieren nicht möglich ist und die Fortpflanzung nicht verhindert werden kann, ohne den betroffenen Tieren gesundheitlichen Schaden oder Leid zuzufügen, der Zoo bzw. das Aquarium diese Tiere nicht halten und in Betracht ziehen sollte, sie an eine andere Institution abzugeben. Die WZANS empfiehlt allen regionalen und nationalen Verbänden Empfehlungen für die Tierhaltung zu entwickeln - besonders für Arten, die in gemeinsamen Ex-situ-Erhaltungszuchtprogrammen geführt werden. Die WZANS empfiehlt, dass Zoos und Aquarien „Environmental Enrichment“ einsetzen und Mittel für die Forschung bereit stellen, um Enrichment Techniken weiter zu verbreiten, zu verbessern und zu überprüfen. Die WZANS empfiehlt, dass mehr objektive Beobachtungen zur Tierschutzsituation durchgeführt werden und die Ergebnisse genutzt werden, um die Haltung von Tieren zu verbessern. Die WZANS empfiehlt, dass sich alle Zoos und Aquarien mit der Bedeutung von ethischen und von Tierschutzfragen für ihre Naturschutzaktivitäten vertrauter machen und, dass sie ihre Mitarbeiter und die Öffentlichkeit stärker unterrichten und einbinden. Die WZANS empfiehlt, dass alle Zoos und Aquarien Ausschüsse zu ethischen Fragen und zur ethischen Überprüfung aller Aspekte ihres Handelns, einschließlich der außerhalb der Institution, einrichten sollten. |
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| Die Zucht von Tieren ist notwendig, um lebensfähige Ex-situ-Bestände zu erhalten und erlaubt den Tieren, ihr normales Fortpflanzungsverhalten auszuüben. Bei der Zucht werden aber auch Tiere geboren, die letztlich überzählig sind. Eine Verhinderung der Fortpflanzung kann negative Auswirkungen auf den Fortbestand der Ex-situ-Population und das Verhalten der Tiere oder Tiergruppe haben und Körperfunktionen beeinträchtigen. Geschlechtszyklen, die nicht zu einer Trächtigkeit führen, können zu krankhaften Veränderungen am Genitaltrakt führen und vorzeitige Unfruchtbarkeit zur Folge haben. Verhütungsmittel unterdrücken die Zyklusaktivität und können ebenfalls dramatische Veränderungen an den weiblichen Geschlechtsorganen hervorrufen. Zuchtmanagement hat deshalb Auswirkungen sowohl auf den Tierbestand als auch auf das Einzeltier. Diese Fragen müssen gegeneinander abgewogen werden. Photo: Renaud Fulconis, Zoo d’Amnéville |
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Abkürzungen und Internet-Adressen |
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Zugang zu weiteren Informationen erlaubt die Liste in Kasten 3.4, siehe auch dort nicht aufgeführte Veröffentlichungen der WAZA-Mitglieder. Deren Internet-Adressen finden sich auf der WAZA-Webseite www.waza.org.
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Verzeichnis der Fachbegriffe |
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Anpassungsfähige Projektleitung – Projekte werden auf Grund ständiger Überprüfung angepasst, soziökonomische Aspekte werden mitberücksichtigt, Projektüberwachung und Überprüfung liefern Daten für zukünftige Projekte Antikonzeptivum – Medikament oder Hilfsmittel, das Schwangerschaften verhütet, indem es den Eisprung, die Befruchtung oder Einnistung verhindert Bestandsplanung – zielgerichteter Planungsprozess auf institutioneller, regionaler oder globaler Ebene, der festlegt welche Arten Vorrang haben und gehalten werden sollen, dabei spielen zahlreiche Aspekte eine Rolle, wie taxonomische Einzigartigkeit, pädagogischer Wert, Verfügbarkeit für den Bestand Biodiversität – biologische Vielfalt – die Vielfalt des Lebendigen Biodiversitäts-Aktionspläne (BAPs) werden auf nationaler Ebene von der CBD gefordert, sie beschreiben biologische Ressourcen, Pläne zu deren Schutz und spezielle Aktionen, die sich auf bestimmte Arten und Lebensräume konzentrieren Biologische Sicherheit – die Handhabung von absichtlich oder zufällig frei gesetzten tierischen oder pflanzlichen Schädlingen oder Krankheiten (z.B. neue Schädlinge und Krankheiten, invasive Arten, biologische Waffen) Botschaft der Tiere ist ein internationaler Standard der Umweltverantwortung mit besonderer Bedeutung für Zoos und Aquarien. Er vereint Tier-Management- und andere Standards mit Umweltkriterien wie jenen der ISO 14001, entwickelt vom Institut für verantwortlichen Tourismus und Loro Parque in Spanien. bushmeat – Fleisch von Wildtieren aller Art zum Verzehr, oft stammt das Fleisch von gewilderten Tieren und wurde illegal gehandelt Demographie – Untersuchung der Faktoren, die eine Population beeinflussen, wie Geburts- und Todesrate demographische Reserve – Zahl der Individuen (gewöhnlich in einem regionalen Erhaltungszuchtprogramm), die als “Sicherheitsnetz” dient, um die Anzahl möglicher Zuchttiere für eine bedrohte Art zu vergrößern demographische Stabilität – stabile Alterverteilung, oft gemessen an der Fähigkeit einer Population schädlichen Umwelteinflüssen zu widerstehen und zu einem Gleichgewichtszustand zurück zu kehren; Management eines Erhaltungszuchtprogramms, um es in den Kapazitäts-grenzen der beteiligten Institutionen zu halten demographisches Management – Kontrolle einer Population unter Nutzung demographischer Faktoren endemisch – Art, die nur in einem bestimmten geographischen Gebiet vorkommt Environmental Management System – ein ständiger Kreis von Planung, Einführung, Überprüfung und Verbesserung der Prozesse und Handlungen, die eine Organisation unternimmt, um ihre wirtschaftlichen Umweltziele zu erreichen Ethologie – Wissenschaft des Verhaltens Euthanasie – schmerzlose Tötung ex-situ – außerhalb des “natürlichen” Lebensraums einer Art (z.B. Tierhaltung, Pflanzen in einer Gärtnerei) formale Bildung – Unterricht für organisierte Gruppen (und was dazugehört z.B. Unterrichtsmaterialien) Genetik –Wissenschaft von den Genen und der Vererbung, wie Eigenschaften von den Eltern auf die Kinder kommen Genetische Anpassung – Prozess der natürlichen Selektion, durch den Individuen ihre Fitness in einer bestimmten Umwelt steigern Genetische Auffrischung – Einbringen neuen genetischen Materials in eine Population zur Vergrößerung der genetischen Vielfalt in kleine, isolierte Populationen, die möglicherweise unter Inzucht leiden Genom Bank – auch Gen Bank – ein Archiv von genetischen Informationen (oft von bedrohten) Arten, besonders Keimzellen (Ei- und Samenzellen) Gründerbestand – oft Wildfänge, aus einer Population, die genetisch eine Subpopulation bilden (z.B. in einem Erhaltungszuchtprogramm) und Nachkommen haben holistisch – ganzheitlich; Zugang aus unterschiedlichen Perspektiven informale Bildung – allgemeine Besucherinformation (z.B. kommentierte Fütterung, Beschilderung, Gehege) in-situ – im angestammten Lebensraum einer Art invasive Art – Art, die mit heimischen Arten in Konkurrenz um Raum und Ressourcen steht, oft exotisch und eingeschleppt (es gibt aber auch heimische invasive Arten) Inzucht – Verpaarung verwandter Individuen ISO 14001 – internationaler Standart des Umweltmanagements, bietet einen Rahmen für ein EMS, prüft die Umsetzung und Verträglichkeit von Umweltrichtlinien und –praktiken durch ein externes Audit Künstliche Selektion – Auslese bei der Pflanzen- und Tierzucht durch den Menschen, um gewünschte Merkmale herauszuzüchten Lebensraum Zerstückelung – durch menschlichen Einfluss werden ursprünglich zusammenhängende Gebiete zu isolierten Stücken, diese bieten nur kleinen Populationen Raum und leiden z.B. an verändertem Mikroklima Metapopulationsmanagement – Management von teilweise isolierten Populationen einer Art (z.B. Austausch von Individuen oder Genen zwischen Wild- und Haltungsbeständen) Molekulargenetik – Zweig der Genetik, der sich mit der Struktur und Funktion von Genen befasst (z.B. wie Gene kopiert werden, wie Mutationen entstehen, wie die genetische Information in den Phänotyp übersetzt wird) Morphologie – Wissenschaft von Form und Gestalt eines Organismus Nachhaltigkeit – das Konzept, die Ressourcen der Erde so zu nutzen, dass wir ein angenehmes Leben führen können, ohne zu gefährden, dass unsere Kinder und Kindeskinder das ebenfalls können natürliche Kreisläufe - „environmental services“ – natürliche Prozesse, wie Versorgung mit sauberem Wasser, sauberer Luft, Boden, die Teil einer funktionierenden Umwelt sind, aber selten bedacht werden, wenn natürliche Ressourcen verbraucht werden Neue Krankheiten – neue oder unbekannte Erkrankung verursacht durch Bakterien, Pilze, Viren oder Parasiten Öko-Audit – bemisst und bewertet die Auswirkungen der Aktivitäten einer Institution auf die Umwelt. Oft Selbstbewertung, Audit durch unabhängige Dritte ist erstrebenswert Ökologie – Wissenschaft der Wechselwirkungen von Organismen und ihrer Umwelt Ökosystem – ein dynamisches System von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen und ihrer nicht belebten Umwelt im Funktionszusammenhang (z.B. Regenwald, Korallenriff) Ökotourismus – ein Tourismus zu den biologischen Attraktionen eines Gebiets, der möglichst wenig Schaden verursachen will (z.B. Wale beobachten, trekking) passive Heizsysteme – Gebrauch von Solarenergie zum Heizen (z.b. durch nach Süden gerichtete Glasfenster) pathogen – krankheitserregend Physiologie – Wissenschaft von den Lebensprozessen und Funktionen eines Organismus Populationsökologie – Zweig der Ökologie, untersucht Struktur und Wechselbeziehung in Populationen, bildet mit der Populationsgenetik die Populationsbiologie Pufferzone – neutrale Zone, um die Grenze zwischen unterschiedlich genutzten Landflächen allmählich übergehen zu lassen (z.B. mehrfach genutzte Gebiete, in denen einige Entnahmen erlaubt sind, wie Honig und Medizinpflanzen sammeln, rund um das Kerngebiet) rezessives Gen – wird im Phänotyp nur ausgeprägt, wenn das Partnerallel ebenfalls rezessiv ist Spuren in der Natur – engl. ecological footprint – Maß wie viel Land oder See zur Herstellung eines Produkts verbraucht wird, wie viel Abgase entstehen, wie viel Treibstoff und Land zur Müllentsorgung verbraucht wird Stammbaum – graphische Darstellung der Verwandtschaft und Abstammung eines Individuums Systematik – Wissenschaft der Verwandtschaft der Arten; Beschreibung von Arten, Einordnung in Verwandtschaftsgruppen (Gattungen, Familien etc.) und deren stammesgeschichtliche Verwandtschaft Taxon – Gruppe von Lebewesen mit verwandtschaftlicher Beziehung, wie Art, Unterart oder Gattung Taxonomie – wissenschaftliche Klassifizierung und Benennung von Organismen Umsiedlung – absichtliche Verbringung von Wildtieren aus einem Teil ihres Verbreitungsgebiets in ein anderes Umweltverantwortlichkeit – nachhaltige und verantwortliche Nutzung von Ressourcen Verwandtschaftsgrad – Maß, wie eng ein Individuum mit der Population verwandt ist, d.h. wie selten die Gene eines Tieres sind. Je seltener die Genkombination, desto wertvoller ist das Tier für ein Erhaltungszuchtprogramm Wiedereinbürgerung – Versuch, eine Tierart in ihrem angestammten Lebensraum, in dem sie ausgerottet wurde, wieder heimisch zu machen (nutzt oft Tiere aus Erhaltungszuchtprogrammen) Zentren biologischer Vielfalt – („hotspots“ of biodiversity) Region mit großer Vielfalt endemischer (oft bedrohter) Arten, hat Vorrang im Naturschutz Zoonose – Infektionskrankheit, die zwischen Mensch und Tier übertragen werden kann oder an der beide leiden können Zuchtbuch – genaue Aufzeichnungen von Geburt, Tod und genetischer Beziehung und anderer biologischer Daten, die Grundlage des Populationsmanagements sind |
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Danksagung |
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Dieses Dokument wäre nicht möglich gewesen ohne die Mithilfe zahlreicher Personen und Institutionen, denen WAZA zu größtem Dank verpflichtet ist. Die Übertragung ins Deutsche wurde von folgenden Mitgliedern des Verbandes Deutschsprachiger Zoopädagogen e.V. vorgenommen: Cord Crasselt, Hagenbecks Tierpark, Hamburg; Ruth Dieckmann , Zoo Köln; Detlev Fricke, Zoo Köln; Dr. Elmar Finke, Aquazoo + Löbbecke-Museum Düsseldorf; Dr. Leo Slotta-Bachmayr, Salzburg; Eva Oberauer, Alpenzoo Innsbruck; Eva Schumann, Zoo Köln, Jochen Haßfurther, Zoo Hannover, Lothar Philips , Zoo Köln; Sabine Schoirer, Tiergarten Nürnberg; Martina Schürer, Zoo Wuppertal. Alle, die an der Originalausgabe dieser Strategie mitgewirkt haben, sind in der nachfolgenden Liste aufgeführt . Die angegebene Organisation ist jene zum Zeitpunkt der Mitarbeit und kann unter Umständen heute nicht mehr zutreffend sein. Trotz aller Bemühungebn um Vollständigkeit kann es sein, dass einzelne Personen nicht erfasst wurden, wofür wir uns gegebenenfalls bei den Betroffenen entschuldigen möchten . Yoshitake Abe, Fukushima Aquarium, Japan; Jörg A dler, Allwetterzoo Münster , Deutschland ; Govindasamy Agor a moorthy, Zoo Singapur , Singapur ; Amanda Alabaster, Edinburgh Zoo, UK; Jayanthi Alahakoon, C olombo Zoo, Sri Lanka; Ruth Allard, AZA, USA; Thomas Althaus , CITES -Vollzugsbehörder der Schweiz und Liecht ensteins ; Lars Lunding Andersen, Zoo Kopenhagen , Dänemark ; Brad Andrews, Sea World Inc., USA; Tatjana Arjanova, Zoo Moskau , Russland ; Beth Armstrong, Brevard Zoo, Florida, USA; Andreas Artmann, Zoo S c hm i ding, Österreich ; Cheryl Asa, Saint Louis Zoo, USA; Stephane Auffret, Oceanarium Brest , Frankreich . Dayton Baker, National Aviary, Pittsburgh, USA; Anne Baker , Rosamond Gifford Zoo at Burnett Park , USA; Haig Balian, Artis Zoo, Amsterdam, Niederlande ; Jonathan Ballou, National Zoo, Washington D.C. , USA; Andrew Balmford, Cambridge University, UK; Chris Banks, Zoo Melbourne , Australien ; Yehuda Bar, Ramat Gan Zoo, Israel; Joseph Barber, Disney's Animal Kingdom, Lake Buena Vista, USA; Laura Barraza, UNAM, Mexiko ; Annette Berkovits, Wildlife Conservation Society, New York, USA, und IZE; Brian Bertram, Bristol Zoo Gardens, UK; Laurie Bingaman Lackey , ISIS, USA; Evan Blumer, The Wilds, Ohio, USA; Suzanne Boardman , Twycross Zoo , UK , und WIN; Duncan Bolton, Bristol Zoo Gardens, UK; Jeffrey Bonner , Saint Louis Zoo, USA , und ISIS; Jerry Borin , Columbus Zoo, USA; Marcus Borner, Frankfurter Zoologische Gesellschaft , Deutschland ; Paul Boyle, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Thomas Brooks, Co n servation International, USA; Koen Brouwer , EAZA, Niederlande ; Syd Butler, AZA, USA; Onnie, Byers, CBSG, USA. Amy Camacho, Africam Safari , Puebla, , Mexiko, und CBSG; Frands Carlsen, Zoo Kopenhagen , Dänemark ; Bryan Carroll, Bristol Zoo Gardens, UK; Paolo Cavicchio , Zoo di Pistoia, Italien, und EAZWV; Gerardo Ceballos, Mexiko ; Bor-yeu Chang, Kaohsiun Shoushan Zoo, Taiwan; Ravi Che l lam, Neu-Delhi, Indien ; Pao-chung Chen, Taipei Zoo, Taiwan; Wen-haur Cheng, Zoo Singapur , Singapur ; Li Yi Cheng, Taipei Zoo, Taiwan; Tch-lung Chiang, Nantou County Bird Park, Taiwan; B.C. Choudhe ry, Wildlife Institute of India, Indien ; Sarah Christie , Zoological Society of London, UK; Chris Clark, Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln ; William G. Conway, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Robert Cook, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Mark Craig , Zoo Adelaide , Australien ; Hamish Currie, Back to Africa , Kapstadt , Südafrika . Glyn Davies, Zoological Society of London, UK; Bert de Boer, Apenheul Zoo, Niederlande, und EAZA; Antonio de Freitas, South African Association for Marine Biological Research, Südafrika ; Bill Dennler , Toledo Zoo, USA , und WAZA; Lesley Dickie , Zoological Society of London, UK; Ellen Dierenfeld, St Louis Zoo, USA; Peter Dollinger , WAZA -Geschäftsstelle , Schweiz ; Maria Clara Dominguez , ALPZA, Kolumbien ; Holly Dublin, IUCN/SSC, Kenya; Sue Dubois, Disney's Animal Kingdom, USA; Sophon Dumnui, Dusit Zoo, Bangkok und Zoological Parks Organization , Thailand; Lee Durrell, Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln . Brian Easton, Zoo Perth , Australien ; Mark Edgerley , Marwell Zoo, UK; Susie Ellis, Conservation International, USA; Amanda Embury, Zoo Perth , Australien ; Yeon Eo Kyung, Seoul Zoo, Südkorea . John Fa, Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln ; Mauricio Fabry, Zoológico Nacional , Santiago de Chile, Chile; Lex Fearnhead, Two Oceans Aquarium, Kapstadt , Südafrika ; Anna Feistner, Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln ; John Fellowes, Kadoorie Farm and Botanic Gardens, Hong Kong, China; David Field, Zoological Society of London, UK; Karen Fifield, Zoos Victoria, Australien ; Fiona Fisken, Zoological Society of London, UK; Nate Flesness , ISIS, USA; Tom Foose, International Rhino Foundation, USA; Bill Foster , Birmingham Zoo, USA; Reinhard Frese, Zoo Duisburg, Deutschland ; Yolan Friedmann, CBSG, Südafrika ; Renaud Fulconis, Chartres, Frankreich . Simon Garrett, Bristol Zoo Gardens, UK; Pierre Gay , Zoo Doué-la-Fontaine, Frankreich und EAZA; Greg Geise, Binder Park Zoo, USA; Suzanne Gendron, Ocean Park, Hong Kong, China; Nico Gerrits, Universität Rotterdam, Niederlande ; Wolfgang Gettmann, Aquazoo Düsseldorf , Deutschland ; David Gibson, The Deep, Hull, UK; Paul Gill, Environmentally Sustainable Systems, UK; Jo Gipps, Bristol Zoo Gardens, UK, und WAZA; Mauvis Gore, UK; Jennifer Gray, Zoo Johannesburg , Südafrika ; Wolfgang Grummt, Tierpark Berlin, Deutschland ; Rosamira Guillen , ACOPAZOA, Kolumbien ; B.K. Gupta, Central Zoo Authority, Indien ; Sabine Gyger, WAZA-Geschäftsstelle , Schweiz . Franck Haelewyn , Lille Zoo und SNDPZ, Frankreich ; David Hancocks, Australien ; Bernard Harrison, Bernard Harrison & Friends, Singapur ; Jane Hartline, Oregon Zoo, USA; Matthew Hatchwell, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Mary Healy, Sacramento Zoo, USA; Jens-Ove Heckel, Zoo Landau, Deutschland ; Bart Hiddinga , EAZA, Niederlande ; Charlie Hoessle, St Louis Zoo, USA; Heribert Hofer, Institut für Zoo - und Wildtierforschung, Berlin, Deutschland ; Glen Holland, Zoo Auckland , Neuseeland ; Bengt Holst, Zoo Kopenhagen , Dänemark , CBSG Europe und EAZA; Heather Holve , Bristol Zoo Gardens, UK; Jesper Hørsted, Danmarks Akvarium, Dänemark ; Alexander Hoskins, Philadelphia Zoo, USA; Chung-Hsiiung Hsu, Leopard King Safari Zoo, Taiwan; Ming-Shih Hung, Hsinchu Zoo, Taiwan; Michael Hutchins, AZA, USA; Colin Hyde, Zoo Perth , Australien . Walter Jansen, European Zoo Nutrition Centre, Amsterdam, Niederlande ; Thierry Jardin, CERZA Lisieux , Frankreich ; Dieter Jauch, Wilhelma , Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart, Deutschland ; Thomas Jermann, Zoologischer Garten Basel , Schweiz ; Katherina Jewgenow, Institut für Zoo - und Wildtierforschung, Berlin, Deutschland ; Vladislav Jirousek, Zoo Jihlava, Tschechien ; David Jones , North Carolina Zoo, Asheboro, USA; Phillippe Jouk, Zoo Antwerpen , Belgien ; Henning Julin , Zoo Aalborg , Dänemark, und WAZA; Jörg Junhold , Zoo Leipzig, Deutschland . Mati Kaal, Zoo Tallinn, Estland ; Rainer Kaiser , Zoo Berlin Aquarium, Deutschland ; William Karesh, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Werner Kaumans, Zoo Köln , Deutschland ; Ken Kawata, Staten Island Zoo, USA; Takami Kazutoshi, Ueno Zoo und JAZA, Japan; Itoh Kazuyoshi, Ueno Zoo und JAZA, Japan; Uzma Khan, WWF, Pakistan; Cathy King, Zoo Rotterdam , Niederlande ; James Kirkwood, Universities Federation for Animal Welfare, UK; Vernon Kisling, Marston Science Library, USA; Bjarne Klausen, Zoo Odense, Dänemark ; Devra Kleiman, USA; Isobel Koch, Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart , Deutschland ; Heather Koldewey, Zoological Society of London, UK; N. Krishna Kumar, Indian Forest Service, Madras, Indien ; Yeun Zo Kyung, Seoul Grand Park Zoo, Südkorea . Willie Labuschagne , National Zoo, Pretoria, Südafrika ; Bob Lacy , Brookfield Zoo, USA , und CBSG; Fanny Lai, Zoo Singapur , Singapur ; Jürgen Lange, Zoo Berlin , Deutschland, und EUAC; Chris Larcombe, Australien ; Hans-Ove Larsson, Stiftung Skansen , Stockholm und SAZA, Schweden ; Alison Lash , Zoo Wellington , Neuseeland ; Richard Lattis , Wildlife Conservation Society, New York, USA; Frédéric Launay, IUCN/SSC/Re-Introduction Specialist Group, UAE; Nigel Leader-Williams, Durrell Institute of Conservation Ecology, University of Kent, UK; Hang Lee, Seoul National University, Südkorea ; Caroline Lees , ARAZPA, Australien ; Nicholas Leroux, Zoo d’Amnéville , Frankreich ; Kristin Leus , Zoo Antwerpen , Belgien ; John Lewis, International Zoo Veterinary Group, UK; John Lewis, Los Angeles Zoo, USA; Carmen Linares, Africam Safari, Mexiko ; Don Lindburg, San Diego Zoo, USA; Lena M. Lindén, Nordens Ark, Schweden ; Kristen Lukas, Cleveland Metroparks Zoo, USA; Peter Luptak, Zoo Bojnice, Slowakei ; Jörg Luy, Erna-Graff -Stiftung für Tierschutz , Deutschland . Alastair Macdonald, Royal (Dick) School for Veterinary Science , Edinburgh, und EAZA , UK; Georgina Mace, Zoological Society of London, UK; Neil Maddison, Bristol Zoo Gardens, UK; Alexis Maillot, Zoo d’Amnéville , Frankreich ; Francis Maina, William Holden Conservation Foundation, Kenya; Sue Mainka, IUCN/SSC, Schweiz ; Jeremy Mallinson, Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln ; Jansen Manansang, Taman Safari, Indonesien ; Judy Mann-Lang, South African Association for Marine Biological Research, Südafrika ; Maria Martinez, Guadalajara Zoo, Mexiko ; Michael Martys, Alpenzoo, Innsbruck, Österreich ; Georgia Mason, Oxford University, UK; Mitsuko Masui, Yokohama Zoological Garden, Japan; Yolanda Matamoros , AMACZOOA, Costa Rica, und WAZA ; Sue Mathews, Canberra, Australien ; Mike Maunder, Fairchild Tropical Gardens, USA; Ed McAlister , Royal Zoological Society of South Australia , Adelaide, Australien , und WAZA; Gordon McGregor Reid, Zoo Chester , UK, und WAZA; Stephen, McKeown, Zoo Chester, UK; Jeff McNeely, IUCN/SSC, Schweiz; Abdul Qadeer Mehal, SAZARC, Pakistan; Jill Mellen, Disney's Animal Kingdom, Lake Buena Vista, USA; Dennis Merritt, USA; Phil Miller, CBSG, USA; Brian Miller, Zoo Denver , USA; Eric Miller , St Louis Zoo, USA , und AAZV ; Russ Mittermeier, Conservation International, USA; Thembi Mogoai, Zoo Johannesburg , Südafrika ; Manuel Mollinedo, San Francisco Zoo, USA; David Morgan, PAAZAB, Südafrika ; Xola Mphahlele, National Zoo, Pretoria, Südafrika ; Ludwig Müller, Primate Center, Costa Rica; Laura Mumaw , Zoo Melbourne und WAZA , Australien ; Koichi Murata, Nihon University, Japan. Tom Naiman, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Akemi Narita, Yokohama Zoological Garden, Japan; Ruben Ngwenya, National Zoo, Pretoria Südafrika ; Gunther Nogge , Zoo Köln , Deutschland ; Shane Noyes, Zoo Hamilton, Neuseeland. Peter Olney , UK; Steve Olson, AZA, USA. Olivier Pagan, Zoologischer Garten Basel , Schweiz ; Paul Pearce-Kelly , Zoological Society of London, UK; Shaun Peng, Taipei Zoo, Taiwan; Hant Perera, National Zoo , Dehiwala, Sri Lanka, und SAZARC; Elsie Perez, Zoo Havanna, Kuba ; Miklos Persanyi, Zoo Budapest, Ungarn ; Wolfgang Peter, Straubing Zoo, Deutschland ; Chris Peters, Zoo Rotterdam , Niederlande, und IZE; Lothar Philips, Zoo Köln ; Deutschland ; Graham Phipps, Australien ; Mark Pilgrim, Zoo Chester , UK; Vijay Kumar Pillai, Zoo Singapur , Singapur ; Frank Princee, Niederlande George Rabb , Brookfield Zoo, USA; Greg Rasmussen, Painted Dog Research Trust, Zim babwe; Parntep Ratanakorn, Mahidol University, Thailand; Richard Re a ding, Zoo Denver , USA; Mark Reed , Sedgwick County Zoo , Wichita , USA , und WAZA; Roman Rehak, Zoo Teschen , Tschechien ; Ivan Rehak , Zoo Prag , Tschechien ; Jan Reimbiszewski, Zoo Warschau , Polen ; Barbara Revard, Columbus Zoo, USA; Frank Rietkerk , Apenheul Zoo, Niederlande ; Vinod Rishi, Government of India, Indien ; Klaus Robin , Robin Habitat AG, Uznach, Schweiz ; John Robinson, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Alex Rübel, Zoo Zürich , Schweiz, und WAZA; Anthony Rylands, Conservation International, Brasilien und USA. Kanchai Sanwong, Chiangmai Zoo, Thailand; Karen Sausman, The Living Desert, Palm Desert CA , USA , und WAZA; Anne Savage, Disney's Animal Kingdom, Lake Buena Vista, USA; Nan Schaffer, SOS Rhino, USA; Christian Schmidt, Zoo Frankfurt , Deutschland ; Dagmar Schratter, Tiergarten Schönbrunn , Österreich ; Arndt Schreiber, Universität Heidelberg, Deutschland ; Harald Schwammer, Tiergarten Schönbrunn , Österreich ; Ulie Seal, CBSG, USA; S.C. Sharma, Central Zoo Authority, Indien ; Brij Raj Sharma, Central Zoo Authority, Indien ; Asad Shirez, Zoo Singapur , Singapur ; R.K. Shreshta, Zoo Kathmandu, Nepal; Lee Simmons, Omaha Zoo, USA; P.R. Sinha, Central Zoo Authority, Indien ; Brandie Smith , AZA, USA; Lucy Spelman , National Zoo, Washington DC , USA; Vladimir Spitsin, Zoo Moskau und EARAZA , Russland ; Stephen Standley, ARAZPA, Australien ; Mark Stanley Price , Durrell Wildlife Conservation Trust, Jersey, Kanalinseln ; Christian Stauffer , Wildpark Langenberg , Schweiz, und ITG ; Beth Stevens, Disney's Animal Kingdom, Lake Buena Vista, USA; Miranda Stevenson, BIAZA, UK; Hiroshi Sugaya, Ueno Zoo, Japan; Gl o ria Svampa , UIZA, Italien . Kazu Takami, Osaka Municipal Tennoji Zoo, Japan; Kit Sun Tan, Zoo Singapur , Singapur ; Kevin Tanner , Oceanis Australien Group, Australien ; Richard Tenaza, Indonesien ; Sue Thornton, International Zoo Veterinary Group, UK; Esteve Tomàs, Zoo Barcelona , Spanien, AIZA und WAZA ; Simon Tonge , Paignton Zoo, UK; Arshad Toosey, National Avian Research Centre, UAE; Kathy Traylor-Holzer, CBSG, USA; Eric Tsao, Taipei Zoo, Taiwan; Seppo Turunen, Zoo Helsinki , Finn land. Endang Budi Utami , TMII Vogelpark Djakarta, Indonesien . Paul van den Sande, Zoo Antwerpen , Belgien, und EUAC; Linda van Elsacker, Zoo Antwerpen , Belgien ; Rudy van Eysendeyk, Zoo Antwerpen , Belgien ; Robert van Herk, Zoo Rotterdam , Niederlande ; Hans van Weerd , Artis Zoo, Amsterdam, Niederlande ; Mark Vincent, ARAZPA, Australien ; Gerald Visser, Zoo Rotterdam , Niederlande ; Paul Vogt, Zoo Krefeld , Deutschland . Jonas Wahlström, Skansen Akvariet, Schweden ; Sally Walker , Zoo Outreach Organization, Indien, und SAZARC; Olivia Walter, BIAZA, UK; Chris Walzer, Zoo Salzburg , Österreich, und ITG ; David Wau gh, Loro Parque, Spanien ; Felix Weber, Natur-und Tierpark Goldau und ZOOSchweiz, Schweiz ; Stephanie Wehnelt, Zoo Chester , UK; Chris Wemmer, Smithsonian Institution, Washingzon DC, USA; Chris West, Zoological Society of London, UK; Dan Wharton, Wildlife Conservation Society, New York, USA; Malcolm Whitehead, Wildfowl and Wetlands Trust, UK; Jonathan Wilcken , ARAZPA, Australien ; David Wildt, Smithsonian Institution, USA; Roger Wilkinson, Zoo Chester , UK; Ekkhard Wolff, Schönbrunn Aquarium, Österreich ; Hon Mun Wong, Jurong Bird Park, Singapur ; Stephen Woollard, Dudley Zoo, UK, und IZE ; Rob Young, Universidade Catholica de Minas Gerais, Brasilien . Xie Zhong , Chinese Association of Zoological Gardens, China. |
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Unterwasserwelt erleben – Kontaktbecken mit Seesternen . Aufnahme zur Verfügung gestellt von Kevin Tanner , Underwater Wo r ld, Mool oo laba , Aus t ralien |
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